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Technologieschritt nicht vermasseln

Die Mission des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren (AKEP) bei den eigenen Konferenzen scheint impossible: Einen Blick in die Zukunft zu werfen, ohne zu abgehoben zu wirken und die Bodenhaftung zu verlieren; zu sensibilisieren, die Branchenakteure aber nicht zu überfordern; Trends aus anderen Branchen aufzutischen, dabei aber möglichst die Ableitung fürs eigene Metier mitzuliefern – und insgesamt der Buzzwords-Gefahr weitestgehend zu entgehen. Das Resultat muss ein Zickzack-Kurs sein, den der AKEP im Rahmen der Buchtage 2015 gut gemeistert hat.
„Content für das Internet der Dinge“, unter diesem Motto hat der Arbeitskreis ein vielfältiges Programm zusammengestellt. Dass dies nicht nur ein Zukunftsszenario ist, darauf verwies Börsenvereins-Vorsteher Heinrich Riethmüller schon in seiner Begrüßung. Die Branche sei bereits mitten drin in diesem Prozess. 
Daran knüpfte AKEP-Sprecher Jürgen Harth an. Man dürfe zwar nicht den Fehler begehen, jede neue Sau durchs Dorf zu treiben, die Unternehmen müssten aber Technologien in ihre Abteilungen bringen und mit ihnen gemeinsam spielen, um Ideen zu entwickeln. „Wir dürfen diesen Technologieschritt für die Branche nicht vermasseln“, warnte der Hanser-Digitalmanager.
Wie dieser Technologieschritt aussehen kann, wurde in Berlin in vielen Facetten illustriert. 
Der Technologie- und Wissenschaftsjournalist Ulrich Eberl (Foto unten) skizzierte eine Welt im Jahr 2050, in der das Internet der Dinge das Leben der Menschen vollständig umgekrempelt hat. Bis dahin würden ganze Städte „smart“ – Verkehr, Energieverbrauch Wasserbedarf, alles würde durch Rechner und Auswertung von Daten gesteuert. Künftig würden die Computer in den Dingen verschwinden, es kommunizierten künftig mehr Objekte miteinander als Menschen.

Eine Schritt näher an die Branche vollzog Kay Herget, Leiter Marketing und Business Development bei der Bosch-Tochter SoftTec, die Multimedia-Anwendungen für Autos entwickelt. Im Auto der Zukunft könne das gesamte Infotainment per Sprache gesteuert werden – mit der Option für Verlage, ihre Reiseführer und Hörbücher zu integrieren und, per Auswertung von Big Data, auf die Nutzungssituation zuzuschneiden.

Der Social Media-Experte Michael Praetorius (Foto oben) warb dafür, dass Verlage ihre Inhalte getrennt vom Layout entwickeln und Metadaten medienneutral speichern. „Content ist King, aber Distribution King Kong“, so sein Motto.

Alexander Trommen vom Dienstleister Appsfactory animierte Verlagen dazu, in Apps für Smartwatches wie die Apple Watch zu investieren. Die von seinem Unternehmen entwickelte App der „Welt“ sei binnen einer Woche fertig gewesen. Firmen könnten bereits für 3000 bis 5000 Euro mit einer Apple Watch-App am Start sein – mit der Chance, sowohl beim Apple-Store selbst als auch den (noch vergleichweise wenigen) Nutzern Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die frühe Erfahrung werde so zu einem Wettbewerbsvorteil.  

Kommentare

1 Kommentar zu "Technologieschritt nicht vermasseln"

  1. Jürgen Harth | 22. Juni 2015 um 16:34 | Antworten

    Die Rede im Wortlaut mit den To-Dos für die Buch- und Verlagsbranche unter http://www.akeplog.de/akep15-d

    Wir würden uns über interessierte Kolleginnen und Kollegen sowie Unternehmen – auch gern außerhalb der Branche – freuen, die mit uns in diesem Jahr bis zur Jahrestagung #akep16 am 22. Juni 2016 in der Kalkscheune Berlin (http://www.akeplog.de/akep16-d… an konkreten Projekten sowie Proof of Concepts/Prototypen arbeiten.

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