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Spüren eine deutliche Aggressivität von Amazon

Die staatliche Hilfe und die Unterstützung des Buchhandels durch die Verlage in Frankreich sorgt international für Schlagzeilen. Im Interview beschreibt Christine de Mazières, Generalsekretärin des französischen Verlegerverbands SNE, das Ziel der Aktion – und geht auf Distanz zu Amazon.
Machen Sie sich Sorgen um den Buchhandel?
Die Situation ist gerade für die kleinen und mittleren unabhängigen Buchhandlungen sehr schwierig. Ihre Margen sind rückläufig: Die Online-Konkurrenz setzt viele Sortimenter ebenso unter Druck wie steigende Mieten, Transport- und Lagerkosten. Wenn wir jetzt nichts unternehmen, werden einige dieser Geschäfte verschwinden. Und einmal aufgegebene Läden kehren nicht wieder zurück. Natürlich gibt es auch unter den großen Ketten Sorgenkinder, aber das Geld reicht nicht aus, um an allen Stellen Hilfe anzubieten.

Setzt sich der Staat genug für die Branche ein?
Die Regierung engagiert sich traditionell stark für die Buchbranche. Sie hilft uns, indem sie Rahmenbedingungen wie die Preisbindung aufrechterhält und den Mehrwertsteuersatz für Bücher senkt – zunächst von 7 auf 5,5%, 2014 weiter auf 5%. Erst diese Maßnahme ermöglicht uns ein Förderprojekt von solchem Ausmaß: Möglichst viele Verlage werden die Mehrwertsteuerermäßigung auf diesem Wege an die Händler weitergeben. Uns geht es aber nicht nur darum, Geld zu verschenken, sondern insbesondere auch um die Signalwirkung. Wir wollen uns zum Buchhandel bekennen, uns solidarisch zeigen und Zuversicht vermitteln. Das erfolgt komplementär zu dem, was die Regierung für die Sortimenter tut.

Wollen Sie sich durch die Unterstützung der stationären Händler auch von Amazon distanzieren?
Amazon ist für uns mittlerweile kein Kunde mehr wie jeder andere. Wir glauben, dass es dem Markt schadet, wenn ein Händler zu dominant wird, und das ist bei Amazon der Fall. Zudem respektiert das Unternehmen die Spielregeln nicht: Es umgeht beispielsweise mit seinem Gebrauchtbuchgeschäft die Preisbindung. Wir spüren eine deutliche Aggressivität vonseiten des Online-Riesen, der keine Verlage und keine Händler mehr zu brauchen glaubt. Daher müssen wir versuchen, diese Marktmacht im Rahmen zu halten – aus wirtschaftlichen, aber auch aus kulturellen Gründen, um die editorische Vielfalt du erhalten.

Was muss der Buchhandel tun, um zu überleben?

In Frankreich setzen sich viele Buchhändler noch nicht dynamisch genug für ihre eigenen Belange ein. Eine „Buy Local“-Initiative wäre wichtig, um bei den Kunden ein Bewusstsein für die Argumente der stationären Händler zu wecken, aber damit tun sich die französischen Buchhandlungen schwer. Daher beobachten wir die deutschen Beispiele mit Interesse. Darüber hinaus haben Umfragen ergeben, dass die Sortimenter an ihren Basiskompetenzen arbeiten sollten: Sie müssen sich stärker an den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden orientieren und noch mehr Service bieten.
aus: buchreport.express 23/2013

Kommentare

1 Kommentar zu "Spüren eine deutliche Aggressivität von Amazon"

  1. „[Amazon]…umgeht beispielsweise mit seinem Gebrauchtbuchgeschäft die Preisbindung“

    Amazon – Bashing in allen Ehren, aber das ist schlicht falsch !

    Amazon stellt eine Plattform für Gebrauchtbuchhändler zur Verfügung und verkauft auf eigene Rechnung angeschlagene oder von Kunden zurückgesandte, ausgeschweißte Exemplare.

    Damit bewegt sich A. korrekt im Rahmen des Buchpreisbindungsgesetzes. Wenn dem nicht so wäre könnten sie nichtmal bis 3 zählen, so schnell stände Herr Wallenfels vor der Tür.

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