»Sie haben nicht gescheut, uns ins Gesicht zu lügen«

Die Entlassung der verlegerischen Geschäftsführerin Barbara Laugwitz bei Rowohlt hatte zu Protesten der Autoren geführt. Jetzt wird der Ton schärfer: Erneut haben sich Autoren zu Wort gemeldet. In einem offenen Brief an Holtzbrinck-CEO Joerg Pfuhl, den die „FAZ“ veröffentlicht hat, erheben sie schwere Vorwürfe: Von Ignoranz, Intransparenz und Lüge ist die Rede. 

Die Vorgeschichte: Ende August hatte Rowohlt die Verpflichtung des Bestsellerautors, Journalisten und Kunstexperten Florian Illies bekannt gegeben, der ab 1. Januar 2019 als neuer verlegerischer Geschäftsführer einsteigen soll. Laugwitz, seit 2014 in dieser Funktion tätig, werde Rowohlt verlassen. In einem ersten offenen Brief protestierten Rowohlt-Autoren wie Daniel Kehlmann, Jonathan Franzen, Eckart von Hirschhausen, Siri Hustvedt, Paul Auster und Elfriede Jelinek und fragten nach den Gründen für die Kündigung. Pfuhl nahm daraufhin Stellung und reagierte auch auf die Vorwürfe, die in den Berichten über den Fall kursierten: Rowohlt habe der Autorin einen Maulkorb verpasst und den Kontakt zu Autoren des Verlags abbrechen müssen. Eine solche „Kontaktsperre“, so Pfuhl, habe es nie gegeben, es handele sich um ein „Missverständnis“.

Diese Aussage fällt Pfuhl jetzt auf die Füße: In dem zweiten offenen Brief werfen die Unterzeichner – darunter Autoren wie Martin Mosebach, Martin Walser und Max Goldt – Pfuhl vor, gelogen zu haben. Die Autoren verweisen auf Dokumente (eine E-Mail und ein Schreiben von Pfuhl) vom Tag nach der Kündigung, in denen Laugwitz der Kontakt zu den Autoren des Rowohlt-Verlags ausdrücklich nur „in Absprache mit Herrn Pfuhl“ gestattet und auf eine Verschwiegenheitserklärung hingewiesen werde: „Die uns vorliegenden Informationen lassen keinen Zweifel, dass Ihr Gerede vom ‚Missverständnis‘ lediglich den Versuch darstellt, Barbara Laugwitz weiter zu diskreditieren. Zu diesem Zweck haben Sie nicht gescheut, uns, den Autoren des Rowohlt-Verlages, ins Gesicht zu lügen.“

Auch die weiteren Ausführungen sind mehr als deutlich: Pfuhl habe bisher keine Gründe für die Entlassung von Laugwitz vorgebracht: „Da es aber angeblich um ‚unüberbrückbare Gegensätze‘ in Bezug auf die ‚Zukunft des Verlages‘ ging, sind wir von den hiermit gemeinten Entscheidungen in jedem Fall unmittelbar betroffen; sie tangieren unsere Zukunft und unsere Interessen als Ihre Geschäftspartnerinnen und -partner. Ihr Schweigen in dieser Frage ist daher mehr als unhöflich.“

Es scheint somit eine weitere Eskalationsstufe zwischen Autoren und Konzernleitung erreicht zu sein. Die Drohung, den Verlag zu verlassen, wurde bislang nicht ausgesprochen, aber sie schwingt mit in den abschließenden Sätzen des Briefes: „Sehr geehrter Herr Pfuhl, kaum jemand von uns kannte vor dieser unglücklichen Angelegenheit Ihren Namen. Nun verbindet sich Ihr erstes Erscheinen für uns mit Ignoranz, Intransparenz und Rücksichtslosigkeit. Wir sehen nicht, wie unter diesen Bedingungen Vertrauen hergestellt werden soll.“

 

 

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