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Wie sich Unternehmen vor Ransomware-Angriffen schützen können

Cyberattacken zählen im Mittelstand zu den meistunterschätzten Geschäftsrisiken. Ransomware-Angriffe sind dynamisch wachsend und gelten als eine der profitabelsten Angriffsformen.

Im Channel Produktion und Prozesse von buchreport.de zeigt Michael Piontek von Veritas Technologies, einem Anbieter für Datensicherung und Verfügbarkeit, warum Unternehmen Cybergefahren nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen und was sie beachten müssen.

 

Cyberkriminelle greifen Firmen gezielt mit Ransomware an, um Geld von ihnen zu erpressen

Cyberkriminelle greifen Firmen gezielt mit Ransomware an, um Geld von ihnen zu erpressen. (Foto: 123RF.com/Alexander Buch)

Nicht der Klimawandel, nicht Naturkatastrophen oder die aktuelle Pandemie, sondern Cyberattacken stufen Risk-Management-Experten weltweit als das größte Risiko für die Wirtschaft ein. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Allianz-Industrieversicherers AGCS, der in diesem Zusammenhang von einer Art zweiten globalen Pandemie spricht.

Die Gefahr ist real, denn Cyberkriminelle werden durch den wachsenden Profit von Ransomware stark motiviert. Um ihr Geschäft auszubauen, suchen sie neue Methoden und Sicherheitslücken, durch die sie an der ersten Verteidigungslinie – den Sicherheitssystemen – vorbei unbemerkt in Rechner einbrechen und dort alle Daten verschlüsseln können.

Firmen werden erpressbar, wenn sie zum Beispiel Software-Patches spät oder überhaupt nicht installieren und so bereits eine erste Grundregel für Sicherheit brechen. Viele Unternehmen sind nicht in der Lage, ihre Sicherheitslücken rechtzeitig zu schließen: Die große Menge der Akteure startet Massen neuer Ransomware-Attacken gegen frische Sicherheitslücken.

Einmal eingebrochen, gehen Cyberkriminelle immer geschickter gegen ihre Opfer vor, um noch mehr Profit herauszupressen. Ein Beispiel ist die doppelte Erpressung: Statt nur die Daten mit Ransomware zu verschlüsseln und Lösegeld zu verlangen, stehlen Hacker zusätzlich sensible Daten und drohen später mit deren Veröffentlichung. Eine weitere Variante: Die Betrüger bieten ihre Verschlüsselungssoftware als Ransomware-as-a-Service an, sodass auch „Hobbykriminelle“ in das Geschäft einsteigen können. Das Timing wird ebenfalls immer raffinierter: Hacker greifen Unternehmen genau dann an, wenn sie am anfälligsten sind, wie unter anderem die Attacke auf die Ferrara Candy Company vor Halloween im vergangenen Jahr gezeigt hat.

Viele Unternehmen investieren hohe Summen in die Abwehr von Cyber-Angriffen. Aber jede noch so hohe Mauer lässt sich überwinden, wenn die Applikationen wegen Softwarefehlern Hintertüren öffnen. Cyber-Security sollte also immer die erste Verteidigungslinie im Kampf gegen Ransomware sein – aber nicht die letzte. Funktionierende Backups und ein vorab getesteter Recovery-Plan sind die stärksten Mittel gegen Ransomware. Sollte nämlich ein Angriff erfolgreich sein und die Malware die Daten verschlüsseln, lassen sich diese aus den Backups – der letzten Verteidigungslinie – zuverlässig wiederherstellen. Das Unternehmen muss dann kein Lösegeld zahlen, um den Kriminellen die Decryption-Codes abzukaufen.

Der Channel Produktion & Prozesse

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Eine Auslagerung des Risikomanagements funktioniert nicht

Manche Unternehmen sind überzeugt, dass ihre Cyber-Versicherung für etwaige Schäden aufkommt und sie ihr Lösegeld zurückerhalten. Allerdings haben einige Versicherungen ihre Policen bereits stark verteuert und andere ihre Strategie geändert. Die AXA beispielsweise hat 2021 bekanntgegeben, in Frankreich keine Cyber-Versicherungspolicen mehr abzuschließen, bei denen Erpressungszahlungen erstattet werden. „Es ist durchaus nachvollziehbar, dass ein Unternehmen den einfachen Weg bevorzugt und die Hacker auszahlt“, sagt Eric Waltert, Regional Vice President DACH bei Veritas Technologies. „Es gibt aber keine Garantie dafür, dass es dann alle Daten wiederbekommt. Es kann vielmehr passieren, dass die Informationen dennoch im World Wide Web veröffentlicht werden. Neben dem hohen finanziellen Schaden ist damit auch der Ruf des Unternehmens gefährdet. Es stellt sich daher die Frage, warum viele Organisationen ihren Datensicherungs- und Backup-Plan vernachlässigen.“

 

Datensicherung: Der ideale Zeitpunkt liegt vor dem Angriff

Neben Cyber-Sicherheitsmaßnahmen sollten Unternehmen eine umfassende und mehrstufige Backup-Strategie umsetzen und die Kopien isoliert voneinander auf verschiedenen Umgebungen verteilen.

Wichtig ist die 3-2-1-1 Regel: Es müssen drei Kopien oder Versionen existieren, die auf zwei verschiedenen Speichermedien gesichert sind. Zusätzlich dazu sollten auch Tools zur Endpunkt-Datensicherung für Desktop-PCs und Laptops implementiert werden. Auf diese Weise werden Daten unabhängig vom Sicherheitsstandard der Mitarbeiter kontinuierlich gespeichert. Außerdem ist es ratsam, die Backup-Informationen und die Kommunikation der Backup-Systeme untereinander stark zu verschlüsseln und den Zugriff auf die Systeme mit strengen Authentifizierungsverfahren zu kontrollieren. Dadurch wird es Angreifern erheblich erschwert, in die Backup-Infrastruktur einzudringen und dort Daten zu korrumpieren.

Eine weitere wichtige Maßnahme besteht darin, die Recovery-Pläne vorab zu testen, um herauszufinden, ob sie während und nach einem Angriff wirklich wirksam sind.

Ein Backup ist und bleibt die letzte Verteidigungslinie und dient als wichtigstes Mittel gegen jeden Ransomware-Erpressungsversuch. Es ergänzt die Sicherheitsarchitektur aus Anti-Malware-Lösungen und anderen Sicherheitstechnologien sinnvoll. Denn ein IT-Verantwortlicher wird niemals sagen können, dass sein Netz hundertprozentig vor Angriffen und Ransomware sicher sei. Schließlich finden Angreifer immer Mittel und Wege, in ein System einzubrechen, und sei es durch eine kluge Social-Engineering-Attacke gegen einzelne Mitarbeiter. Umso wichtiger ist es, sich vorzubereiten und für den Ernstfall saubere Datenkopien zu besitzen, mit denen sich der gesamte Betrieb wiederherstellen lässt.

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