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Offener Brief zum Deutschen Verlagspreis: »Gebt 10% ab«

Das Gespräch rund um die Förderung deutscher Verlage und den Deutschen Verlagspreis geht weiter. Nachdem in der vergangenen Woche eine Petition für eine Veränderung der Vergabepraxis gestartet wurde, meldet sich nun der Aschaffenburger Alibri-Verlag mit einer anderen Facette zu Wort. 

Alibri wirbt in einem Offenen Brief an die Gewinner des Deutschen Verlagspreises dafür, einen Teil des Preisgeldes an die Verlagsauslieferung Die Werkstatt abzugeben. Begründung? Das Unternehmen sei nach der Sova-Insolvenz unbürokratisch eingesprungen. „Ohne das entschlossene Handeln von Werkstatt-Geschäftsführer Bernd Weidmann wäre der Übergang von über 40 Verlagen zu neuen Verlagsauslieferungen undenkbar gewesen.“ Da fast alle Verlage nach der Sova-Insolvenz weitermachen können, sei dies als bedeutender Beitrag zum Erhalt der Verlagsvielfalt anzusehen. „Indem ein Teil des Geldes bei der Werkstatt landet, würde der Deutsche Verlagspreis so wenigstens indirekt zur Erhaltung der Verlagsvielfalt beitragen“, so Alibri-Geschäftsführer Gunnar Schedel

Der Offene Brief im Wortlaut: 

Liebe Kolleg:innen,
das Alibri Verlagskollektiv gratuliert euch zum Erhalt des Deutschen Verlagspreises 2023. Wir haben die Vergabepraxis schon früh kritisiert, weil sie in unseren Augen die Verlagsvielfalt nicht sichert, sondern gefährdet. Einige von euch haben den Preis dieses Jahr zum ersten Mal bekommen, anderen wurde er bereits vier Mal zugesprochen. Das sind knapp 60.000 Euro Unterschied, aber trotzdem wenden wir uns mit unserem Anliegen an euch alle.

Wir fordern euch auf, einen Teil eures Preisgeldes abzugeben und damit ein Engagement zu unterstützen, das tatsächlich dazu beigetragen hat, Verlagsvielfalt zu erhalten. Wir denken dabei an 2000 bis 3000 Euro, sodass ihr noch genug für eure eigenen Projekte übrighabt.

Vorschlagen möchten wir, dass ihr den Betrag an die Verlagsauslieferung Die Werkstatt überweist. Deren Geschäftsführer Bernd Weidmann hat sich in vorbildlicher Weise eingesetzt, als im November 2022 die Verlagsauslieferung sova in Insolvenz ging. Ohne sein entschlossenes Handeln wäre der Übergang von über 40 Verlagen zu neuen Verlagsauslieferungen undenkbar gewesen. Dass das gesamte Verfahren für die Verlage finanziell und organisatorisch in halbwegs geregelten Bahnen ablief, ist in hohem Maße ihm zu verdanken. Nicht wenigen der betroffenen Verlage dürfte das die Existenz gerettet haben.

Dass die Kulturbürokratie oder auch die Jurymitglieder sich bewusst machen, welche Wirkung der Deutsche Verlagspreis für die Vielfalt der Verlagslandschaft hat, erwarten wir nicht. Von euch, die ihr die Situation unabhängiger kleiner Verlage kennt, erwarten wir das hingegen. Wir gehen davon aus, dass eine gerechte Kulturförderung im Verlagsbereich, die allen Verlagen eine Chance zum Weiterarbeiten bietet, nur solidarisch erstritten werden kann. Mit eurem Verhalten könnt ihr insofern auch Stellung beziehen zur Frage, ob es in Ordnung ist, dass die staatliche Kulturförderung einen Teil der unabhängigen Verlage regelmäßig subventioniert, andere Verlage hingegen ignoriert und damit mittelfristig deren Verschwinden betreibt (ohne für die Auswahl auch nur eine Begründung abzuliefern).

Wir würden es jedenfalls als ein starkes Signal einschätzen, wenn ihr mit weniger als 10% eures Preisgeldes den Einsatz der VA Die Werkstatt honorieren würdet.

Petition gegen Vergabepraxis beim Deutschen Verlagspreis

Kommentare

2 Kommentare zu "Offener Brief zum Deutschen Verlagspreis: »Gebt 10% ab«"

  1. Dr. Sonja Klug | 24. Juli 2023 um 15:54 | Antworten

    Es ist unfassbar, dass manche Verlage hier schon 4x abkassiert haben! Man hat den Eindruck, die „grüne“ Kulturstaatsministerin zieht sich auf diese Weise politisch genehme Verlage heran, indem mit Steuergeldern entsprechend „links-grüne“ Verlage kräftig gepampert werden! Es ist dringend erforderlich, die Vergabepraxis zu ändern!

    • Carsten Schulte | 24. Juli 2023 um 16:26 | Antworten

      Zur Einordnung: Ein Blick auf die Siegerlisten der vergangenen Jahre zeigt ein breites Spektrum ganz unterschiedlicher Verlage. Ausgewählt werden die Gewinner nicht durch die Kulturstaatsministerin, sondern durch eine Jury. Der Jury für den Verlagspreis 2023 gehören unter anderem an: der literarische Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel, die Journalistin Roswitha Budeus-Budde und die Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, Katharina Hesse.

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