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Kurt Tucholsky-Preis für Mely Kiyak

Die Kurt Tucholsky-Gesellschaft vergibt 2021 den mit 5.000 € dotierten Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik an die Journalistin Mely Kiyak.

Mely Kiyak erhält den Preis für ihr im Hanser Verlag erschienenes Werk Frausein und ihre Tätigkeit als Kolumnistin und Essayistin. Mit Ausdauer, Klarheit und Mut schreibt Kiyak gegen Ungerechtigkeit an. Dabei nutzt sie die Sprache virtuos als Instrument, dessen Klaviatur zu spielen sie beherrscht wie nur wenige. Dass ihre Texte dabei eine Leichtigkeit ausstrahlen, die der deutschen Sprache selten zugetraut wird, unterstreicht ihr Können ganz besonders.

»Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf.« schrieb Kurt Tucholsky im Jahr 1929 in der Weltbühne. Dieses Verdikt kann geradezu als Motto seines Lebenswerkes gelten, so sehr stand die Präzision der Sprache, die Genauigkeit des Ausdrucks als Grundvoraussetzung für die Wirksamkeit von Texten im Mittelpunkt seines vielfältigen Schaffens – ob als politischer Journalist, Theaterkritiker, Essayist oder Buchautor.

Mely Kiyaks Arbeiten korrespondieren mit ihrer sprachlichen Präzision, analytischen Schärfe sowie der inhaltlichen und stilistischen Bandbreite in bester Weise mit Tucholskys Werk, dessen Tradition zu bewahren Ziel des Kurt Tucholsky-Preises ist.

Die Begründung der Jury im Wortlaut:

»Mely Kiyak war schon politische Kolumnistin als der Kolumnismus in Deutschland noch mit Kommentarspalten verwechselt wurde. Seit 2008 prägt sie die diese Form und schreibt bis heute jede Woche für Zeit Online ihre Kolumne Deutschstunde. Daneben ist sie Theaterkolumnistin (Kiyaks Theater Kolumne / Maxim Gorki Theater), Essayistin, Buchautorin und Rednerin. Ihr Stil, ihre Qualität, ihre Vielfalt, ihre Schärfe und ihr Witz sind nicht nur unverwechselbar, sondern in Ausdauer, Klarheit, Ernsthaftigkeit, Mut, Einsatzbereitschaft und Klugheit unbestechlich.

Ihr Ausdruck ist mindestens so gefährlich wie die Zunge ihrer Oma, die Kiyak in ihrem Buch Frausein als ›Jagdbomber‹ bezeichnet.

Dabei haben Kiyaks Kolumnen mit tumbem Kriegsgerät wenig zu tun. Ihre Texte scheinen zwar auf den ersten Blick wie eine derbe Schenkelklopfernummer am Stammtisch gemeißelt zu sein, da sie – meistens – in einem Ton verfasst sind, der Lachen provoziert. Dabei sind ihre Bilder und Metaphern immer außergewöhnlich, nie Phrasen, immer überraschend. Doch hinter dieser Leichtigkeit steht hochwertige Präzisions- ja, man könnte auch sagen deutsche Wertarbeit. Die höchste Kunst des Autors, die Schwerstarbeit am Text, besteht darin, die Arbeit am Text unsichtbar zu machen. Kiyaks Texte sind so fein gearbeitet, dass man sie die Seidenstickerin unter den Kolumnisten nennen könnte.

Kiyak arbeitet so konsequent streng an ihren Texten wie sie sich konsequent gegen Diskriminierung, Unrecht und politische Unverantwortlichkeiten ausspricht. In ihrem Schreiben erkennt man kämpferische Eigenständigkeit, als Frau, als Kind von Einwanderern, als Kind von Arbeitern, als politische Stimme. Kiyaks Stimme ist eine, die nicht allen gefällt. Weil Kiyak nicht allen gefallen, sondern provozieren will, um der Beseitigung von Ungerechtigkeiten näher zu kommen.«

Die Preisvergabe findet als Höhepunkt und Abschluss der diesjährigen Jahrestagung »Zwei konträre Kurts kämpfen gegen den Krieg: Kurt Tucholsky und Kurt Hiller« der Kurt Tucholsky-Gesellschaft am 12.09.2021 im Theater im Palais Berlin statt. Als Laudatoren werden die Kabarettisten Claus von Wagner und Max Uthoff sprechen.

Der Vorstand der Kurt Tucholsky-Gesellschaft dankt der Jury aus Doris Akrap (Sprecherin), Zoë Beck (Sprecherin), Dr. Ulrich Janetzki, Prof. Dr. Stuart Parkes und Nikola Richter für ihre unermüdliche Arbeit.

Weitere Informationen:

Die Preisträgerin: Mely Kiyak, geboren 1976, lebt in Berlin und veröffentlichte mehrere Bücher und Essays, Theaterstücke und andere Texte. Für Zeit Online schreibt sie die wöchentliche politische Kolumne „Kiyaks Deutschstunde“, für das Gorki Theater Berlin „Kiyaks Theater Kolumne“. 2011 wurde sie mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. 2020 erschien ihr neues Werk Frausein im Carl Hanser Verlag.

Der Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik: Aus Anlass des 60. Todestages von Kurt Tucholsky wurde 1995 der Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik gestiftet. Alle zwei Jahre werden mit ihm engagierte deutschsprachige Publizisten oder Journalisten ausgezeichnet, die der »kleinen Form« wie Essay, Satire, Song, Groteske, Traktat oder Pamphlet verpflichtet sind und sich in ihren Texten konkret auf zeitgeschichtlich-politische Vorgänge beziehen. Ihre Texte sollen im Sinne Tucholskys der Realitätsprüfung dienen, Hintergründe aufdecken und dem Leser bei einer kritischen Urteilsfindung helfen.

Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch eine fünfköpfige Jury; das Preisgeld beträgt seit dem Jahr 2015 5.000 € (bis 2013: 3.000 €).

Die bisherigen Tucholsky-Preisträger sind: Die Journalistin Margarete Stokowski, der Journalist Sönke Iwersen, der Wissenschaftler und Publizist Jochanan Trilse-Finkelstein, der Journalist Mario Kaiser, der Journalist Deniz Yücel, der Journalist und Literaturkritiker Volker Weidermann, der Schriftsteller und Satiriker Lothar Kusche, der Journalist und Publizist Otto Köhler, der Journalist und Schriftsteller Erich Kuby, der Journalist Wolfgang Büscher, der Autor und Hochschullehrer Harry Pross, die Schriftstellerin und Journalistin Daniela Dahn, der Schriftsteller und Theologe Kurt Marti, der Journalist Heribert Prantl und der Liedermacher Konstantin Wecker.

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