Jessica Sänger empfiehlt NoViolet Bulawayo

Jessica Sänger ist seit diesem Jahr neue Vorsitzende des Urheberrechtsausschusses der IPA. „We Need New Names“ von NoViolet Bulawayo hat sie schon nach den ersten Zeilen beeindruckt:

Jessica Sänger (Foto: Magdalena Spinn)

„Ich habe über diesen Titel gelesen, unter anderem im Weltempfänger, der Bestenliste der LitCam. Es hat dann ein wenig gedauert, bis ich mir das Buch besorgt hatte und tatsächlich dazu kam, es in die Hand zu nehmen, doch es hat mich schon nach den ersten Zeilen sehr beeindruckt. NoViolet Bulawayos Text ist sehr dicht; ich würde ihn fast schon als ein Konzentrat beschreiben. Ich habe selten ein so intensives Buch gelesen, und doch ist es recht kurz. Der Text nimmt den Leser unmittelbar mit in die Welt des Mädchens Darling, das zu Beginn des Buches in einer Barackensiedlung in einem ungenannten afrikanischen Land lebt. Mit einem knappen Erzählstil und schonungsloser Direktheit lässt uns die Autorin diese Welt und ihre Verwerfungen aus der Perspektive ihrer Protagonistin erleben. Deren Blick auf alltägliche wie auch entsetzliche Ereignisse ist manchmal kindlich naiv und gelegentlich schockierend abgeklärt. Dabei belässt es Bulawayo aber nicht bei der Schilderung ‚afrikanischer Umstände‘. Besonders spannend fand ich vielmehr, wie sich das Wertesystem von Darlings Welt und ihrer verschiedenen Bewohner Stück für Stück erschließt und in seinen Widersprüchen spürbar wird. Dabei gibt es höchst amüsante Passagen genauso wie tieftraurige, rührende und solche, bei denen einem regelrecht der Atem stockt. Die Autorin erzählt, wie Darling in die USA auswandert und dort ‚ein neues Leben beginnt‘. Auch diese Gesellschaft beobachtet sie in ihren Widersprüchen und schaut hinter die Fassaden der Heuchelei und des amerikanischen Traums. Unbezahlbar gut aufgespießt sind dabei die Begegnungen mit dem Alltagsrassismus oftmals wohlmeinender Menschen, die jedoch nicht zum geringsten Perspektivwechsel in der Lage zu sein scheinen. Für mich war auch beeindruckend zu erkennen, wie tief in Darling die Sehnsucht nach ihrem Zuhause verwurzelt bleibt, trotz der Vorteile eines Lebens in Sicherheit und relativem Wohlstand. Ein unbedingt empfehlenswertes Buch, das neben dem literarischen Genuss den es bietet auch einen wichtigen Beitrag zu unserem Denken über Migration leisten kann.“

NoViolet Bulawayo We Need New Names, 304 S., ca. 10,00 €, Vintage, ISBN 978-0-099-58188-8

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