Aufarbeitung italienischer Vergangenheit

Judith Innerhofer (Foto: Gianmaria Gava)

Judith E. Innerhofer leitet jetzt das Sachbuch-Programm im Brandstätter Verlag (Wien). Zuvor war sie Redakteurin der „Zeit“. Sie liest „M. Der Sohn des Jahrhunderts“ von Antonio Scurati:

„Wo liegt die Grenze zwischen Sachbuch und Literatur? Diese Differenzierung hat der italienische Medientheoretiker und Autor Antonio Scurati mit seinem jüngsten Buch einmal mehr infrage gestellt. Sein Buch erzählt den Weg Benito Mussolinis zum faschistischen Diktator – und ist dabei ebenso ein geschichtsschreibendes Werk wie ein Roman. Im ersten Teil der geplanten Trilogie verwebt Scurati Originalquellen wie Zeitungsartikel, Briefe, Tagebucheinträge und Parteiprogramme in eine romanhafte Erzählung. Ich hatte das mit dem wichtigsten Literaturpreis Italiens, dem Premio Strega, ausgezeichnete Buch im Original gelesen und war gespannt auf die deutsche Übersetzung von Verena von Koskull. Diese enttäuscht nicht. Sie versteht es, den Duktus wie den Zeitgeist der italienischen Zwischenkriegszeit für das deutschsprachige Publikum mit zu übersetzen: eine Kunst, die viel öfter gewürdigt gehört. Das Buch wurde heftig diskutiert: Darf man den Faschismus in Fiktion packen? Ja, wenn man es macht wie Scurati. ‚M.‘ Ist keine Glorifizierung, sondern ein wuchtiges Mahnmal gegen die Anfänge des Faschismus.“

Antonio Scurati M. Der Sohn des Jahrhunderts, 830 S., 32 €, Klett-Cotta, ISBN 978-3-608-98567-2

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