Wunsch-Dienstpläne sorgen für unzufriedene Mitarbeiter

Guido Zander, Organisationsberater. Bild: Dr. Scherf Schütt & Zander GmbH

Guido Zander, Organisationsberater. Bild: Dr. Scherf Schütt & Zander GmbH

Wunsch-Dienstpläne sorgen für unzufriedene Mitarbeiter? Sie glauben das nicht oder halten das für alternative Fakten? Es entspricht aber der jahrelangen Erfahrung von Guido Zander. Er ist Geschäftsführender Partner der Personal- und Organisationsberatung Dr. Scherf Schütt & Zander GmbH. Im HR-Channel auf buchreport.de erklärt er, dass bloße Zeitsouveränität ein schlechtes Personalplanungs-Modell sein kann, wenn es nicht von anderen Maßnahmen flankiert wird.

Wenn alle Mitarbeiter-Wünsche in Erfüllung gehen…

Zugegeben, von jemanden, der seit Jahren großen Wert auf Arbeitszeitsouveränität und Wunschdienstplanung legt und dieses auch aktiv in Kundenprojekten berät, kommt die Aussage, dass Wunschdienstpläne nicht im Sinne der Mitarbeiter sind, sicherlich unerwartet.

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Tatsache ist aber, dass eine bedingungslose Wunscherfüllung weitreichende Nachteile für Mitarbeiter haben kann, so paradox dies auch klingen mag. Mit bedingungslos ist hier gemeint, dass jeder Urlaubsantrag und Freizeitwunsch gewährt wird, teilweise auch gegen den betrieblichen Bedarf. Dies passiert teilweise tatsächlich, weil manche Vorgesetzte den Konflikt mit dem Mitarbeiter scheuen oder aber aufgrund hinreichend genauer Daten zur Begründung des Personalbedarfs nicht widersprechen können.

Bei einem unserer Kunden hat dies dazu geführt, dass es mitunter immer wieder deutliche Unterbesetzungen gab, was zu einer Überlastung der restlichen anwesenden Mitarbeiter und einer Verschlechterung des Kundenservice führte. Beschwerden darüber führten zu zusätzlichen Neueinstellungen, ohne dass das Problem beseitigt wurde, was wiederum zu weiteren Neueinstellungen ohne Ergebnisverbesserung führte.

Service: nicht nur teurer, sondern auch schlechter

Wir wurden dann mit einer Analyse der Situation beauftragt. Ergebnis: Die Organisationseinheit hatte in Summe eine deutliche Überbesetzung, die nicht bedarfsorientierte Verplanung der Arbeitszeit (feste Schichtrhythmen bei starker Saisonalität) und Gewährung jedes Abwesenheitswunsches führte aber regelmäßig zu Unterbesetzungen, die die oben genannten Beschwerden nach sich zogen.

Stress im Newsroom – manchmal ist Zeitsouveränität das verkehrte Mittel. Bild: WFIU Public Radio - flickr

Stress im Newsroom – manchmal ist Zeitsouveränität das verkehrte Mittel. Bild: WFIU Public Radioflickr, CC BY-NC 2.0

Letztendlich ging es sogar so weit, dass an Tagen, die laut Dienstplan schlecht besetzt waren, die Krankenquote stieg, da sich die Mitarbeiter nicht der Überlastungssituation aussetzen wollten, was die Situation noch weiter verschärft hat. Ein Teufelskreis. Über die regelmäßige deutliche Überbesetzung an anderen Tagen und in anderen Zeiträumen gab es naturgemäß keine Beschwerden, was insgesamt zu dem subjektiven Eindruck einer Unterbesetzung führte.

Ergebnis: mehr Unzufriedenheit, höhere Krankheitsquote, schlechtere Leistung

Als Resultat hatte das Unternehmen bei hohen Kosten und einer hohen Mitarbeiterorientierung also unzufriedene Mitarbeiter und eine höhere Krankheitsquote.

Nachdem der Personalbedarf korrekt ermittelt war, wurden Arbeitszeitmodelle und Planungsprozesse eingeführt, die den Mitarbeitern im Rahmen der Bedarfe eine maximale Mitbestimmung bei Arbeitszeit und Freizeitwünschen ermöglicht haben. Die Folge waren deutlich niedrigere Kosten für das Unternehmen und wesentlich zufriedenere Mitarbeiter.

Erkenntnis daraus? Die beste Personaleinsatzplanung und eine gut gemeinte Mitarbeiterorientierung sind wertlos, wenn die Basis fehlt. Und die Basis hierfür ist eine genaue Kenntnis des eigenen Bedarfsverlaufs innerhalb eines Jahres, einer Woche und eines Tages.

 

Guido Zander studierte Wirtschaftsinformatik an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Seit 1995 arbeitet er in den Themen Arbeitszeitmanagement, Personaleinsatzplanung und Demografieentwicklung. Seine Rollen als Berater, Team- und Bereichsleiter sowie Mitglied des Managementboards in einem börsennotierten Softwareunternehmen gaben ihm dabei Gelegenheit, die Themen sowohl operativ als auch strategisch gründlich kennenzulernen. Seit 2005 ist er Geschäftsführender Partner bei der SSZ-Beratung mit mehreren Standorten in ganz Deutschland.

SSZ ist nach eigener Auskunft die führende deutsche Unternehmensberatung für Arbeitszeit und Personaleinsatzplanung. SSZ liefert Schichtpläne, Betriebsvereinbarungen, Zeit- und Zeitwertkonten, Bedarfsermittlung, Personaleinsatzplanung und Softwareauswahl aus einer Hand.

 

Der Text erschien erstmals auf der Competence Site.

Bild: WFIU Public Radio – flickr Lizenz: CC BY-NC-2.0

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