Der Web-Browser: Lesegerät der Zukunft?

Fabian Kern ist freier Berater, Projektmanager und Trainer mit Schwerpunkt auf Entwicklung und Produktion digitaler Medien und Dozent bei der Akademie der Deutschen Medien und an der LMU München.

In welchem Format werden wir künftig lesen? Werden E-Reader und Lese-Apps obsolet, weil die Leser nur noch über den Web-Browser von PC, Tablet oder Smartphone auf ihre E-Books zugreifen? Diese Fragen stehen derzeit bei den Digitalstrategen der Branche ganz oben auf der Agenda.

Dabei ist das Thema nicht neu. Das Schlagwort „Bücher im Browser“ macht in der E-Book-Welt bereits seit einigen Jahren die Runde, seit 2010 gibt es sogar eine gleichnamige Fachkonferenz in den USA, die speziell diesem Thema gewidmet ist.

In den vergangenen Monaten hat das Thema noch einmal an Fahrt gewonnen: Das International Digital Publishing Forum (IDPF) als Standardisierung-Organisation für Epub und das World Wide Web Consortium (W3C) als Schirmherr über die Web-Technologien haben ihren Zusammenschluss verkündet. Die Verbände wollen künftig gemeinsam die technischen Voraussetzungen und Standards für die Offline-Lektüre von Webinhalten schaffen.

Webinar-Video: Bücher im Browser

Im Webinar-Video erläutert Fabian Kern gemeinsam mit Felix Sasaki die Perspektiven von „Büchern im Browser“, präsentiert Show-Cases aus der Buchbranche und zeigt Perspektiven für Buchverlage auf. Das Video können Sie hier bestellen. 

E-Book-Content direkt im Web-Browser zu lesen, liegt insofern nahe, als Epub letztlich nur ein Container-Format für Content in HTML und CSS ist. Dies machen schon Plugins wie EpubReader und Readium deutlich, mit denen Epub-Dateien in Browsern wie Firefox oder Chrome gelesen werden können. Einige Content-Anbieter setzen dieses Modell noch konsequenter um, verzichten gänzlich auf einen Epub-Reader und stellen Inhalte nur noch über eine serverbasierte Web-Applikation zur Verfügung. Sie eröffnen digitalen Büchern damit die Gestaltungsfreiheiten von Internetanwendungen.

Zeit für einen Rück- und Vorausblick: Welche Möglichkeiten bieten browserbasierte Anwendungen? Was lässt sich von bisherigen Fallbeispielen lernen? Wo liegen die Herausforderungen? Und was wird jetzt eigentlich aus dem E-Reader?

 

Grenzen des Epub-Formats

Gegenüber der Distribution als Epub-Datei bieten Bücher im Browser zunächst einmal eine Reihe von technischen Vorteilen: Innerhalb von Epub wird nur eine kleine Teilmenge dessen implementiert, was an Mediengestaltung mit modernen Webtechnologien in einem Browser möglich ist.

Zudem ist in den vergangenen Jahren die Abhängigkeit von Funktionen der proprietären Leseanwendungen der großen E-Book-Anbieter immer schmerzlicher spürbar geworden. Nicht-Standard-konforme CSS-Implementierungen sorgen für erhebliche Probleme bei Layout und Gestaltung von E-Books.

Und regelmäßig stoßen anspruchsvolle Projekte an die funktionalen Grenzen von Anwendungen wie Apple iBooks, Amazon Kindle, Adobe Digital Editions oder den Tolino-Apps.

 

Gestaltungsspielräume von Webseiten

In Bezug auf die Gestaltung und Funktionalität profitieren Content-Anbieter erheblich davon, wenn die Leseanwendung schlicht ein moderner Web-Browser ist. Dies zeigt sich bereits bei der technischen Umsetzung von Buch-Inhalten:

    • Der Einsatz von Gestaltungselementen der Web-Typografie, von Web-Fonts und Javascript-Bibliotheken für automatisierte Textgestaltung und Darstellungsoptimierung ist im Browser ohne zusätzliche Implementierung möglich.
    • Responsive Layouts, die Anpassung von Gestaltungen für jedes denkbare Endgerät, aber auch barrierefreie Zugänge lassen sich mit einer Vielzahl von quelloffenen Standard-Bibliotheken realisieren. Der US-Verlag Penguin illustriert mit „Pelican Books“, wie sich auch anspruchsvolle Content-Formate auf hohem gestalterischem Niveau responsiv umsetzen lassen.

Pelican Books

Pelican Books

Mit den „Pelican Books“ realisiert Penguin ein Modell für eine browserbasierte Reihe populärer Sachbücher. Bemerkenswerte Elemente der Umsetzung:

  • Konsequent umgesetztes responsives Design, Optimierung von Darstellung und Funktionen für Mobilgeräte
  • Einsatz moderner Webtypografie für das Layout der Texte, mediengerechte Umsetzung von Textelementen wie Fußnoten, Glossar und Verlinkungen
  • Einbindung komplexer Inhalte wie Landkarten, Diagramme, Zeitlinien auf hohem gestalterischem Niveau.

Der Kunde erwirbt bei Pelican Books den Zugang zu einzelnen Titeln per einmaliger Zahlung. Für Penguin ist die Umsetzung ein Versuchsballon für die Kundenakzeptanz eines reinen Web-Zugangs zu Content. Nach juristischen Problemen mit den Verwertungsrechten für die Inhalte wurde der Zugang über geobasierte IP-Filter auf Kunden in Großbritannien und Nordirland eingeschränkt.

  • Die Einbindung von Multimedia-Inhalten und die Realisierung interaktiver und dynamischer Content-Formate kann mit nativen Features von HTML, CSS und Javascript erfolgen. Welche Vorteile dies für bestimmte Inhalte haben kann, macht das Fallbeispiel von O’Reilly deutlich.

O’Reilly Atlas

O’Reilly Atlas

Mit den unter Atlas verfügbaren Titeln realisiert O’Reilly eine Reihe von buchbegleitenden Online-Plattformen. Der IT-Verlag nimmt sich hier vor allem der Probleme an, die für den Leser bei Quellcode in verschiedenen Programmiersprachen entstehen:

  • Neben dem Text des Buches sind in dem Browser-Buch auch alle Quellcode-Beispiele so enthalten, dass sie per Copy & Paste in die Entwicklungsumgebung des Nutzers übertragen können (und nicht mehr abgetippt werden müssen).
  • In der Web-Anwendung sind daneben interaktive Javascript-Widgets für die Quellcode-Beispiele enthalten: Darin kann der Nutzer den Code von HTML, CSS und Javascript selbst anpassen und direkt im Browser testen, welche Auswirkungen dies hat.

Die Online-Ergänzungen haben kein eigenständiges Monetarisierungsmodell, sie sind vielmehr als Aufwertung der Buchtitel mit Mehrwert-Funktionen gedacht. Auf Basis derselben Technologien wurden mittlerweile die „O’Reilly Oriole Online Tutorials“ als eigenständiges Content-Format realisiert, die als Online-Trainings verkauft werden.

Teilen und Verlinken ohne Medienbruch

Für die Verwendung und Vermarktung von Buchinhalten stehen Möglichkeiten offen, die auf der Basis von Container-Formaten wie Epub undenkbar sind:

  • Der Übergang vom eigenen Content-Angebot zu Inhalten von Drittanbietern ist ohne Medienbruch möglich, Buch-Content könnte mit direkt im Browser ausführbaren Link-Bibliotheken ausgeliefert und sogar dynamisch aktualisiert werden.
  • Buchinhalte können direkt zur Indexierung für Suchmaschinen zur Verfügung gestellt werden, für SEO-Maßnahmen steht auch der Content des Produktes zur Verfügung.
  • Nahtlose Übergänge in soziale Netzwerke sind möglich, Social Sharing bedarf keiner eigenen technischen Maßnahmen, Buchinhalte können direkt verlinkt und mit persistenten URLs versehen werden. Besonders deutlich wird dies in Anwendungen wie Sobooks und Log.os, die E-Books in ein soziales Netzwerk einbetten.

Log.os

Log.os

Log.os hat das Ziel, sowohl einen vollwertigen E-Book-Shop als auch eine browserbasierte Leseumgebung zu realisieren. Der Schwerpunkt der Umsetzung liegt auf:

  • Datenschutz, Privatsphäre und Souveränität: Der Nutzer hat die volle Entscheidung über Speicherung seiner Daten und soll hier gekaufte Inhalte beliebig auch außerhalb von Log.os nutzen können.
  • Usability und Funktionalität soll auch im browserbasierten Ansatz auf demselben Niveau realisiert werden, wie in den großen E-Book-Ökosystemen.
  • Community-Integration: Ergänzung durch verschiedene soziale Funktionen wie Lesergruppen und auch Empfehlungsmechanismen.

Sobooks

Sobooks

Schon länger auf dem deutschen Markt ist Sobooks mit seiner Mischung aus Leseplattform und sozialem Netzwerk: Zentrales Feature ist die parallele Darstellung von E-Book-Inhalten und Kommentaren bzw. Diskussionen der Leser. Das Buch wird so durch einen „social stream“ ergänzt, aus dem ein eigenständiger Mehrwert entsteht.

  • Inhalte können bis auf Wortebene hinunter markiert, annotiert, ge­teilt und verlinkt werden. E-Book-Content in Sobooks ist komplett durch Suchmaschinen crawlbar, aber dennoch gegen Scraping geschützt.
  • Anstelle der sonst üblichen Top-Charts treten sogenannte „Heatmaps“ als Hitlisten nach Kommentar-Intensität im Titel; daneben ist ein Epub-Download für ausgewählte E-Books realisiert worden.

Vom Monetarisierungsmodell her ist Sobooks als eine vollwertige E-Book-Shop-Plattform anzusehen. Sobooks ist neben der eigenen Online-Community vor allem durch die Kooperationen mit „FAZ“ und Lufthansa bekannt geworden.

Daneben eröffnen browserbasierte E-Book-Angebote bei Realisierung in der Hoheit des Verlages gegenüber der Distribution über die großen E-Book-Shops die Möglichkeit für Direktvertriebs-Modelle, die über einen Datei-Download im eigenen Online-Shop weit hinausgehen:

  • Über die Käuferdaten hinaus besitzt der Anbieter alle Möglichkeiten des direkten Kundenkontaktes mit „eingebautem Rückkanal“, von individualisierten Angeboten bis hin zu personalisierten Inhalten und Wegen für Up- und Cross-Selling. Besonders gut deutlich wird dies am Beispiel von „Learn Version Control“.
  • Nutzerstatistiken und Leserdaten lassen sich in eigenen Analytics-Umgebungen auswerten und für die Optimierung von Inhalten und Angebotsmodellen verwenden.

„Learn Version Control with Git“

Learn Version Control

Die Stuttgarter Software-Schmiede Fournova hat in ihrem Online-Tutorial „Learn Version Control with Git“ vor allem dynamische Content-Darstellungen realisiert:

  • Integration von ausführbaren Quellcode-Beispielen und Flussdiagrammen
  • Umschaltmöglichkeit zwischen verschiedenen Content-Varianten für verschiedene Anwendungsfälle derselben Inhalte
  • Umschaltmöglichkeit zwischen Textversionen in Englisch und Chinesisch im selben Produkt.

Das Produkt wird kostenlos online angeboten und dient als Content-Marketing-/Upselling-Channel für kostenpflichtige E-Books, Video-Trainings, Präsenz-Trainings und Software-­Lizenzen.

Für die Content-Distribution wären Anbieter so technologisch und vertrieblich nicht mehr unbedingt auf die Apples und Amazons der Welt angewiesen. Nur gilt hier wie bei allen Direktvertriebs-Modellen natürlich: Der Anbieter kann alle Geschäfts- und Vertriebsmodelle in eigener Regie definieren, muss dies aber auch komplett selbst umsetzen. Ohne eine solide E-Commerce-Infrastruktur im Backend werden sich die Vorteile dieses Modells insofern nur schwer realisieren lassen.

Insgesamt ließe sich durch Realisierung von „Bücher im Browser“-Modellen die Abhängigkeit von den großen E-Book-Shop-Anbietern ein ganzes Stück weit verringern, vorausgesetzt natürlich, die Angebote sind entsprechend kundenorientiert aufgebaut, die technischen Möglichkeiten werden mediengerecht eingesetzt und die Umsetzung schafft einen echten Mehrwert, der mit statischen E-Book-Inhalten so nicht zu erreichen ist.

 

Sind die Leser bereit für den Browser?

Allerdings ist der Nutzer zum Lesen im Browser bzw. zum Laden der Inhalte auf eine Online-Verbindung angewiesen – bei der Netzabdeckung in Deutschland kein geringer Nachteil.

Grundsätzlich ist lokales Caching von Buchinhalten oder gar der Aufbau einer lokalen E-Book-Bibliothek für eine Offline-Funktionalität zwar technisch möglich. Dies bedarf aber einiger zusätzlicher technischer Vorkehrungen: Unter dem Schlagwort „Service Workers“ werden dazu aktuell im W3C (s. Interview am Ende des Textes) eine Reihe von Spezifikationen geschaffen, die genau das in Zukunft als Standard-Funktionalität realisieren sollen.

Eine weitere wesentliche Herausforderung ist das gelernte Kauf- und Marktverhalten sowie die Kunden-Akzeptanz für den Kauf eines Online-Zugangs zu Buchinhalten: Im E-Book-Markt hat es einige Jahre gedauert, die Kunden an das Zusammenspiel von Kaufprozess, E-Book-Bibliothek, Lese-Applikationen und Reader-Hardware in einem E-Book-Ökosystem zu gewöhnen. Hier jetzt noch einmal ein komplett neues Marktverhalten zu etablieren, wird sicher kein einfacher Prozess sein.

Daneben ist es sicher notwendig, mindestens dasselbe Niveau an Komfort und nachvollziehbaren Kaufmechanismen zu gewährleisten, wie das aktuell beim E-Book-Kauf in einem der großen Shops gegeben ist. Für den Kunden sollte es letztlich egal sein, ob er eine E-Book-Datei oder den Zugriff zu einer Web-Applikation erwirbt. Beide Zugangswege sollten sehr ähnlich funktionieren und dieselbe Prozess-Sicherheit bieten, denn die Akzeptanz von Kaufmodellen beim Kunden hängt entscheidend von Usability und Bequemlichkeit ab.

Eine weitere mögliche Hürde ist die Marktdurchdringung der E-Ink-Reader. „Bücher im Browser“ werden auf den allermeisten Endgeräten funktionieren, auf denen ein Browser verfügbar ist – auf den meisten E-Ink-Geräten aber eben nicht. Gerade in Deutschland gibt es eine große Zielgruppe von Lesern, die diese Lesegeräte über die vergangenen Jahre schätzen gelernt haben. Schon deswegen ist es wahrscheinlich, dass sich Bücher im Browser mittelfristig eher als Alternative zum Epub entwickeln werden, als dass sie das Format komplett ablösen.

Fazit: Das Modell „Bücher im Browser“ kann insbesondere dort seine Stärken ausspielen, wo sich Darstellungsoptionen und Funktionen realisieren lassen, die mit statischen Container-Formaten wie Epub technisch nicht möglich sind. Diese Möglichkeiten bieten enormes Potenzial für innovative Medienformate. Auch wenn mit Blick auf die Netzabdeckung, das gelernte Einkaufsverhalten und die E-Reader-Marktdurchdringung in Deutschland nicht davon auszugehen ist, dass Epub gänzlich abgelöst wird: Browserbasierte E-Book-Modelle könnten sich als attraktiver, zusätzlicher Implementierungs- und Publikationsweg für spezielle Anwendungsszenarien etablieren.

Fabian Kern  fabian.kern@dpc-consulting.org

Aus: buchreport.magazin 3/2017

 

»Jetzt ist die Zeit, sich einzubringen«

Felix Sasaki vom W3C skizziert Perspektiven nach der Fusion mit dem IDPF.

Felix Sasaki (Foto: privat)

Welchen Schwung bekommen Bücher im Browser nach dem Zusammenschluss von International Digital Publishing Forum (IDPF) und World Wide Web Consortium (W3C)?

Das IDPF hat bei der Arbeit an Epub schon seit langer Zeit den Fokus auf Webtechnologien gelegt, wie HTML, CSS oder XML. Epub hat diese Technologien genutzt, um spezifische Anforderungen der Verlagsbranche zu realisieren. Durch den Zusammenschluss der Organisationen fällt es nun wesentlich leichter, diese Anforderungen in die Entwicklung von Webtechnologien einzubringen.

Zudem profitiert die Branche von neuen Webstandards, welche bisher wenig von der Verlagscommunity wahrgenommen wurden, zum Beispiel im Bereich Bezahlmodelle im Web oder Offline-Zugang zu Webinhalten. Allein das Wissen um diese neuen Entwicklungen wird dazu führen, dass Verlage in vielen Bereichen nicht das Rad neu erfinden müssen und neue Produkte (eventuell inklusive neuer Geschäftsmodelle) auf Basis standardisierter Webtechnologien entwickeln können.

Was ändert sich durch den Zusammenschluss für die Buchbranche?

Die Branche wird viele Vorteile haben und keine Nachteile. Epub wird in der gegenwärtigen Version 3.1 weiter bestehen; die zukünftige Entwicklung von Epub wird nun gemeinsam mit der Webcommunity diskutiert. Um hier die Anforderungen der Verlagsbranche einzubringen, wird das W3C eine Digital Publishing Business Group gründen. Der Bereich Digital Publishing wird übrigens von Ivan Herman geleitet.

Wie können sich Verlage aktiv beim W3C einbringen?

Die Digital Publishing Business Group ist das ideale Vehikel, um Anforderungen aus Verlagssicht in das W3C einzubringen und über die aktuellen Webtechnologieentwicklungen informiert zu sein. Das erste Treffen der Gruppe wird direkt vor der Buchmesse London am 13. März stattfinden.

Zudem gibt es eine Epub 3 Community Group, welche die Pflege von Epub 3 fokussiert. Hierbei ist keine Mitgliedschaft im W3C notwendig, jeder kann teilnehmen.

Die Umsetzung von Anforderungen und die eigentliche Standardisierung wird in einer Digital Publishing Working Group stattfinden. Hier beeinflusst man die technische Entwicklung unmittelbar, muss aber auch reguläre W3C-Mitgliedsgebühren zahlen.

Können sich kleinere Verlage eine Mitgliedschaft beim W3C leisten?

Die Mitgliedschaft für kleine Verlage in der Business Group beträgt jährlich 1500 Euro, für Individuen 225 Euro. Diese Beiträge sollten auch für kleine Verlage oder Einzelpersonen im Rahmen des Möglichen liegen.

Das W3C arbeitet schon länger an Lösungen für die Offline-Lektüre von Texten. Wie weit ist die Arbeit fortgeschritten?

Eine zentrale Technologie für Offline-Zugang zu Webinhalten heißt „Service Workers“. Sie ermöglichen dass die Inhalte gespeichert werden und auch offline zur Verfügung stehen. Service Workers sind schon in vielen Browsern verfügbar (Chrome, Firefox, Opera) und in anderen Browsern in der Entwicklung (Microsoft Edge) bzw. als mögliches Feature in der Diskussion (Apple Safari). Die Spezifikation der Service-Workers-Technologie ist noch nicht abgeschlossen; der entsprechende Standard ist noch im Zustand „Draft“. Dies ist ein Beispiel dafür, wie passend das Timing für die Verlagsbranche ist, um jetzt eigene Anforderungen zu spezifizieren.

Stehen die Bedürfnisse der Branche gleichberechtigt neben denen von Konzernen wie Apple oder Google?

Der W3C-Standardisierungsprozess ist von Konsens getrieben. Das heißt, jede Mitgliedsorganisation hat bei der Abstimmung in allen Prozessen (z.B. Planung neuer Standardisierungsthemen oder die eigentliche Standardisierungsarbeit) genau eine Stimme. Es kann also nicht passieren, dass große Firmen einfach die Meinung von kleineren Firmen überstimmen. Deshalb ist es aber auch wichtig, dass sich viele Verlage im W3C engagieren, sonst finden ihre Anforderungen kein Gehör.

Ist Epub nur ein Übergangsformat?

Diese Frage wage ich nicht zu beantworten. Das wird die Zukunft zeigen. Da Epub schon sehr große Verbreitung hat und Kompatibilität zu existierenden Technologien für das W3C sehr wichtig ist, glaube ich persönlich nicht, dass Epub nur ein Übergangsformat ist. Das zeigt auch das Engagement des W3C auf dem Epub Summit vom 9. bis 10. März in Brüssel.

Wer die Entwicklung aber beeinflussen will, der sollte sich entsprechend engagieren – jetzt ist ein guter Zeitpunkt!

Kommentare

1 Kommentar zu "Der Web-Browser: Lesegerät der Zukunft?"

  1. Ein Handbuch zur Einrichtung einer Internetverbindung als Browserebook.
    Lustige Idee, nur so als Denkanstoss.
    Generell verstehe ich ja das die Verlage dem Leser über die Schulter schauen wollen.
    Aber die Verlage müssen auch verstehen das ich als Leser das eventuell nicht so toll finde.
    Es gibt doch inzwischen Erotikebooks welche mit Masturbationshilfen kommunizieren und diese an entsprechenden Stellen zu vibrieren beginnen.
    So ein Tracking ist dann bestimmt ganz lustig :-).

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