Was bringen die Kinder- und Jugendbuchwochen?

Beatrix Sureanu (Foto: Foto Ferdinando Iannone)

Zum 11. Mal richtet der Börsenvereins-Landesverband Baden-Württemberg die Kinder- und Jugendbuchwochen (8.2. bis 19.2.) aus. Beatrix Sureanu hat das Programm gemeinsam mit ihren Kolleginnen Christine Nau-Lindner und Iris Loos auf die Beine gestellt. Im Interview erklärt sie, welchen Mehrwert das Festival bietet und wie bildungsfernere Kinder erreicht werden sollen.

Kinderbücher werden gut nachgefragt, der Buchhandel ist in diesem Segment sehr rege. Warum braucht es da ein Festival?

Ein Festival geht über den Verkauf von Büchern weit hinaus. Neben der Ausstellung finden weit über 100 Veranstaltungen an vielen Orten in Stuttgart statt. Wir erhoffen uns davon – und der Zuspruch gibt uns recht – dass wir Kinder durch den Besuch von diesen Lesungen zum Lesen animieren.

Mit solchen Veranstaltungen wird oft nur das Bildungsbürgertum bedient. Wie erreichen Sie auch leseferne Kinder?

Wir bieten unter der Woche jeden Morgen bis zu sechs Lesungen hier im Haus an, zu denen sich Schulen und Kindergärten anmelden. In diesen Schulklassen und Kindergartengruppen sind auch Kinder aus bildungsfernen Haushalten dabei, die hier ans Lesen herangeführt werden. Besonders die Werkstätten werden von Kindergärten gerne gebucht. Am Wochenende kommen aber natürlich eher die Familien, die leseaffin sind.

Das diesjährige Motto „Tierische Helden“ spricht vor allem jüngere Kinder an. Wie erreicht man die schwierigere Gruppe der Jugendlichen?

Das ist schwer. Jugendliche in der Mittel- und Oberstufe haben kaum noch Zeit, um neben den lehrplanrelevanten Themen Veranstaltungen zu besuchen. Das gilt unabhängig vom jährlich wechselnden Motto. Auch bei Themen wie „Musik“, „Kunst“, „Familie“ oder „Liebe“, bei denen man meinen könnte, dass sie für diese Zielgruppe attraktiv sind, zeigen unsere Erfahrungen dasselbe: Es liegt nicht am Thema, sondern an der Zeit, die den Lehrern fehlt, um außer Haus zu gehen, an den engen Bildungsplänen und G8.

Warum wird der Buchhandel als Veranstaltungsort nicht einbezogen?

Wir sind Vertreter aller Buchhändler in Baden-Württemberg und wollen keine Buchhandlung bevorzugen. Außerdem möchten wir, dass die Kinder nicht nur zur Lesung kommen, sondern auch die Möglichkeit haben, die Ausstellung zu besuchen. In eine Buchhandlung kann man das ganze Jahr über gehen. In der Ausstellung fehlt uns schlicht der Platz, um eine Buchverkaufsstelle anzubieten. Bei den meisten der Veranstaltungen gibt es aber Büchertische, die von unterschiedlichen örtlichen Buchhändlern gestellt werden.

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