Vor dem Wettbewerb eingeknickt

Im Zuge des radikalen Umbaus des eigenen Produktportfolios verabschiedet sich Sony vom US-amerikanischen E-Book-Markt. Kobo übernimmt das Inhaltegeschäft. Wer streicht als nächster die Segel?

Fast zeitgleich zur Nachricht, dass Sony die eigene Vaio-Produktschiene verkauft und sich somit nach 17 Jahren aus dem PC-Geschäft verabschiedet, geben die Japaner das Ende des eigenen E-Book-Stores (Sony Reader Store) in den USA und Kanada bekannt. Ab Ende März werden die Kunden zum kanadischen E-Book-Spezialisten Kobo weitergeleitet; auf Smartphones und Tablets von Sony soll künftig nicht mehr der hauseigene Shop für digitale Inhalte, sondern die Android-App von Kobo vorinstalliert werden. 
Der Schritt erfolgt insofern nicht überraschend, als Sony bereits im Herbst angekündigt hatte, die neuen E-Reader PRS-T3 nicht in den USA verkaufen zu wollen. Der Verweis auf die „Marktveränderungen“ spielt auf den massiven Wettbewerb in den USA an, der besonders von Amazon geprägt wird.
Pionier verabschiedet sich

Mit Sony verabschiedet sich ein Pionier vom US-Markt. Ab 2006 war Sony mit einem eigenen Reader auf dem Markt, der in den ersten Monaten exklusiv über die – inzwischen vom Markt verschwundenen – Borders-Filialen verkauft und dessen Vertrieb dann ausgeweitet wurde. Erst 14 Monate später zog Amazon mit dem ersten Kindle nach. In den Anfangsjahren galten Sonys Reader als  Rolls-Royce unter den Readern, teurer als die Konkurrenz, technisch aber überlegen – besonders der erste Kindle konnte sich mit dem Sony Reader bei weitem nicht messen, war schwerer und hatte ein schlechteres Display. Und noch heute sind die Sony PRS-505-Geräte, die 2009 auf den deutschen Markt kamen, vielfach im Einsatz. 

Doch es dauerte nicht lang, bis Sony die gute Ausgangsposition einbüßte. Amazon führte ein neues Geschäftsmodell ein, bei dem die Reader kein oder kaum Geld abwerfen, dafür aber das Geschäft mit Inhalten. Nicht nur der niedrigere Preis für den Kindle war (und ist) aus Nutzersicht attraktiv. Hinzu kommt die Mobilfunk-Anbindung des Kindle, als Grundlage für Jeff Bezos‚ Marketing-Claim, dass der Leser jedes Buch in 60 Sekunden herunterladen können soll („every book ever printed in every language, all available within 60 seconds”). Auch die Hintergrundbeleuchtung verschlief Sony und bot den Kunden stattdessen Leselämpchen an.
Der Deal mit Sony ist für Kobo ein Erfolg. Die Kanadier spielen bislang in den USA eine untergeordnete Rolle, mit einem geschätzten Marktanteil im einstelligen Prozent-Bereich, und holen im Schulterschluss mit Sony jetzt auf. Wie dynamisch die Aufholjagd ausfällt, wird davon abhängen, ob es eine weitere Konsolidierung geben wird. Sollte auch der kriselnde Nook kippen und Barnes & Noble, wie bereits im Tablet-Geschäft, die Allianz mit Wettbewerbern suchen und bei den E-Books gemeinsame Sache mit Kobo machen, würden die Karten auf dem US-Markt neu gemischt.
Aus europäischer Sicht interessant ist die Frage, ob Sony auch außerhalb von Nordamerika zum Rückzug bläst. Noch heißt es, der Deal mit Kobo beziehe sich nur auf Nordamerika, der europäische Reader-Store sowie weitere Geschäfte blieben außen vor. Andererseits spielt der Ende 2012 in Deutschland gestartete Reader-Store, wenn man sich die GfK-Zahlen anschaut und mit Verlagen über ihre Absatzkanäle spricht, keine große Rolle auf dem Markt, was mittelfristig für eine Abschied à la USA sprechen könnte.

Auf Anfrage von buchreport.de erklärt ein Sony-Sprecher, der Reader-Store in Europa sei nicht betroffen und solle fortgeführt werden.

Kommentare

1 Kommentar zu "Vor dem Wettbewerb eingeknickt"

  1. Also bei uns spielt der Sony Store durchaus eine Rolle … deutlich besser als viele andere Shops. Ca. 5 % des Gesamtumsatzes kommen darüber rein. Und wird sollten uns nicht wünschen, dass noch mehr Shops verschwinden … ich möchte keinen komplett von Amazon dominierten E-Book-Markt haben … das wäre für die momentan guten Rabattkonditionen Gift …

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