Leere Läden am Abend

In den vergangenen Jahren haben sich die Ladenöffnungszeiten in Deutschland immer weiter in die Abendstunden ausgedehnt. Wie die GfK mitteilt, nutzen die Kunden die späten Einkaufsmöglichkeiten zumindest für die Güter des täglichen Bedarfs allerdings nicht aus:
  • Nach 18 Uhr werden deutlich weniger Bons gedruckt. Nur rund 11% aller Einkäufe von Nahrungsmitteln, Körperpflegeprodukten und Reinigungsmitteln entfallen auf diese Zeit am Abend. 
  • Nur etwas mehr als 1% der Einkäufe erfolgt nach 20 Uhr. Hier besonders in den Großstädten, in denen die Türen eher länger offen bleiben als auf dem Land.
  • Vormittags ist dafür Betrieb im Supermarkt: Rund ein Viertel aller Einkäufe entfällt auf die Zeit zwischen zehn und zwölf Uhr.
  • Noch früher, zwischen acht und zehn Uhr morgens, wird ein Siebtel aller Einkäufe getätigt.

Kommentare

4 Kommentare zu "Leere Läden am Abend"

  1. Im Buchhandel sieht die Lage mit den langen Öffnungszeiten sicher etwas anders aus. Bereits ca. 1995, als die Buchhandlungen jeweils am Donerstagabend bis 20.00 Uhr öffneten, wurde diese Zeit doch nicht so überwältigend von den Kunden genutzt. Den Vorteil von langen Ladenöffnungszeiten am Abend haben ganz klar die großen Ketten-Buchhandlungen (Namen will ich da jetzt nicht nennen).
    Anmerkung noch zu ab ca. 1995: Damals wurde vor allem in den Buchhandlungen an den Donnerstagabenden in den Wochen im Advent (also vor Weihnachten) bis 20.00 Uhr geöffnet.
    Danach wurden diese Zeiten in den Großstädten noch ausgebaut oder verändert.

    Zudem ist es auch so, wer in einer Laufgegend (Füßgängerzone) liegt, hat immer noch die besseren Karten im Verkauf, als die Buchandlung, die sich in einer ruhigeren Straßenzone befindet.
    Es ist aber noch ein anderer Gesichtspunkt, der den Leerstand von Geschäften am Abend ausmachen könnte. Wenn ein Kunde (Leser oder Leserin) am Tag ihre Buchwünsche erledigt oder sonst in einem anderen Laden etwas einkauft, dann wird eben nicht der Abend für das Einkaufen genutzt. Zudem liegt es auch an der Verschiedenheit der Infrastruktur in den jeweiligen Städten. Frankfurt/Main, München, Ulm und Stuttgart sind Plätze, wo es sich lohnt, dass am Abend die Geschäfte so bis 20.00 Uhr geöffnet sind.

    In kleineren Städten da die Läden offen zu halten, hat weniger Sinn. Und außerdem ist dies alles immer eine Frage der Investition von Personal und anderen Dingen.
    Man sollte hier jetzt nicht allein nur den Buchhandel betrachten, wo ja auch viele Käufe von Kunden über das Internet abgewickelt werden.
    Bei Büchern ist eben auch noch eine Verschiebung der Käufer in ihrem Kaufverhalten zu beobachten.
    Ein ganz anderer Gesichtspunkt ist auch das allgemeine Leseverhalten oder die Höhe des jeweiligen Einkommens der Käufer. Man sollte so etwas in die Überlegungen einbeziehen.
    Die Konjunktur schwankt und so etwas wirkt sich auch auf das Verhalten im Einkaufen der Menschen aus.
    Es bleibt also abzuwarten, wie sich insgesamt gesehen das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr entwickeln wird.
    H. Kraft

  2. Amélie von Tharach | 22. Oktober 2013 um 10:57 | Antworten

    Nach meiner Meinung eine Fake-Statistik, bei der ich einen „dicken Hals“ bekomme. Ein Freundin hat ein Friseurgeschäft (kleiner Ort ca. 13.000 Einwohner) und hat Montag bis Freitag bis 20:00 Uhr geöffnet. Das macht sie seit 10 Jahren. Das Hauptgeschäft macht sie in der Zeit von 17:00 Uhr bis 20:00 Uhr (ein Drittel des Tagesumsatzes.) Die Mitarbeiter (12) ziehen mit, weil sie gut und weit über Tarif bezahlt werden. Jetzt wird sogar überlegt, bis 21:00 Uhr zu öffnen. Es hat aber nicht gereicht, nur die Ladentür nicht abzuschließen, dazu gehört mehr.

    Übrigens ist das eine logische Entwicklung. Viele, wenn nicht die Mehrzahl der Haushalte haben nicht mehr die klassische Rollenverteilung (Mann arbeitet und Frau macht den Haushalt) sondern beide sind berufstätig. Das bedeutet, dass sich das klassische Geschäft (Handel, Nachfrage usw.) zunehmend auf den Abend verlagert.

    Was mir an dem Artikel auch nicht gefällt, ist die alleinige Ausrichtung auf „Einkäufe.“ Das wird leicht überlesen und auf Handel, Dienstleistung, Service usw. übertragen, und für die Ladeninhaber als Rechtfertigung genommen („Abends kommt ja eh keiner, da machen wir nicht auf“), und die schlecht bezahlte Aushilfe, die am Abend zu Mann und Kind will, gibt der über fehlende Umsätze klagenden Buchhänder-in recht.

    Und dem Buchhandel ins Hauptbuch geschrieben (weil das hier ja der Buchreport ist): Das Gejammer der Buchbranche über zurückgehende Umsätze ist hausgemacht, und ich kann kein Mitleid empfinden. Solange Buchhandlungen über die Mittagszeit schließen, Mittwoch Nachmittags geschlossen haben, um 18:00 Uhr die Tür abschließen, dafür morgens um 10:00 Uhr öffnen, weder Kreditkarten als Zahlungsmittel akzeptieren, dafür aber mit einem ermäßigten Steuersatz subventioniert werden und Katzenbergerbücher als Literatur verkaufen und dazu Kaffeetassen und Postkarten und Spielsachen, und die Beratungsqualität ohne Computer eher mittelmäßig ist, dafür die Preise deutlich höher als bei den Amazonen (CDs, alles andere unterliegt ja der Buchpreisbindungstyrannei), so lange sage ich nur: Selber schuld.

    Oder um mit einem Zitat aus dem Film Pretty Woman abzuschließen: Kunden sind nicht für Läden da, sondern Läden für Kunden (sinngemäß).

  3. Ist klar… wer kann vormittags einkaufen? Rentner und Arbeitslose. Und grad die Rentner gehen täglich um mal raus zu kommen.
    Ganz ehrlich, diese Statistik ist Rotz. Wer arbeiten muss, um Geld zu bekommen, der kann selten bis nie vormittags einkaufen. Und hat dann auch keine Lust, das ganze dann täglich zu machen, wenn man von einem 8h-Tag nach Hause kommt. Man geht einmal für die ganze Woche einkaufen.

  4. Wieder ein gebastelte Statistik gegen die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten!
    Tom Deuerlein, Deuerlein Buch Wein Caffè, Nürnberg

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