Wir brennen die Wunschwelt der Verlage ab

Der womöglich größten deutschen Plattform für illegale E-Books ist das Geld ausgegangen. Vor die Wahl gestellt, das Angebot einzuschränken oder es mit frischem Geld aufzustocken, wählen die Plattformbetreiber die zweite Alternative. Mit einer Nutzungsgebühr will b***.to zum „neuen Spotify“ für E-Books werden – und nebenbei die Verlage erziehen. 
Bisher hat sich die Plattform über Spenden finanziert. Doch offenbar ist die Spendenbereitschaft der Piraten zu gering, um das Angebot weiter zu finanzieren. Jetzt werden alle Nutzer zur Kasse gebeten: Wie die Plattformbetreiber in ihrem Blog (zu dem wir hier nicht verlinken wollen) schreiben, sollen alle Nutzer, die die Plattform weiterhin nutzen wollen, 10 Euro über eine Paysafecard bezahlen. Die Benutzer kaufen im Handel eine solche Prepaid-Karte und erhalten dafür eine Pin, mit der sie online bezahlen können. 
Von dem Geld will b***.to die neuen Server bezahlen, solange das Geld reicht. Wie hoch der Monatsbeitrag letztlich ist, hängt also davon ab, wie viele Nutzer einzahlen. Nach ersten Hochrechnungen soll der Beitrag für drei Monate reichen – heißt: jeder Nutzer zahlt 3,33 Euro pro Monat für das illegale E-Book-Angebot. Zum Vergleich: Die legale Alternative Skoobe ist ab einem Monatsbeitrag von 9,99 Euro erhältlich.
Auch das Angebot soll mit dem neuen Geld „massiv ausgeweitet“ werden: „Ab jetzt werden wir die Mittel haben, jedes Wachstum zu finanzieren. Wenn wir die große Mehrheit der digitalen Leser erreichen und das mit Abstand größte Angebot an Titeln haben, dann ist T***x das neue Spotify für E-Books“, trommeln die Betreiber. Man könne sich durchaus vorstellen, dieses Geld an die Verlage und Autoren weiterzuleiten, doch leider hindere man sie ja daran. 
Auch einen erzieherischen Auftrag schreibt man sich auf die Fahnen: „Was bleibt uns, als solange das Gelände abzubrennen, bis selbst die Verlage einen gewissen Brandgeruch wahrnehmen? Im Augenblick haben wir es mit zwei Welten zu tun: der Wunschwelt der Verlage (was die E-Books anbelangt) und der Realwelt, wo Amazon und die Buchpiraten die digitale Zeit nach den Verlagen ins Visier nehmen. Brennen wir also die Wunschwelt der Verlage ab, und hoffen wir, das die Mutigsten von ihnen sich in die Sprungtücher retten können.“
Der Buchbranche ist das E-Book-Portal schon lange ein Dorn im Auge. Auch wenn bereits ein Blog geschlossen wurde, konnte das E-Book-Piraterie-Portal noch nicht vom Netz genommen werden. Sowohl die auf die Bekämpfung von Piraterie spezialisierte Agentur CounterFights als auch der Börsenverein gehen gegen das Portal vor. 

Anmerkung: Den Namen der Plattform haben wir geschwärzt, um keine Nutzer auf die Seite zu verweisen. 

Mehr zum Thema im kommenden buchreport.express 33/2013.

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