Lohnt Loss Leading?

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Amazon sein Tablet „Kindle Fire“ zum Herstellungspreis oder darunter verkauft, um mit den Inhalten Geld zu verdienen. Doch wie viele E-Books und Games muss der Online-Riese verkaufen, um Gewinne zu erzielen? Ein Marktforscher hat es ausgerechnet – mit überraschendem Ergebnis.
Laut ABI Research muss Amazon im Schnitt 3 Dollar pro Monat und Tablet verdienen, um rund 20% Profit zu erzielen. Als zeitlichen Rahmen haben sich die Marktforscher am durchschnittlichen Lebenszyklus eines Tablets orientiert. Gesetzt den Fall, dass Amazon im Schnitt 30% pro Verkauf verdient, müsste jeder Kunde also 10 Dollar pro Monat ausgeben, damit das Geschäft für Amazon attraktiv ist. 
Nach Ansicht von ABI- Analyst Aapo Markkanen ist das „Kindle Fire“ nicht etwa ein aggressiver Schachzug, sondern aus der Not heraus geboren. Denn: „Wenn Amazon seine Zukunft nur auf dem Internet und den Apps aufbauen würde, wäre es Apple und Google völlig ausgesetzt.“ Wer die Plattform kontrolliert, hat den nahtlosen Kontakt zum Kunden – und damit das Zepter in der Hand.
Wie Amazon seine Kundendaten für Werbung nutzen will
Apropos Kundendaten: Im „MIT Technology Review“ ist ein interessanter Artikel erschienen, der aufzeigt, wie Amazon die Daten seiner Kunden für zielgruppenspezifische Werbung nutzen will. Dafür habe Amazon eigens eine neue Abteilung eingerichtet.
Die Idee: Beim Besuch der Amazon-Seite wird festgehalten, welche Artikel der Kunde sich kauft oder wünscht. Sobald der Kunde eine andere Internetseite aufruft, wird dazu passend eine Werbeanzeige platziert. „Wenn du heute durch das Netz surfst, kann es passieren, dass du eine Amazon-Anzeige siehst, die auf deinen Amazon-Kundendaten basiert“, erklärt Jeff Green, CEO der auf Anzeigen spezialisierten Agentur Trade Desk. „Morgen siehst du vielleicht eine Anzeige von Coca Cola, die auf deinen Amazon-Daten basiert und über die Amazon-Plattform läuft.“
Zwar sei es unwahrscheinlich, dass Amazon einzelne Kundendaten herausgibt, so „MIT“. Aber es sei davon auszugehen, dass der Onliner seine Kunden in bestimmte Gruppen unterteilen werde und den Werbern dann anbiete, Anzeigen speziell für diese Kundengruppe zu schalten – zum Beispiel an all jene Kunden, die sich eine Digitalkamera wünschen.

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