Onleihe bleibt Zankapfel

Auch in Großbritannien tobt der Streit um den E-Book-Verleih in Bibliotheken. Zur Zeit arbeitet die britische Regierung an einem Vorschlag, wie Bibliotheken der digitale Verleih erleichtert werden kann. 
Der Kultusminister Ed Vaizey hat deshalb eine Taskforce einberufen, die Lösungen für den E-Book-Verleih ausarbeiten soll, mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Bibliotheken, Autoren, Verlage und Buchhändler. 
Zentrale Fragen der Debatte:

  • Kannibalisierung: „Der E-Book-Verleih in Bibliotheken muss achtsam verwaltet und kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass er nicht mit dem Verkauf von E-Books konkurriert“, fordert die Schriftstellergewerkschaft Society of Authors. Es müsse auch sichergestellt werden, dass der E-Book-Verleih nicht dem ohnehin unter Druck stehendem Buchhandel schade. Zur Erinnerung: Im Mai warnte Waterstones-Chef James Daunt, die Ausleihe von E-Books stelle einen großen Wettbewerb für die stationären Händler dar. „Bibliotheken, die künftig ebenfalls E-Books verleihen, sind eine zerstörerische Kraft. Wenn man ein E-Book kostenlos herunterladen und lesen kann, warum sollte man es besitzen wollen?“ 
  • Aus Sicht der Bibliotheken ist der E-Book-Verleih für sie essenziell, weil immer weniger Nutzer gedruckte Bücher ausleihen und Bibliotheken auf Dauer bedeutungslos werden könnten, wenn größere kommerzielle Anbieter (wie beispielsweise Amazon) E-Books verleihen oder vermieten. 
  • Kosten: Mit Sorge beobachten einige Verlage, dass Bibliotheken den Verleih kostenlos anbieten und fordern deshalb, dass die Bibliotheken eine Gebühr für E-Books erheben. Die Bibliotheken halten dagegen, dass auch der Verleih von gedruckten Büchern kostenlos sei und es eine lokale Entscheidung sei, ob eine Gebühr erhoben wird. Zudem müssten die Bibliotheken den öffentlichen Auftrag erfüllen, sozial Schwächeren oder Behinderten den Zugang zu Wissen ermöglichen sollen. Die Society of Chief Librarians schlägt deshalb u.a. vor, den E-Book-Verleih durch Werbung zu refinanzieren. 
  • Piraterie: Viele Piraten nutzen das Angebot der Bibliotheken, entfernen den Kopierschutz und bieten die E-Books dann online an. Während Verlage und Autoren von Bibliotheken verlangen, die E-Books besser zu schützen, fordern Bibliotheken die Verlage auf, selbst bessere Schutzmaßnahmen für E-Books zu finden und Urheberrechtsverletzungen strenger zu verfolgen.
  • Vergütung: Autoren und Verlage fordern von Bibliotheken eine angemessene Vergütung für den Verleih. In Großbritannien sichert das Public Lending Right Autoren für jedes ausgeliehene Buch einen Ausgleich. Zwar gilt das Recht auch für den Verleih digitaler Bücher in Bibliotheken, entsprechende Zahlungen sind bei den Autoren aber bisher nicht eingegangen, kritisieren Autorenvertreter. 
  • Online-Verleih: Strittig ist auch, inwieweit es Nutzern ermöglicht werden darf, E-Books außerhalb der Bibliotheksräume herunterzuladen. Einige Bibliotheken wollen ihren Nutzern den Verleih auch von zuhause aus ermöglichen; laut Kulturminister Ed Vaizey müssen sie dafür aber erst eine Genehmigung der Rechteinhaber einholen. 
  • Lizenzmodelle: Die Society of Chief Librarians kritisiert, dass das bisherige Verleihmodell  – dass „entliehene“ E-Book nicht mehr von anderen Nutzer ausgeliehen werden können – den Zugang zu Büchern erschwere und wünscht sich deshalb Lizenzmodelle, die auch die Parallelnutzung ermöglichen. 
Mehr zum Thema lesen Sie im kommenden buchreport.express 31/2012 (erscheint am Donnerstag, 2. August, und ist hier zu bestellen).

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