Was passiert, wenn Thalia schließt

Thomas Wrensch (TW, Foto re.) und Joachim Wrensch (JW, li.) konnten 2011 mit ihrer Buchhandlung Graff in Braunschweig gegen alle Trends knapp 10% Umsatzzuwachs auf konstanter Fläche erzielen (Rang 34 im buchreport-Ranking der größten Buchhandlungen mit 15,6 Mio Euro).

Vor der Unternehmenskonjunktur hatte Ende 2010 in Braunschweig eine 3000 qm große Thalia-Filiale gut vier Jahre nach der Eröffnung wieder aufgegeben. Die Wrensch-Brüder, die Mitte der 80er-Jahre in die elterliche Buchhandlung Graff eingetreten sind, führen diese seit 1988 als geschäftsführende Gesellschafter und sprechen im buchreport-Interview über die Erfahrungen mit dem Ein- und Ausstieg des Marktführers am Ort.  

Können Sie anderen Standortbuchhändlern Hoffnung machen angesichts der Rück- und Umbaupläne von Thalia?

JW: Schließt Thalia eine Filiale, wird der benachbarte Buchhandel einen Teil des Umsatzes gewinnen, nie den gesamten Umsatz. Wie es bei Teilumwidmungen von Flächen ist – schwer zu sagen.  

TW: Man darf vor allem nicht nur auf die Schwäche des Wettbewerbers spekulieren, sondern muss selbst eine Menge tun und sich aktiv zeigen, um die Kunden zu locken.  

Die Buchhandlung Graff hat im vergangenen Jahr 1,4 Mio Euro mehr Umsatz erzielt. War nicht noch mehr zu erwarten, wenn ein 3000-qm-Laden in Laufentfernung schließt?  

TW: Nein, wir hatten ein Plus von 1 Mio Euro eingeplant, das ist etwa ein Viertel des Umsatzes der geschlossenen Thalia-Großfläche, und es ist sogar mehr geworden. Wir sind damit jetzt wieder fast auf dem Niveau von 2005/06 angelangt, also bevor Thalia kam, und eine kleinere Einkaufscenter-Filiale von Thalia ist ja weiterhin am Ort.  

Wie hat sich die Schließung der Thalia-Großfläche auf Ihre Umsatzstruktur  ausgewirkt?

TW: Es gibt eine interessante Beobachtung: Nach dem Thalia-Zuzug ist unser Durchschnittsbon gestiegen und jetzt ist er wieder gesunken. Die zwischenzeitlich an Thalia  verlorene Kundschaft ist offenbar mehr auf ein niedrigpreisigeres Sortiment ausgerichtet wie Taschenbücher, Romane und Mitnahmeartikel.  

JW: Trotz des erfreulichen Zuwachses 2011 haben wir uns ansonsten nicht von den Branchentrends abgekoppelt. Wir spüren die Steigerungen im Kinderbuch wie die Rückgänge im Fachbuch. Und seit Jahresbeginn sind wir auch beim Umsatz leider wieder im Branchentrend und verzeichnen – von höherem Niveau – wieder Umsatzrückgänge.  

Was ist jetzt zu tun?  

TW: Wir bauen wie viele andere ebenfalls das Nonbook-Programm aus, allerdings sehr gezielt als Ergänzung zu Buchgenres und -themen. Wir wollen uns weiter unsere Kompetenz als Buchhändler bewahren.  

JW: Wir hatten bereits im Wettbewerb mit Thalia in den vergangenen Jahren unser Sortiment ausgebaut mit Presse und Musik-CDs. Zudem haben wir einzelne Warengruppen optimiert, neue Schwerpunkte gesetzt und nach längerer Vorbereitung beispielsweise Taschenbücher und Hardcover thematisch neu geordnet und zusammengeführt und damit etwa in der neuen Krimi-Abteilung überproportionale Steigerungen verbucht.  

Die Fragen stellte Thomas Wilking. 

Das vollständige Interview lesen Sie im aktuellen buchreport.express 8/2012 (hier zu bestellen).

© Foto: Peter Sierigk

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