Erst Kadi dann kuscheln

Während die deutsche Buch-Branche weiterhin rätselt, wann Google den im Dezember 2010 in den USA gestarteten Vertrieb digitaler Bücher auch hierzulande startet, gibt es aus Frankreich neue Signale, die einen baldigen Start des digitalen E-Vertriebs nahelegen: Nach dem vor zwei Wochen vertraglich besiegelten Deal mit Hachette (hier mehr) hat Google auch mit La Martinière geeinigt – dem Verlag, der Google 2006 noch mit Blick auf das Bibliotheksprogramm wegen des Verstoßes gegen das Urheberrecht verklagt hatte.

Wie Google im eigenen Blog bekannt gibt, haben beide Parteien ihren Rechtsstreit beendet, mit der Perspektive, die urheberrechtlich geschützten, aber vergriffenen Titel des Verlags über das „Google eBooks“-Programm zu vertreiben. Der Deal zeigt einmal mehr, dass Google von seiner bisherigen Opt-out-Haltung (Google scannt ohne Abstimmung mit den Rechteinhaber, diese können erst nachher ihre Titel aus dem Programm nehmen) abweicht: Der französische Verlag kann entscheiden, welche vergriffenen Titel Google – im Rahmen des Bibliotehksprogramms – scannen und verkaufen darf. Die Erlöse sollen aufgeteilt werden.

Schon im vergangenen Jahr hatten sich Google und Hachette angenähert, um eine Kooperation zum digitalen Vertrieb zehntausender vergriffener Bücher zu schließen. Die Einigung steht im Kontrast zum Kadi-Kurs von Albin Michel, Flammarion und Gallimard: Diese drei großen französischen Verlage hatten Google, nach dem Vorbild des im Jahr 2009 vor Gericht siegreichen Verlags La Martinière, im Mai 2011 auf rund 10 Mio Euro Schadensersatz für das ungefragte Digitalisieren von fast 10.000 eigenen Titeln im Rahmen des Bibliotheksprogramms verklagt.

Mit Hachette und La Martinière an Bord könnte Google schon bald über einen Titelbestand verfügen, um den E-Book-Vertrieb in Frankreich zu starten – was im französischen E-Book-Markt (auf dem das Geschäft mit digitalen Büchern 2010 mit einem Umsatzanteil von rund 0,6% klein ausfiel) für einen Schub sorgen könnte.

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