Verlage sind falsch im App-Store

Zahlen zu den Erlösen durch den Verkauf von Bücher-Apps in den USA dämpfen die Hoffnungen. Der Book Industry Study Group zufolge spielen Apps und angereicherte E-Books in den USA kaum eine Rolle (zu den Studienergebnissen). Ralf Tornow (Foto), Chef der E-Book-Abteilung bei Rowohlt, sucht neue Wege für angereicherte digitale Bücher.

US-Statistiker haben den jüngsten Hoffnungsträgern der Buchbranche im digitalen Bereich, Apps und angereicherten E-Books, einen Dämpfer erteilt (hier mehr). Die Umsätze sind minimal. Haken Sie das Thema ab?

Nein, wir machen weiter, weil wir noch Perspektiven sehen. Aber es ist kein Geheimnis, dass im Moment wohl kein Verlag mit Apps kostendeckend arbeitet. Wir wollen am Ball bleiben, auch weil niemand weiß, wie diese Entwicklung ausgeht. Dennoch ist die Situation heute eher ernüchternd. Die Verkäufe fallen bisher, gemessen an den Text-E-Books, gering aus: Bei den Topsellern liegt ein angereichertes E-Book bei nicht einmal 10% des Absatzes von normalen E-Book-Toptiteln. Allerdings verfolgen wir mit angereicherten E-Books weitere Ziele, wollen beispielsweise unser Know-how ausbauen und Autoren an unseren Verlag binden. Das Signal lautet: Wir sind ein Full-Service-Unternehmen, das auch multimediale Lösungen anbieten kann.

Eine teure Form der Autorenbindung …

Wir produzieren pro Jahr zwischen sechs bis acht Titel, somit bleiben die Investitionen in einem akzeptablen Rahmen.

Bei welchen Titeln ist Anreichern noch immer sinnvoll?

Das Thema muss passen, außerdem sollte der Autor an einer kreativen Mitarbeit interessiert sein. Das Genre ist nicht entscheidend: Im Herbst bringen wir erstmals auch einen Roman „enhanced“ heraus, „Das Fort“ von Bernard Cornwell. Neu daran ist auch, dass wir eine Lizenz eingekauft haben und für den deutschen Markt adaptieren. Im Sachbuch erscheint das neue Buch von Miriam Meckel „Next“, das sich mit Entwicklungen der Online-Gesellschaft be-schäftigt. Auch im Comic-Bereich wollen wir neue Wege testen.

Ist der App-Store der falsche Ort für Verlage?

Definitiv. In der Regel sind Bücher dort verloren, weil sie nicht auffindbar sind. Außerdem sind die Preise im App-Store besonders durch die Vielzahl der Spiele-Apps sehr niedrig, ein E-Book für z.B. 12,99 Euro wirkt überteuert. Wir ändern im September unsere technische Strategie, indem wir die angereicherten E-Books im Epub-Format für den iBookstore, statt als App auf den Markt bringen. Dadurch wird sich vermutlich einiges bei den Verkäufen bewegen.

Amazon setzt auf eine webbasierte Kauf- und Lese-App (hier mehr). Eine Perspektive für Sie?

Das Konzept ist spannend, aber Prognosen sind schwierig, welche Form sich am Ende durchsetzen wird. Wir beobachten die Entwicklung, um kurzfristig auf neue Trends reagieren können.

Die Fragen stellte Daniel Lenz

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