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Kommentar
Sonntag, 09. Dezember 2012 (07:02 Uhr)


Daniel Lenz über die Perspektiven von Amazon Publishing

Von Kraken lernen

Wenn deutsche Verleger aktuell die Aktivitäten von Amazon im eigenen Revier beurteilen, ist leider oft Augenwischerei angesagt. Dass sich Verlage mit ihren klassischen Tugenden (Erfahrung, Auswahl, Innovationskraft) gegen die auch in Europa startenden Amazon-Verlage behaupten können, ist nur die Hälfte der Wahrheit: Ihnen wird dies zumindest im E-Book-Geschäft nur gelingen, wenn sie sich schnell neue Tugenden aneignen – und dabei von Amazon lernen.

Anders als der Buchhandel, der sich in der Offline-Welt durch eine gute Beratung, Auswahl und lokale Vernetzung („Buy local“) positionieren kann, haben Verlage auf dem digitalen Spielfeld eine schlechtere Ausgangsposition: Die meisten kennen ihre Leser nur schlecht. Datenkrake Amazon dagegen verfügt über riesige Bestände an Kundenstatistik und kann auf Basis der „Big Data“-Analyse klar profilierte Programme entwerfen, bei denen die Bestseller-Trefferquote entsprechend hoch ist. Hier müssen die Verlage ansetzen und viel stärker als bisher die Social-Media-Kanäle durchforsten und für die eigenen Belange auswerten. Zweiter Schritt, und auch hier sind US-Verlage wie Sourcebooks vorbildlich: Den Dialog mit den Lesern ausbauen und die Ergebnisse schon in der Bücher-Genese einfließen lassen („agile publishing“). Gerade auf diesem – interaktiven – Feld lässt Amazon noch Lücken.

In dieser neuen Wettbewerbskonstellation werden nicht zuletzt die Literaturagenten eine entscheidende Rolle spielen. Es ist kein Zufall, dass die Amazon-Verleger in den vergangenen Monaten wiederholt bei den Agenten die Werbetrommel gerührt – und Agenten wie Curtis Brown schon angebissen haben. Sie mit ihren Autoren bei der Stange zu halten (durch besseren Service, höhere E-Tantiemen), könnte die größte Herausforderung werden.



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