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Zwei Wege zum Ziel

Nach monatelanger Sondierungsarbeit hat eine von der Hauptversammlung 2010 eingesetzte Strukturkommission die möglichen Perspektiven für den Landesverband Baden-Württemberg entworfen. Ziel: Die Mitgliedsbeiträge für die Mitglieder zu senken. Ergebnis: Die Kommission ist gespalten und stellt zur außerordentlichen Hauptversammlung am 28. Mai 2011 daher zwei Alternativen zur Disposition: Beitragssenkung und selbstständig bleiben (Position des Vorstands) – oder Fusion mit dem Börsenverein.

Ausgangsposition:

  • Die Mitglieder fordern eine spürbare Senkung der Mitgliedsbeiträge.
  • Aber: In den nächsten fünf Jahren, so die Perspektive, werde das Beitragsaufkommen um 15% zurückgehen.

Die Optionen im Detail:

Plan 1: Beiträge senken, selbstständig bleiben

Argumentation:

  • Vorstand und Geschäftsstelle werden im Jahr 2011 weitere interne Umstrukturierungs- und Sparmaßnahmen durchführen, die bei Wegfall nicht unbedingt notwendiger Aufgaben eine günstigere Kostenstruktur ergeben. Die vorgesehenen Maßnahmen werden es erlauben, die Beiträge der Mitglieder des Landesverbandes ab dem 1. Januar 2012 um 10 % (bzw. 60.000 €) zu senken – aktuell gibt die Geschäftsstelle rund 710.000 Euro pro Jahr aus.
  • Verzichtet der Landesverband auf den landesspezifischen Rechtsbeirat könnte dieser einen fünfstelligen Betrag einsparen.
  • Auch durch den Verzicht auf den jährlich stattfindenden parlamentarischen Abend mit Landtagsabgeordneten zur regionalen Lobbyarbeit könnte ein fünfstelliger Betrag gespart werden.
  • Einige langjährige Mitarbeiter scheiden altersbedingt in den nächsten Jahren aus. Wenn die diese Positionen neu strukturiert oder auf andere Mitarbeiter übertragen werden, rechnet der Vorstand mit weiterem Einsparpotenzial von 70000 Euro.

„Eine Verschmelzung mit dem Bundesverband bedeutet die Aufgabe der rechtlichen Selbstständigkeit”, begründet Landesverbands-Geschäftsführer Johannes Scherer sein Plädoyer für die Erhaltung der Landesverbands-Strukturen. Gerade die kleinen Mitglieder bräuchten die Strukturen eines Landesverbandes, sie würden im Bundesverband nicht über ausreichend Stimmkraft verfügen.

Plan 2: Fusion mit dem Bundesverband

Argumentation:

  • Wenn der Landesverband in seiner jetzigen Struktur erhalten bleibe, könne der Auftrag, die Mitgliedsbeiträge „spürbar zu senken“, nicht erreicht werden – das vom Vorstand genannte Einsparpotential entspreche nicht einmal dem prognostizierten Rückgang des Beitragsaufkommens.
  • Je geringer der Nutzen für die Mitglieder (der durch die Einsparungen sinke), desto höher die unproduktiven Verwaltungskosten in Relation zum Mitgliedernutzen.
  • Das Arbeitsspektrum des Landesverbandes decke sich zu 100% mit dem Arbeitsspektrum des Börsenvereins.
  • Mit der doppelten Beitrags-Struktur werde eine „schwerfällige Verwaltungsstruktur“ finanziert, die „immer wieder gegeneinander arbeitet und dann in mühsamer Kleinarbeit für die unverzicht- bare Abstimmung sorgen muss“.
  • Die Rahmenbedingungen des Buchmarkts, deren Verbesserung die wichtigste Aufgabe eines Berufsverbandes darstelle, würden nicht in Stuttgart, sondern in Berlin und Brüssel definiert.
  • Durch den Umbau von einer „regionalen Organisation mit eigener Rechtspersönlichkeit“ zu einer Organisation ohne eigene Rechtspersönlichkeit würden 270.000 Euro pro Jahr eingespart, ohne die Dienstleistungen einzuschränken – gespart werde nur bei der Verwaltung (u.a. unproduktive Verwaltungskosten durch leerlaufende Gremienarbeit, bei Finanzplänen und Geschäftsbericht, Geschäftsräumen/Geschäftsführung).
  • Procedere/Antrag: Der Vorstand soll die satzungsrechtlichen Voraussetzungen einer Fusion klären, mit dem Vorstand des Börsenvereins die Einzelheiten einer Fusion erörtern und spätestens im 2. Quartal 2012 eine Hauptversammlung einberufen und dort einen entscheidungsfähigen und satzungsrechtlich abgestimmten Fusionsantrag stellen.

Der Dialog

Wie seine Mitglieder zu den Möglichkeiten stehen, sei noch schwer abzuschätzen. Nun soll die interne Diskussion auf “Mein Börsenverein” das Stimmungsbild zeichnen. “Warum sollen wir nicht mit den anderen Landesverbänden und dem Bundesverband in einen Wettstreit der Ideen treten?”, so Scherer.

Ein erstes Meinungsbild liefert auch die März-Umfrage von buchreport.de: Von den 256 Teilnehmern waren nur 10% für eine Verschlankung des Angebots, 38% plädierten für eine Fusion mit dem Bundesverband, 36 % für die Fusion mit anderen Landesverbänden.

Der Struktur-Kommission gehören an:

  • Olaf Carstens (Verlag Herder, Freiburg)
  • Bernhard A. Greiner (BAG Verlag, Weinstadt)
  • Lars Keller (Berater, ehemals Buchhandlung Kern, Vaihingen)
  • Cornelius Kieser (Buchhandlung Kieser, Schwetzingen)
  • Thomas Lindemann (Info-Verlag, Karlsruhe)
  • Hermann-Arndt Riethmüller (Osiandersche Buchhandlung, Tübingen)
  • Patricia Scholten (Motorbuchverlag, Stuttgart)
  • Konrad M. Wittwer (Buchhandlung Wittwer, Stuttgart)

Hier finden Sie das buchreport-Dossier zur Reform der Landesverbände

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