Fabian Kern rät: Testen, lernen und anpassen

Fabian Kern unterstützt Medienunternehmen und Verlage bei der Entwicklung einer Digitalstrategie. Kinder- und Jugendbuchverlagen rät er, ihre Produktpotenziale digital noch besser auszuschöpfen.

Fabian Kern war nach Stationen in verschiedenen Medienhäusern bei der Haufe-Gruppe als Teamleiter für die Entwicklung und Einführung der E-Book-Produktionslinie verantwortlich. Seit 2012 arbeitet er selbstständig als Berater und Trainer für digitales Publizieren. (Foto: privat)

Warum sind viele Kinder- und Jugendbuchverlage im Bereich digitale Technologien noch zurückhaltend?

Die erste Generation digitaler Produkte im Kindermedien-Bereich war in den meisten Fällen wirtschaftlich nicht erfolgreich. Dazu kommen ein eher traditionell geprägter Blick auf das Medium und eine tiefe Verwurzelung in der Printtradition. Eine gewisse Zurückhaltung ist auch verständlich und angemessen: Viele Eltern sind noch sehr skeptisch gegenüber Digitalprodukten im Kinderzimmer. Deutschland ist hier sicher nicht der einfachste Markt.

Wie sehr verhindern die hohen Investitionen eine offensive Digitalstrategie?

Jeder Ansatz für eine Portfolioentwicklung bedeutet eine Investition, ganz unabhängig vom Medium. Was für Verlage ungewohnt ist, sind die anderen Kalkulationsmodelle und Rechengrößen, die bei Softwareprojekten für eine Digitalstrategie angewendet werden müssen. Wenn ein hoch qualitatives Digitalportfolio entstehen soll, sind tatsächlich wesentliche Investitionen notwendig. Diese lohnen sich aber, wenn am Ende die Wertschöpfung stimmt.

Welche digitalen Ansätze eignen sich für eine Verknüpfung mit Kinderbuchprojekten?

Für stark visuell geprägte Produkte ist Augmented Reality ein naheliegender Ansatz. Apps wie „Die kleine Raupe Nimmersatt“ haben das Potenzial von sogenannter markerloser Augmented Reality gezeigt. Sie wird frei im Raum platziert und übersetzt das Kindermedium in die Dreidimensionalität. Man könnte sich im Zuge des Hörbuchtrends auch mit Spracherkennung und Sprachassistenten beschäftigen. Und auch die Option individualisierter Kinderbücher mit Print-on-Demand und Satzautomatisierung könnte intensiver genutzt werden.

Lohnt es sich, „digital first“ zu denken?

Auf jeden Fall. Will man das Potenzial von digitalen Medien ausschöpfen und Produkte schaffen, die als Print nicht möglich wären, muss man zuerst digital denken.

Wie können Verlage ihr Portfolio fit für die Zukunft machen?

Wenn man mit wachem Blick auf die Medienentwicklung schaut, Andockstellen von den eigenen Inhalten zu neuen medialen Aufbereitungen sucht und immer wieder neue Formen ausprobiert, ist das sicher eine gute Voraussetzung. Viel testen, viel daraus lernen und den eigenen Ansatz immer wieder anpassen wäre das, was etablierte Marken von Kindermedien-Start-ups lernen können. Und nicht zuletzt: alle neuen Entwicklungen immer vom Kunden aus denken.

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