Open Source: Risiko und Chance

Open-Source-Software heißt für viele Gratis-Software. Aber auch Open-Source-Projekte bedeuten Investitionen – die eigentlichen Vorteile liegen woanders. Im IT-Channel von buchreport.de erklärt die Informatikprofessorin Irene Weber die Vor- und Nachteile des Einsatzes von Open-Source-Software.

 

Bedeutung des Quellcodes

Software zu programmieren heißt, in einer Programmiersprache eine Abfolge von Befehlen zu schreiben, zusammen mit Bedingungen, wann der Computer diese Befehle ausführen soll, um zum Beispiel auf eine Benutzereingabe zu reagieren, Berechnungen auszuführen, Daten zu speichern usw.. Dies ist der Quellcode. Er hat die Form von Textdateien und ist für Geübte lesbar und verständlich. Entwickler versuchen, möglichst übersichtlichen und verständlichen Quellcode zu erstellen, denn wenn Programme erweitert oder geändert werden, geschieht dies im Quellcode.

Um die Software auszuführen, muss man den Quellcode in ein Format übersetzen, das der Computer als Befehle interpretieren kann, wie in Bild 1 visualisiert. Der Übersetzungsvorgang produziert ebenfalls Dateien, doch deren Inhalt ist für Menschen kaum verständlich. Dieses Format der Software bezeichnet man als Objektcode oder auch als „ausführbare Version“. Während Quellcode weitgehend unabhängig davon ist, auf welchem Computersystem die Software später laufen soll, benötigen verschiedene Computersysteme speziell für sie erstellten Objektcode.

Quellcode und ausführbare Versionen (Objektcode)

Prinzipiell kann jeder, der über den Quellcode und passende Übersetzungssoftware verfügt, aus dem Quellcode selbst den ausführbaren Code erzeugen; in der Praxis ist dazu jedoch viel Know-how erforderlich.

Software in Form von Objektcode ist wie eine Black Box, man kann ihr Verhalten von außen beobachten, aber nicht erkennen, wie es genau zustande kommt. Liegt eine Software nur als Objektcode vor, spricht man von Closed Source. Es gibt Werkzeuge, die in der Lage sind, aus dem Objektcode einer Software ihren Quellcode mehr oder weniger gut zu rekonstruieren, doch dies ist – außer für bestimmte, eng abgegrenzte Anwendungssituationen – gesetzlich verboten (§ 69a-e UrhG 2019).

 

Risiken von Open-Source-Software

Bei der Diskussion über Open-Source-Software ist viel von Risiken die Rede. Risiken, die für Open-Source-Software ganz spezifisch sind und bei proprietärer Software so nicht auftreten, sind solche, die sich direkt aus den Open-Source-Lizenzen ergeben.

Ein Risikoszenario: Ein Anwender von Open-Source-Software verletzt unwissentlich Lizenzbedingungen und wird dann dafür belangt.

In der Vergangenheit mussten Betroffene deswegen Schadenersatz leisten oder Unterlassungserklärungen unterzeichnen (zum Beispiel Diedrich 2013; Janke 2019). In einem häufig zitierten Fall hat die Firma Cisco den Quellcode ihrer Software offengelegt, nachdem darin Copyleft-lizenzierte Komponenten entdeckt wurden (Smith 2009).

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Die Nutzung von Open-Source-Software ist uneingeschränkt frei. Risiken bestehen dann, wenn Open-Source-Software weitergegeben wird: zum Beispiel zum Download angeboten oder als Bestandteil eigenentwickelter Software.

Um diese Risiken zu vermeiden, würde ein Blick in die Lizenzbedingungen der Open-Source-Software genügen. Das Problem dabei ist, dass Software heutzutage selten aus einem Guss ist, sondern bei der Entwicklung sehr viel Code aus Open-Source-Software einfließt, die wiederum selbst Fremdcode enthält usw.. Oft sind Firmen gar nicht in der Lage, ohne Weiteres festzustellen, welche Open-Source-Software sie verwenden, und können daher auch nicht sicher sein, deren Lizenzbedingungen einzuhalten.

Ein zweites Risiko, das mit Open-Source-Software einhergeht, betrifft die Sicherheit der Software. Wie jede Software kann auch Open-Source-Software Codestücke enthalten, die im Laufe der Zeit als Sicherheitsrisiko oder Schadcode erkannt werden. Zwar werden solche Schwachstellen auch bei Open-Source-Software von den Entwicklern in aller Regel schnell behoben, aber wer die Open-Source-Software in eigenen Softwareprojekten verwendet, muss die Korrekturen auch in seiner Codebasis nachziehen (Synopsys Cybersecurity Research Center 2019).

 

Vorteile von Open-Source-Software

Die Offenheit der Software und die gemeinschaftliche Entwicklung durch eine heterogene Community bewirken die Vorteile, die man Open-Source-Software oft zuschreibt:

  • Bessere Qualität des Codes, da mehr Personen den Code untersuchen und Fehler und Sicherheitsprobleme beheben können
  • Mehr Innovation und bessere Funktionalität durch Input von sehr unterschiedlichen Personentypen. Neben dem Kernteam des Projekts und Anwendern können sich auch an der Technologie interessierte Early Adopters, unabhängige Entwickler und Berater, akademische Nutzer usw. für ein Projekt engagieren.
  • Schnellere Entwicklung und Aufbau eines Ökosystems um die Software, wenn aus der Community Zusatz- und Ergänzungsprodukte geschaffen werden und sich ein Pool von Experten und Dienstleistern bildet
  • Mehr Sichtbarkeit für das Projekt, wenn die Community in Foren, Vorträgen usw. aktiv wird und beginnt, die eigene Expertise und eigene Produkte aus dem Umfeld des Projekts zu vermarkten.

 

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