Wie Mentoring Mehrwerte für alle schafft

Viele erfolgreiche Publisher-Laufbahnen erwuchsen aus der Freundschaft mit erfahrenen Kollegen. Was früher ein Geschenk des Schicksals war, ist heute eine Fördermethode: das Mentoring. Die Mainzer Buchwissenschaft knüpft seit fünf Jahren an langlebigen belastbaren Netzwerken. Die hohen Potenziale des Mentoringprogramms beschreiben im HR-Channel von buchreport.de Toni Johannes Helmle und Maria Scholz.

Toni J. Helmle, Mainzer Buchwissenschaftler. Foto: privat.

Toni J. Helmle, Mainzer Buchwissenschaftler. Foto: privat.

Viele junge Menschen starten mit unrealistischen Vorstellungen in ihren Traumberuf. Sie – und ihre Arbeitgeber – zahlen manchmal teures Lehrgeld, wenn es darum geht, falsche Weichenstellungen zu korrigieren. Denn Kurzzeit-Praktika geben nur sehr oberflächliche Möglichkeiten, spätere Tätigkeiten kennenzulernen. Und oftmals reihen sich in Hospitanzen nur Highlights aneinander und die weniger spektakuläre Routine des Alltags bleibt verborgen.

Das Mentoring-Programm

Das Mentoring füllt eben diese Lücke zwischen Theorie und Praxis: Die Mentorinnen und Mentoren sind häufig selbst ehemalige Studierende der Buchwissenschaft und wissen, wie es ist, kurz vor dem „Absprung“ in die Arbeitswelt zu stehen. Sie wissen aus eigener Erfahrung um die Neugier, die heiklen Fragen, die Stolpersteine und Schwierigkeiten und schaffen durch einen ehrlichen Erfahrungsaustausch ein realistisches und unverklärtes Bild.

Seit 2013 ermöglicht das Mentoring-Programm den Studierenden über ein sorgsames Matching ein Eins-zu-eins Mentoring durch speziell ausgewählte Experten aus der Buch- und Medienbranche. Auf der Zielgeraden des Studiums haben sich vielfach die Berufswünsche konkretisiert oder verfestigt, durch Praktika wurden bereits erste Erfahrungen in der Praxis gesammelt. Der Verein ermöglicht in diesem Programm nun Studierenden über sein Netzwerk an Alumni, Freunden und Förderern tiefergehende Einblicke in das angestrebte Berufsfeld.

Maria Scholz, AVOXA. Foto: privat.

Maria Scholz, AVOXA. Foto: privat.

Der berühmte Blick hinter die Kulissen zeichnet das Mentoring-Programm aus: Als erfahrene und kompetente Partner unterstützen und beratschlagen die Mentoren die Studierenden bei vielerlei Fragen.

Grundsätzlich offene Gespräche über Berufswunsch und Werdegang in vertraulicher Atmosphäre stehen neben

  • allgemeinen Ratschlägen zur beruflichen Orientierung,
  • Unterstützung in der Formulierung kurz- und langfristiger Ziele,
  • Eröffnung von Kontakten in die Berufswelt,
  • kritischem, konstruktivem Feedback aus Sicht des Arbeitgebers/Personalers beispielsweise zum bisherigen Lebenslauf,
  • Tipps bei Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgesprächen.

Ganz im Sinne eines modernen Human-Resources-Denkens werden im Mentoring-Programm Erfahrung und Wissen weitergegeben.

Die Mentoren

Die Mentoren sind zum größten Teil Alumni der Buchwissenschaft und werden sorgfältig ausgewählt, damit sie möglichst genau auf das Anforderungsprofil des Mentees passen. Sie spiegeln das breite Spektrum an potentiellen Arbeitsfeldern für Absolventen der Buchwissenschaft wieder.

So kamen die bisherigen Mentoren zwar überwiegend aus Verlagsunternehmen wie:

  • Deutscher Fachverlag,
  • Egmont Ehapa Medien GmbH,
  • Eichborn Verlag,
  • Gabler Verlag,
  • Govi-Verlag,
  • Hörbuch Hamburg,
  • Kiepenheuer & Witsch,
  • Ueberreuter,
  • Quarto

aber auch aus dem Bereich der Leseförderung (Stiftung Lesen), dem Wissenschaftsbetrieb (Bayerische Staatsbibliothek München, Johannes Gutenberg-Universität Mainz) oder dem Umfeld des Börsenverein (Buchmesse AG).

Voraussetzung, um als Mentor am Programm mitzuwirken, ist einerseits ein gewisses Maß an Berufserfahrung, andererseits der Wille zur Nachwuchsförderung.

„Wir haben viele Themen angeschnitten, die auch mit der Arbeitswelt generell zu tun haben (Gehalt, Job und Familie, Einstiegs- und Aufstiegsmöglichkeiten, Bewerbungen und Gespräche). Die allgemeinen Teile haben sich bei uns auch als gleichwertig mit den Fachthemen erwiesen. Ich glaube, dass solche Fragen vielen Studenten unter den Nägeln brennen… Es war eine tolle Chance sich selbst zu spiegeln Ich habe das wirklich sehr, sehr gerne gemacht und hätte im Studium selbst gerne jemanden gehabt, den ich ansprechen kann! Der Aufwand lohnt in jedem Fall – für beide Seiten!“

Nicole Koch vom Kiepenheuer & Witsch Verlag
(Mentorin 2016)

Die Mentees

Ziel des Studiums ist die Ausbildung von Expertise. Führt der Weg nach dem Studium nicht in den akademischen Betrieb, ist die zusätzliche Kenntnis der Berufspraxis essentiell. Abgesehen vom theoretischen wie praktischen Know-How sind es am Ende des Studiums dann zusätzlich ganz konkrete Fragen beispielsweise nach dem Einstiegsgehalt, den Aufstiegsmöglichkeiten, den Fortbildungsmöglichkeiten oder auch der Arbeitsbelastung, die relevant werden.

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Hier eröffnet die vertrauensvolle, aber eben auch vertrauliche Beziehung zu einem Mentor außerhalb des wissenschaftlichen Betriebs Möglichkeiten, auch heikle und intime Themen anzusprechen. Wie steht es beispielsweise um die Work-Life-Balance? Lässt sich der Beruf mit der anstehenden Familienplanung vereinbaren? Wie sind die Möglichkeiten des Wiedereinstiegs nach Schwangerschaft und Elternzeit?

Der Mentor ist Ansprechpartner und Vertrauensperson nicht nur im Hinblick auf berufliche Erfahrung und Fachkenntnisse; gerade auch wenn es um Fragen der Vereinbarkeit von Karriere und Privatleben geht, entfalten Mentoring-Beziehungen ihr Potential. Besser als Freunde, Verwandte, Lehrende oder Mitstudierende wissen sie um die spezifischen Anforderungen und Konsequenzen der angezielten Berufswahl.

„Für mich war das Mentoring-Programm eine durchweg sehr positive Erfahrung. Mein Mentor war sehr offen, ich konnte alles fragen, was mich interessiert hat. Zudem durfte ich ihn auf einige Veranstaltungen begleiten – Agenten-Gespräche im Agency Center auf der Frankfurter Buchmesse und Vertreterkonferenz. Die Eindrücke, die ich sammeln durfte, haben mich in meinen Absichten bestätigt und motiviert, nach dem Studium in der Branche in Richtung Lektorat und Programmplanung zu starten. Ich kann die Teilnahme am Mentoring-Programm jedem Studierenden der Buchwissenschaft nur wärmstens ans Herz legen, weil sie eine einmalige Möglichkeit ist, einen ganz anderen, intimeren Blick auf die Branche zu bekommen. Zudem ist es eine super Möglichkeit, die ersten Kontakte in die Berufswelt zu knüpfen, die auch nach Beendigung des Mentoring-Programms bestehen bleiben.“

Zora Krügerke – Masterstudierende (Mentee 2016)

Ablauf des Mentoring-Programms

Im April jeden Jahres wird die Ausschreibung für die neue Runde des Mentoring-Programms (drei Mentoring-Tandems) crossmedial publik gemacht (Plakate, Website, News-Letter, Social-Media). Zusätzlich finden im Rahmen ausgesuchter Lehrveranstaltungen Informationsveranstaltungen statt, in denen Organisatoren zusammen mit ehemaligen Mentees über das Programm informieren.

Der Jahreszyklus des Mentoring-Programms der Mainzer Buchwissenschaft.

Der Jahreszyklus des Mentoring-Programms der Mainzer Buchwissenschaft.

Auf die Bewerbungsphase erfolgt das Matching durch ein Komitee, das nach Möglichkeit eine optimale Auswahl aus dem Pool der Mentoren trifft. Zurzeit umfasst dieser Pool etwa 25 potentielle Mentoren.

Nach einer gemeinsamen Kick-Off-Veranstaltung im Frühjahr, zu der alle Mentoring-Tandems zusammenkommen, beginnt die eigentliche Mentoring-Phase. Diese dauert offiziell sechs Monate und findet ihren Abschluss traditionell beim Jahrestreffen des Vereins der Freunde am gemeinsamen Stand der buch- und medienwissenschaftlichen Studiengänge „Studium rund ums Buch“ auf der Frankfurter Buchmesse.

Inspiration – Unterstützung – Austausch: Mentoring schafft Mehrwert

Die positive Resonanz der Teilnehmer des Mentoring-Programms ist ein Ansporn, dieses fortzuführen und nach Möglichkeit auch auszubauen. Das Mentoring soll allerdings ein exklusives Programm bleiben und sich speziell an exzellente Studierende richten. Das Mentoring möchte Anreize schaffen, herausragende Leistungen honorieren und Exzellenz fördern.

Der Erfolg einer solchen Beziehung, die nicht selten weit über die offizielle Phase der Betreuung hinausgeht, hängt maßgeblich mit dem Engagement der Beteiligten zusammen. Erkennen beide Parteien den Mehrwert einer solchen Initiative und sind bestrebt, die Beziehung nachhaltig zu pflegen, ist das Programm ein Gewinn für alle Seiten:

  • Das Master-Studium der Buchwissenschaft gewinnt eine qualitative Aufwertung.
  • Die ausgewählten Studierenden bekommen rat- und tatkräftige Unterstützung von Experten aus der Branche.
  • Die teilnehmenden Mentoren werden in ihrer Arbeit zur Selbstreflexion angeregt und kommen in Kontakt mit zukünftigen Führungskräften. Im Sinne des Recruiting können hier ausgezeichnete, engagierte Studierende bereits vorab für Unternehmen gewonnen werden.
  • Für den Verein ist es eine hervorragende Möglichkeit einerseits seine konstitutiven Werte und Anliegen umzusetzen und gleichzeitig neue Mitglieder anzuwerben.
  • Und nicht zuletzt profitiert die Branche: Sie lebt vom Nachwuchs und durch den Austausch mit diesem. Mentoring sollte daher gerade in einer Branche, deren Kernkompetenz Kommunikation ist, verstärkt gefördert werden.

Die universitären Studiengänge sind ein wichtiger Faktor in der erfolgreichen Ausbildung des Branchennachwuchses. Gerade hier entfalten Mentoring-Programme ein Potenzial. Über solche Angebote Mehrwerte zu schaffen, sollte daher im Interesse aller liegen, denen an der Zukunft der Branche liegt.

Der Verein der Freunde der Mainzer Buchwissenschaft e.V.

Im „Verein der Freunde“ haben sich Menschen zusammengefunden, die sich der Mainzer Buchwissenschaft besonders verbunden fühlen. Die Mitglieder sind Repräsentanten aus der Medienbranche und vielfach Alumni der Mainzer Buchwissenschaft. Der Verein blickt 2018 auf fünf Jahre Erfahrung mit seinem Mentoring-Programm zurück.

Anliegen des Vereins ist seit seiner Gründung die Förderung des Branchennachwuchses. Mit seinen Aktivitäten begleitet und unterstützt er die Bachelor- und Masterstudierenden das ganze Studium hindurch. Das beginnt bereits mit dem Willkommensgeschenk „Ersti-Tüte“ bei der Begrüßung der Erstsemester, setzt sich fort in dem Alumni-Treffen auf der Buchmesse und findet einen Höhepunkt im exklusiven Mentoring-Programm für herausragende Master-Studierende.

Darüber hinaus setzt der Verein sich das Ziel, die Förderung und Vernetzung des Branchennachwuchses voranzutreiben. Der Verein versucht mit seinen Aktivitäten nachhaltig den Netzwerkgedanken aufzugreifen und zu fördern. Stefanie Brich vom Börsenverein-Landesverband Hessen – Rheinland-Pfalz – Saarland löste Anfang 2018 Maria Scholz von der Avoxa-Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH als 1.Vorsitzende ab, die den Verein weiterhin als 2.Vorsitzende unterstützt. Sören Ohle übergab an den neuen Schatzmeister Toni Johannes Helmle, beide von der Buchwissenschaft Mainz.

Toni Johannes Helmle ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und seit 2018 Schatzmeister im Verein der Freunde der Mainzer Buchwissenschaft e.V.

Die gelernte Buchhändlerin Maria Scholz leitet Marketing, Vertrieb und Logistik in der Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH (Avoxa) und ist zusätzlich Lehrbeauftragte der Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie Vorsitzende der Kommission Vertrieb in der Deutschen Fachpresse.

 

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