»Geht netzwerken!«

Mit ihrem Kinderbuch „Das Mucksmäuschen“ gewann Monika Augustin den Deutschen Selfpublishing Preis 2019. Es entstand in enger Zusammenarbeit mit einer Illustratorin aus Indonesien. Im Interview spricht sie über die Entstehung des Buches und ihre Erfahrung mit dem Verlegen in Eigenregie.

Monika Augustin (38) hat Kommunikationswissenschaften studiert und arbeitet als Manager Digitalisierung Marketing. Für ihr Kinderbuch „Das Mucksmäuschen“ gewann sie 2019 den Deutschen Selfpublishing Preis. (Foto: privat)

Wie entstand die Idee zu Ihrem Buch?

Die stammt von meiner Tochter. Sie hat mich 2016 im Alter von zwei Jahren gefragt: „Was sind Mucksmäuschen?“ Ich hatte sie wohl sehr oft gebeten, mucksmäuschenstill zu sein. Die Antwort habe ich dann in Form einer Geschichte aufgeschrieben. Ich wollte sie meiner Tochter schenken, und beschloss, das Buch auf eigene Kosten illustrieren und ein Exemplar drucken zu lassen. Bei der Suche nach einer Möglichkeit dafür entdeckte ich das Angebot von Epubli und dachte: „Wieso nicht?“

Was war die größte Herausforderung bei der Arbeit daran?

Das Anfangen. Ich habe viele Monate darüber nachgedacht und Textpassagen im Kopf formuliert. Aber ich habe nichts aufgeschrieben. Es fehlte der gewisse Druck. Der kam dann durch Gespräche mit einer befreundeten Kollegin und das Älterwerden meiner Tochter – ich kann meiner Tochter ja kein Kinderbuch von der Art des „Mucksmäuschens“ schenken, wenn sie 18 ist. Ich kann jedem nur raten, sich solchen Druck zu schaffen, zum Beispiel indem man jemandem von seinem Projekt erzählt. Das hilft dabei, endlich loszulegen.

Welcher Bereich war arbeitsintensiver: Illustration oder Text?

Gefühlt tatsächlich die Illustration, obwohl ich die gar nicht selbst gemacht habe. Ich habe meine Illustratorin Vin über das Internet in Indonesien gefunden, auf einer Plattform für Grafiker und Gestalter. Man kann Projekte ausschreiben, oder man kontaktiert die Anbieter direkt und bittet um ein Angebot für die Umsetzung. Ich habe mich sofort in Vins Arbeitsbeispiele verliebt und sie angeschrieben, ihr das Projekt geschildert und um einen Kostenvoranschlag gebeten. Der passte und wir legten los. Wir haben uns auf Englisch verständigt und ich habe den kompletten Text ins Englische übersetzt. Sie hat mir Skizzen geschickt, anhand derer wir den Art Style definiert haben. Dann ging es hin und her, Seite um Seite, ihre Illustrationen, meine Änderungswünsche. Es war eine spannende Zeit. Vin ist großartig, als Mensch und als Künstlerin. Ich würde sie gerne einmal persönlich treffen.

Welche Wirkung hatte die Auszeichnung mit dem Selfpublishing-Preis?

Bisher eine kleine, ich hoffe, das zieht noch an. Es liegt ja an mir, den Preis kommunikativ zu nutzen und vermutlich habe ich damit etwas spät begonnen. Der Preis selbst ist auf jeden Fall ein großartiges Argument – wer davon erfährt, ist direkt neugierig auf das Buch.

Außerdem war in dem Preis ja eine Social Media Kampagne mit der Agentur Mainwunder enthalten, die lief im Dezember 2019. Wir haben etwas Vorlauf gebraucht, weil wir eine aufwändige Kampagnenbox gestaltet haben, mit dem Buch selbst, plus Malbuch, Stiften und Keksausstecher. Die Resonanz in den sozialen Medien war und ist unfassbar – so viele positive Rezensionen und Berichte. Ich bin von jedem einzelnen immer wieder überwältigt.

Wie schätzen Sie die Erfolgschancen im Selfpublishing-Segment Kinder- und Jugendbuch ein?

Man steht vor denselben Herausforderungen wie jeder Selfpublisher, zum Beispiel, dass der Buchhandel dem Ganzen mitunter skeptisch gegenübersteht und bei der Vergabe des raren Platzes in den Regalen die Verlagstitel bevorzugt. Gerade beim Kinderbuch ist Sichtbarkeit im stationären Handel meiner Meinung nach aber entscheidend: Wenn ich einem Kind ein Buch schenken will, gehe ich in die Buchhandlung und stöbere in den Regalen. Auch kauft beim Kinderbuch die Zielgruppe nicht selbst, sondern es kaufen Eltern, Großeltern und Paten – die muss man überzeugen. Dann kommt noch hinzu, dass bei Kinderbüchern das E-Book kein großes Thema ist – wer setzt sich mit seinem Kind zum Vorlesen schon vors Tablet? Und: Vierfarbdruck und Sonderformate führen zu höheren Herstellungskosten im Print-on-Demand-Verfahren. Dies wiederrum zieht Endverbraucherpreise nach sich, die nicht immer mit den Verlagstiteln konkurrieren können. Verlage können in großen Auflagen zu niedrigeren Stückpreisen produzieren. Hier hilft es, sich im Vorfeld genau zu informieren und etwa zwischen die Farbseiten ein paar schwarz-weiße zu setzen, um die Herstellkosten zu optimieren.

Was würden Sie Selfpublishern raten, die neu in den Markt einsteigen?

Genau das, was ich auf der Ratgeberseite diverser Selfpublishing-Anbieter gelesen  habe: Geht netzwerken! Sucht euch die kleinen Events in eurer Region und geht da hin – Leseabende in Büchereien und Buchhandlungen zum Beispiel. Sprecht mit denen, die dort sind. Vernetzt euch auf Instagram. Es ist erstaunlich, wen man in der eigenen Region alles sitzen hat, der mit der Branche zu tun hat und von dem man lernen kann.

Ein Beispiel: Ich war im Herbst auf einem Event zum Thema Buchhandel und Selfpublishing. Dort habe ich einige sehr nette Autorenkollegen kennengelernt, die mir die Funktionsweise der Buchbranche aus eigener Erfahrung geschildert haben – und auch im Nachgang auf Instagram noch jede meiner Fragen geduldig beantworteten. Als dann einige Wochen später in einer Buchhandlung in meiner Region ein Leseabend stattgefunden hat, hat mir einer dieser Autoren angeboten, mich der Filialleiterin vorzustellen. Also bin ich hingefahren. Nicht nur, dass jetzt mein Buch in dieser Buchhandlung im Regal steht, ich habe an dem Abend auch eine Buchbloggerin kennengelernt, mit der ich eine Folge für ihren Podcast aufnehmen werde. Mein Rat lautet also: Sucht euch die kleinen Events in eurer Region und geht da hin. Geht mutig drauf los!

Für die Zukunft: lieber Selfpublishing oder Verlag?

Das kommt darauf an. Im Kinderbuchsektor ist Selfpublishing ja herausfordernd. Aber wenn es läuft… wieso nicht? Ich glaube, das Thema Selfpublishing gewinnt mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz beim Buchhandel. Ich habe mir vorgenommen, 2020 alles zu tun, was ich kann, um das Mucksmäuschen bekannt zu machen. Vielleicht wird es dann ein wirtschaftlicher Erfolg als selbstverlegter Titel, vielleicht wird aber auch ein Verlag aufmerksam – ich lasse mich überraschen.

Ihr nächstes Buchprojekt?

Ich würde unheimlich gern weitere Geschichten mit dem Mucksmäuschen schreiben. Die weiteren Bände sollen sich mit konkreten Situationen beschäftigen, die Kinder aus ihrem Alltag kennen und in denen sie den Mut finden müssen, die eigene Stimme zu erheben – zum Beispiel wenn nach einem Umzug neue Freunde gefunden werden wollen, wenn man eine Ungerechtigkeit beobachtet oder wenn man glaubt, als einziger in einer Gruppe nicht zu verstehen, worum es gerade geht. Aber ich habe auch noch andere Ideen im Kopf. Ob ich die verfolgen kann, hängt davon ab, wie es mit dem Thema weitergeht. Bei aller Leidenschaft für Kinderbücher gibt es leider noch diesen leidigen wirtschaftlichen Faktor.

Und nicht zuletzt: Haben Sie einen Buchtipp?:

Ich bin großer Fan von J. K. Rowling und empfehle die Romane über das Ermittlerduo Strike und Ellacott, die sie unter dem Namen Robert Galbraith veröffentlicht hat. Ich kann die Bücher jedem ans Herz legen, der wie ich vertrackte Kriminalfälle liebt.

Text | Interview: Ulrike Peters peters@buchreport.de

Das Interview in Kurzfassung ist zuerst im März 2020 erschienen in der buchaktuell-Messezeitung Selfpublishing to go.

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