Die Kunst des stilvollen Scheiterns

Jasagen ist leicht, Neinsagen scheint es nur zu sein. Zumindest wenn es gilt, Nein auf hohem Niveau zu sagen. Der amerikanische Germanistik-Professor Eric Jarosinski (Foto: Milliped, Wikimedia) hat das niveauvolle Neinsagen zur literarischen Form gemacht. Jarosinski wurde mit seinem Alter Ego @NeinQuarterly zur Kultfigur auf Twitter mit sechsstelliger Follower-Zahl in Deutschland und den USA. Sein erstes Buch „Nein. Ein Manifest“ wurde im Jahr 2015 in den USA und in Europa veröffentlicht. In Deutschland erschien es im S. Fischer Verlag. Auf der Direttissima-Konferenz 2016 und im pubiz-Interview sprach er über die Kunst des richtigen Versuches und des stilvollen Scheiterns.

Scheitern als Chance – warum wird dies in der Wirtschaft und gerade im Verlagswesen so wenig gewürdigt?
Weil es teuer ist. Scheitern ist in der Regel teuer. Und es ist eine Enttäuschung. Jemand ist ein Risiko eingegangen und wurde enttäuscht. Aber wenn man etwas Kreatives machen möchte, darf man sich nicht zu leicht abschrecken lassen. Das ist ausschlaggebend – dass man nicht immer nur auf Nummer sicher geht. Vielleicht hat man ja Glück? Aber glauben muss man an seine Sache und sie ernst nehmen und richtig machen.
Angeblich sind gerade US-Startups souveräne Scheiterer und routinierte Neuanfänger. Ist das eine Legende oder Realität?
Das würde ich gern glauben, bin aber nicht sicher, ob das so ist. Bei den meisten Legenden muss man skeptisch sein. In den Medien schaffen es auch in den USA tatsächlich die wenigsten, insofern gehört Scheitern zum Geschäft. Es kommt vor allem darauf an, den rechten Moment zu finden, wann man die Reißleine zieht oder durchstartet.
Welchen Eindruck haben Sie von der Publishing-Welt in den USA und Deutschland? Sehen Sie Unterschiede?
Mein „Nein“-Buch ist mein erstes Buch, ich schildere hier die Autoren-Sicht. Die Verlagskulturen sind vergleichbar. Der deutsche Verlag war allerdings schneller als die anderen und hat mehr investiert in die Vermarktungskampagne. US-Autoren schauen nach Europa und speziell nach Deutschland als ein Land, in dem an die Autoren geglaubt wird, wo sie unterstützt werden und wo in sie investiert wird. In den USA müssen die Verlage und ersatzweise die Autoren die Lesetourneen sponsern, niemand zahlt dort Eintritt für eine Lesung.
Ist die Verlagswelt für die Zukunft gerüstet? Oder kommt zunächst das große Scheitern und der Neuanfang?
Kann ich nicht sagen. Ich merke aber, dass die Verlage heute mehr experimentieren. Sie denken an die Zukunft, das ist schon mal gut. Was sie konkret zu tun haben, weiß niemand so genau. Aber wenn man Neues versucht, sollte man Altes nicht vergessen. Dem Alten einen neuen Dreh geben. Das Buch als gedrucktes Werk wird in Zeiten des E-Content zum Sammelobjekt. Penguin macht es gerade vor mit einer Klassiker-Edition.

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