Computer und Kaffee

Ich arbeite in einem ziemlich beengten, kleinen Zimmer im Untergeschoss unseres Hauses. Ich träume von etwas Größerem, vielleicht mit Aussicht, obwohl ich weiß, dass die Größe des Raumes mein Schreiben nicht wirklich beeinflusst. Wenn ich schreibe, vergesse ich alles. Das einzige Fenster, das ich benötige, ist der Bildschirm. Alles andere verschwindet.

(Fotos: privat)

Ich habe auch eine kleine Couch in meinem Büro. Der Gedanke dahinter ist, dass ich mich manchmal mit einem Buch zurückziehe, aber das passiert selten. Für gewöhnlich sitze ich an meinem Schreibtisch, hämmere auf die Tastatur und trinke unglaubliche Mengen Kaffee. Wenn ich es mir recht überlege, sind mein Computer und Kaffee die einzigen Dinge, die ich zum Arbeiten brauche. Ich vergesse sogar zu essen. Nicht sehr gesund, ich weiß.

Ich lese jedoch sehr viel. Die Recherche nimmt einen großen Teil meines Schreibprozesses ein. Ich bringe Bücher überallhin und habe immer einen Berg Sachbücher, die für mein Schreiben relevant sind. Gerade bereite ich mich auf das dritte und vierte Buch meines geplanten Klimaquartetts vor und ich lese viel über Spitzbergen und die Eisschmelze. Die Bücher sind immer greifbar und ich habe Regale für Nachschlagewerke in meinem Büro.

Ich trage kein Notizbuch mit mir herum, sondern benutze mein Telefon für Notizen. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass gute Ideen haften bleiben. Wenn ich also eine wirklich gute Idee habe, behalte ich sie in der Regel, bis ich Zeit habe, sie aufzuschreiben.

Ich empfinde Schreiben als eine einsame Tätigkeit, also gehe ich mit meinem Laptop ziemlich oft ins Loft des Literaturhauses Oslo. Dort haben sie offene Schreibplätze und ich treffe Freunde und Autorenkollegen zum Mittagessen. Es ist ein toller Ort. Wenn gutes Wetter ist, versuche ich manchmal im Garten zu arbeiten, insbesondere wenn ich etwas lese oder mit Papier arbeite, zum Beispiel beim Lektorieren.

Ich kann immer und überall arbeiten, auf Flug­häfen, in Zügen oder in Cafés. Wenn ich in einen Text vertieft bin, schwindet die Welt um mich herum. Ich glaube, dass das eine gute Sache ist, da meine Arbeit jetzt auch einiges an Reisen beinhaltet. Mein neuer Roman „Die Geschichte des Wassers“ ist so teilweise außer Haus entstanden. Wie gesagt, ich kann jederzeit und überall arbeiten, aber meistens habe ich geregelte Arbeitszeiten.

Wenn meine drei Kinder nach Hause kommen, lege ich die Arbeit beiseite und es beginnt die hektischste Zeit des Tages mit Abendbrot, Hausaufgaben, Fußballtraining und so weiter. Ich liebe es, dass meine Familie mich zwingt, nicht die ganze Zeit zu arbeiten, denn ich brauche diese Pausen dringend. Und ich genieße es, wenn meine Kinder von der Schule kommen, im Flur vor meinem Büro lachen und schreien und mich in die echte Welt und mein wahres Leben zurückholen.

Aus dem Englischen von Daniela Zielberg

Maja Lunde (Foto: Oda Berby)

Maja Lunde

wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. An der Universität Oslo studierte sie zunächst Literatur und Psychologie im Nebenfach und belegte danach Medien- und Kommunika­tionswissenschaft als Hauptfach. Nach dem Studium arbeitete Lunde im Film- und Kulturbereich, bevor sie sich als Drehbuch- sowie Kinder- und Jugendbuchautorin etablieren konnte. Mit dem Roman „Die Geschichte der Bienen“ (btb) gelang ihr der interna­tionale Durchbruch. In Deutschland war das Buch der SPIEGEL Jahresbestseller 2017. Auch der zweite Band des Klimaquartetts, „Die Geschichte des Wassers“, hat sich gleich weit vorn auf der SPIEGEL-Bestsellerliste platziert und stand zuletzt (Ende April) auf Rang 6. Maja Lundes Jugendbuch „Battle“ ist im Februar im Verlag Urachhaus erschienen.

Bestseller

Titel                                                         bester Platz (Dauer)

Die Geschichte des Wassers (3/2018)         2    (5 Wochen)1)

Die Geschichte der Bienen (3/2017)            1  (57 Wochen)  

*Verweildauer auf der Bestsellerliste; 1) Zum Zeitpunkt der Drucklegung, Quelle: buchreport

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