Bijan Moini über »Der Würfel«

In den aktuellen Frühjahrsprogrammen finden sich zahlreiche Romandebüts deutschsprachiger Autoren. buchreport stellt 13 dieser Nachwuchsschriftstellerinnen und -schriftsteller in Steckbriefen vor. Heute: Bijan Moini, der beim W1-Media-Verlag Atrium im Februar sein Debüt „Der Würfel“ veröffentlicht hat.

Bijan Moini, geboren 1984 bei Karlsruhe, ist Jurist, Politologe und Bürgerrechtler mit deutsch-iranischen Wurzeln. Nach Promotion und Referendariat in Hongkong und Berlin arbeitete er als Rechtsanwalt für eine Wirtschaftskanzlei. Heute koordiniert er die Verfassungsbeschwerden der Gesellschaft für Freiheitsrechte und schreibt und spricht zu gesellschaftspolitischen Themen wie Überwachung und Datenschutz. Texte von ihm erschienen u.a. auf SPIEGEL ONLINE und in der „FAZ“. Moini lebt mit seiner Familie in Berlin. „Der Würfel“ ist sein erster Roman. (Foto: Thomas Friedrich Schäfer)

Mein Roman in drei Sätzen

Eine künstliche Intelligenz, die alles weiß und ein sorgenfreies Leben garantiert. Ein gaukelnder Protagonist, der sich öffentlich vor ihr versteckt. Eine große Liebe und eine Widerstandsbewegung, die ihn vor eine unmögliche Entscheidung stellen.

Mein Weg zu Atrium

Führte über Valentin Tritschler von der Elisabeth Ruge Agentur. Er brannte schnell für mein Manuskript und sorgte dafür, dass der Funke auf Atrium übersprang. Das Team war mir auf Anhieb sympathisch, ein paar Tage später war alles unterschrieben.

Das Verdienst meiner Lektorin

Sperriges zum Fließen zu bringen. Die Theorie hinter dem Würfel an den rechten Stellen zu hinterfragen. Blassen Figuren Leben einzuhauchen und überflüssige ins Jenseits zu befördern. Mit viel Ausdauer jede noch so große Kleinigkeit mit mir auszudiskutieren. Ich könnte noch mehr aufzählen, Frauke Schneider ist großartig!

Mein Eindruck von Literaturbetrieb und Buchbranche

Mehr Betrieb und Branche als gedacht. Wie ich mir das Filmgeschäft vorgestellt habe, nur ohne Bilder. Aus einer anderen aufregenden Zeit auf der Suche nach ihrem Platz in der Zukunft.

Meine Lieblingsbuchhandlung

Das Ocelot bei mir um die Ecke: gemütliche Menschen, leckerer Kaffee, appetitliche Schaufenster, köstliche Veranstaltungen und Bücherwände wie in einem Schlaraffenland für Leseratten. Außerdem eine Hintertür zur Stadtbibliothek – wenig sagt mehr!

Mein Lieblingsautor

Ich weiß nicht, ob „Lieblingsautor“ der richtige Begriff ist, aber wirklich begeistert hat mich George Orwell. Nicht, weil er mit „1984“ eine gute Geschichte geschrieben hätte, sondern mit seiner Weitsicht und unwahrscheinlichen Reichweite durch Raum und Zeit. Kein Autor hat totalitärem Denken mehr entgegengesetzt.

So lese ich

Immer auf der Suche, meist spätabends oder frühmorgens, mal dieses, mal jenes, selten eins nach dem andern und nie genug.

Schreiben ist für mich

Zu meiner eigenen Überraschung erstaunlich sinnstiftend, erhebend, befriedigend. Und es macht süchtig, meine Güte, ich tue alles für ein bisschen Zeit für mehr!

Wenn ich nicht gerade schreibe

Lerne ich vatern. Lese. Und versuche bei der Gesellschaft für Freiheitsrechte zu verhindern, dass Deutschland zum Opfer seiner Ängste wird. Bleibt dann noch Zeit, schaue ich Serien. Viele, sehr viele Serien.

Warum haben Sie dieses Debüt ins Programm genommen?

Bei Atrium, dem Verlag von Erich Kästner, suchen wir immer auch nach Autorinnen und Autoren, die das Zeitgeschehen umtreibt, die (gern auch provokante) Fragen aufwerfen oder die den Leserinnen und Lesern einen Spiegel vorhalten. Genau das schafft Bijan Moini in „Der Würfel“ auf verblüffende Art und Weise. Indem er die bestechend realistische Zukunftsvision einer durchdigitalisierten Welt entwirft, greift er ebenso aktuelle wie existenzielle Fragen auf, z.B.: Sind wir für ein sorgenfreies Leben bereit, unsere Freiheit an eine höhere Macht abzugeben? Als Jurist und Bürgerrechtler ist Bijan Moini genau der richtige Autor für ein Buch dieser Dimension – und noch dazu ist er ein echtes Erzähltalent!

Frauke Schneider, Leitende Lektorin

Debütanten im Frühjahr 2019

– im buchreport.magazin 3/2019

 

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