Buchmarkt spürt Frühjahrs-Impulse und eine Deutsche Welle

Die Umsätze im stationären Buchhandel lagen in den ersten beiden Monaten 2016 um 1,2% unter Vorjahr. Der buchreport-Umsatztrend basiert auf Daten des Marktforschungsunternehmens Media Control. Die Entwicklung zeigt allerdings nach oben. Bereinigt um die jeweils abweichende Zahl der Verkaufstage hat es im Januar ein Umsatzminus (–2%) gegeben, im Februar ein kleines Plus (+1%), und der März ist in der ersten Woche mit einem Plus von fast 4% gestartet.

„Deutsche Welle“ im Roman-Angebot dieses Frühjahrs

Vor allem die Belletristik holt auf, nachdem der Roman-Verkauf bis Ende Februar noch knapp 4% unter Vorjahr lag. Dafür sorgen vor allem die britischen Expertinnen für Frauenliteratur mit frischer Ware: Jojo Moyes mit „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ (Rowohlt-Paperback) und Lucinda Riley mit „Helenas Geheimnis“ (Goldmann-Taschenbuch).

Direkt danach folgen in der aktuellen Hitliste der meistverkauften Belletristik so stark wie selten eine ganze Reihe deutschsprachiger Autoren, nicht nur aus dem Unterhaltungsfach:

  • „Der Überläufer“ (Hoffmann und Campe), ein früher Roman aus dem Nachlass von Siegfried Lenz, ist die Nr. 1 auf der aktuellen SPIEGEL-Bestsellerliste (Hardcover).
  • „Alles kein Zufall“ (Hanser), Kurzgeschichten von Elke Heidenreich, steht auf Rang 2.
  • „Vom Ende der Einsamkeit“ (Diogenes) des „literarischen Wunderkinds“ (NZZ) Benedict Wells hat sich auf Platz 3 geschoben.

Mit Dora Heldt, den Regionalkrimi-Spezialisten Klaus-Peter Wolf (Ostfriesland) und Rita Falk (Niederbayern) sowie dem österreichischen Literaten Robert Seethaler sind weitere deutschsprachige Autoren im Taschenbuch/Paperback vorn dabei.

Besondere Impulse verspricht sich die Buchbranche aktuell von den Lesungen und Literaturinszenierungen beim Kölner Festival Lit.Cologne (bis 19.3.) und der Leipziger Buchmesse (17. bis 20.3.) mit dem großen Veranstaltungsbegleitprogramm „Leipzig liest“. Für Nachfrage wird zudem das Osterfest sorgen, bei dem vor allem Kinder (auch) Buchgeschenke erhalten. Aktuelle Favoriten sind – angeregt durch den Film – „Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs“ als Hörbuch und Buch sowie weiterhin der Hit des vergangenen Weihnachtsgeschäfts „Gregs Tagebuch 10“.

Die Frühjahrs-Leistungsschau in Leipzig präsentiert vor allem Publikumstitel, setzt aber auch einen Akzent im Bildungsbereich. Etabliert hat sich die Leipziger Messe auch als Comic- und Manga-Treffpunkt. Diese Teilbranche hat ein durchwachsenes Jahr hinter sich: Das Comic-Geschäft wurde 2015 nur durch den jüngsten „Asterix“-Band auf Vorjahresniveau gehalten, während sich die japanische Comic-Variante Manga eindeutig wachsender Beliebtheit erfreut.

Buchbranche steht unter Druck

Während dem Publikum in Leipzig zahlreiche Buchneuheiten präsentiert werden, diskutiert die Branche hinter den Kulissen Grundsatzthemen und kritische Branchenentwicklungen:

  • Buchpreise: Eine Mehrheit der Buchhändler möchte höhere Preise für Bücher durchsetzen. Das geht jedoch nicht in Eigenregie, denn: Wegen der Buchpreisbindung (ein Buch kostet bei allen Händlern dasselbe) legen die Verlage die Preise fest. In den vergangenen Jahren hatte es allerdings kaum Preisanhebungen gegeben, die Preisschwellen 10 Euro beim Taschenbuch und 20 Euro beim Hardcover-Roman werden selten überschritten, während die Händler über steigende Kosten (Mieten, Personal, Energie) klagen. In einer buchreport-Umfrage plädierten Händler deshalb für Preisanhebungen in der Größenordnung von 1 bis 2 Euro.
  • Buchhandel: In den vergangenen drei Jahren wurden wegen des Kostendrucks und der Umsatz-rückgänge durch vermehrte Bestellungen im Online-Handel bereits zahlreiche Buchhandlungen geschloss en oder haben ihre Fläche reduziert. Dieser Rückbau-Trend scheint aber gestoppt. Zudem melden Buchhandlungen wachsende Umsätze mit ihren eigenen Online-Shops und setzen auf eine Kundenansprache über mehrere Kanäle (Multichannel). Die stationären Buchläden haben weiterhin eine große Bedeutung, um überhaupt auf einzelne Buchtitel unter den in hoher fünfstelliger Zahl auf den Markt gebrachten Neuerscheinungen aufmerksam zu werden.
  • E-Books: Die Nachfrage nach Buchtiteln für Lesegeräte legt nicht mehr dynamisch zu, auch international ist von einer Stagnation die Rede. Hier gibt es allerdings sehr unterschiedliche Zahlen. Größere Bedeutung haben E-Books vor allem bei Unterhaltungsliteratur mit dort zweistelligen Marktanteilen. Unklar ist, welche Rolle die „Onleihe“-Angebote von Bibliotheken spielen und inwieweit niedrigpreisige Angebote von selbst verlegenden Autoren (Selfpublisher) den Markt verändern.
  • Steuerprobleme: Die verschiedenen Mehrwertsteuersätze bereiten der Branche Probleme: Während für gedruckte Bücher der ermäßigte Steuersatz von 7% gilt, werden E-Books mit 19% besteuert. Sehr kompliziert wird es bei den zunehmend beliebten „Bundles“, bei denen ein gedrucktes Buch mit einem Online-Zugang oder einer E-Book-Download-Option kombiniert wird. Kurz vor der Leipziger Buchmesse rücken auch die derzeit sehr beliebten, der Entspannung dienenden Ausmalbücher ins Steuer-Fadenkreuz: Diese neuen Trendprodukte sind nicht eindeutig klassifiziert. Sollten sie mit 19% belegt werden, drohen Nachforderungen.
  • Urheberrecht: Derzeit steht in Berlin eine Reform des Urhebervertragsrechts auf der Agenda, das u.a. vorsieht, dass Autoren das Nutzungsrecht ihrer Werke von den Verlagen zurückrufen können. Im ersten Entwurf sollte dies bereits nach 5 Jahren der Fall sein, jetzt sind 10 Jahre im Gespräch. Die Befristung, argumentieren die Verlage, macht es für sie riskanter in Autoren zu investieren.

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