Die Augsburger Achterbahn

In den kommenden Tagen bilanziert buchreport das ablaufende Jahr. Dieses beginnt mit einem Paukenschlag: Anfang Januar stellt der Medienversender Weltbild Insolvenzantrag – und verwandelt sich über Nacht vom ehrgeizigen Amazon-Herausforderer zum Sanierungsfall. Entgegen anfänglicher Befürchtungen entkommt zwar der mit Weltbild in der DBH verbandelte Filialist Hugendubel weitgehend unbeschadet dem Strudel der Pleite. Für viele Weltbild-Mitarbeiter in Augsburg und den Weltbildplus-Filialen wird das Jahr aber zur emotionalen Achterbahnfahrt.
Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gibt die Parole aus, eine Zerschlagung solle unbedingt verhindert werden. Die Investorensuche für das defizitäre Dickschiff gestaltet sich erwartungsgemäß schwierig: Im Geschäftsjahr 2012/13 stand geschätzten 830 Mio Euro Jahresumsatz ein operativer Verlust von rund 100 Mio Euro gegenüber, und der Insolvenzverwalter setzt schon im Frühjahr tiefe Schnitte. Bis zum Sommer streicht er 650 Stellen in der Augsburger Zentrale und 290 Stellen in den Weltbildplus-Filialen. 53 von 220 Filialen schließen im Frühjahr.
Den verbleibenden Mitarbeitern präsentiert Geiwitz dafür eine Perspektive: Nach dem Scheitern von Verhandlungen mit der Beteiligungsfirma Paragon Partners übernimmt im Juli das Düsseldorfer Familienunternehmen Droege Group das Ruder in Augsburg. Weitere Massenentlassungen soll es nicht mehr geben, stattdessen mit dem Konzept „Weltbild 2.0“ der Beratungsfirma Roland Berger einen Fahrplan in die Zukunft.
Doch die Ernüchterung kommt mit schlechten Zahlen aus dem Sommerquartal: Der im Oktober angetretene Marketinggeschäftsführer Gerd Robertz nimmt im November wieder seinen Hut, die verbleibenden Geschäftsführer Patrick Hofmann und Sikko Böhm fordern den Betriebsrat zu weiteren Verhandlungen über Entlassungen auf. Die Gewerkschaft Verdi argwöhnt, Droege wolle Weltbild „kleinsparen und filetieren“. Ein knappes Jahr nach der Insolvenz geht bei Weltbild weiter die Angst um.

Mehr zum Thema im buchreport-Dossier zu Weltbild.

Kommentare

1 Kommentar zu "Die Augsburger Achterbahn"

  1. Das Unternehmen Weltbild in Augsburg steht also nach einem turbulenten Jahr weiter unsicher da.
    Man kann jetzt nur einmal hoffen, dass die Droege Gruppe aus Düsseldorf, einmal genau sagt, was sie mit Weltbild plant.
    Man kann nicht weiterhin so die Mitarbeiter/innen in einer Ungewissheit lassen.
    Das Jahr 2015 muss daher von den Verantwortlichen besser angegangen werden. Und dies in einer positiven Weise, die auch informativer gegenüber allen Beteiligten ist.
    In der bisherigen Art und Weise kann es bei Weltbild nicht nach vorne gehen. Die Planungen und Ziele müssen offen gelegt und auch nachvollziehbar sein.
    Und es muss eine bessere Transparenz und eine Kontrolle in den Entscheidungsprozessen vorhanden sein.
    Weltbild soll nicht ganz an die Wand gefahren werden.
    Es müssen auch eine positivere Signale von Weltbild aus Augsburg kommen.
    Vorrangig geht es um den Erhalt des Unternemens Weltbild und die Zukunft der Mitarbeiter/innen.
    Und da sollten einmal Lösungen gefunden werden, die auch einen Bestand haben.
    Mit der Stange im Nebel herumfahren, hat da jetzt keinen Sinn.
    Die Zukunft von Weltbild steht sonst auf dem Spiel und so etwas sollte nicht sein.
    Droege kann nicht nur entlassen, sondern Weltbild muss irgenbdwie in einer anderen Form neu aufgestellt werden.
    Und dazu braucht es neue Strategien, Innovationen und ein besseres Marketing nach außen.
    Also sind dafür neue Anstrengungen gefordert, die von Weltbild dann auch mitgetragen werden sollten.
    Und dazu braucht es Besonnenheit und Mut, der aber nicht in einem totalen Kahlschlag enden muss.

    H. Kraft

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