Konrad Lischka: Preis- und Angebotschaos auf dem E-Book-Markt

Konrad Lischka: Preis- und Angebotschaos auf dem E-Book-Markt
Ich habe mir angeschaut, wie viele der Titel von den zehn ersten Plätzen der SPIEGEL-Bestsellerlisten (Hardcover / Taschenbuch / Belletristik / Sachbuch) wo als E-Book verfügbar sind und was sie kosten. Das Ergebnis hat mich negativ überrascht. Amazon drückt ja nicht erst seit gestern seinen Walled Garden für E-Books in Deutschland durch. Und so ganz neu ist die Erkenntnis nicht, dass niemand die Fehler der Musikindustrie aus den Napster-Jahren wiederholen will. Dennoch sieht das E-Book-Angebot in Deutschland derzeit so aus:
Von 20 Titeln auf den Hardcover-Bestsellerlisten Belletristik/Sachbuch gibt es gerade mal 11 als E-Book beim Digitalbuchladen Libreka des deutschen Börsenvereins.
Bei Amazon hingegen sind 18 der 20 Titel (bei einem ist es die englische Übersetzung). Das verblüfft mich: Verlage beklagen regelmäßig, dass Amazon sie massiv unter Druck setze und überhaupt ein gefährlicher Monopolisierer der Vertriebswege sei usw. usw.. Und dann ist das Angebot bei Amazon besser als auf der Plattform des Börsenvereins.
Bei E-Books der Titel von den Taschenbuch-Bestsellerlisten sieht es ähnlich aus. Ich dachte ursprünglich, die Lücken bei Hardcover-Titel seien vielleicht einer Auswertungsfenster-Strategie geschuldet (erst HC, dann E-Book). Das ist wohl nicht so: Bei Libreka gibt es gerade mal zu 12 der 20 Taschenbuch-Bestseller E-Books, bei Amazon zu 18 von 20.
Die Preisgestaltung ist zum Teil absurd: Bei zwei Titeln ist das E-Book fast 20 Prozent teurer als die günstigste gedruckte Ausgabe (Henning Mankell: Der Feind im Schatten / Anna Gavalda: Ein geschenkter Tag).
Die E-Books zu Titel auf den HC-Listen kosten im Durchschnitt 13,72 Euro und sind 16,49 % günstiger als die gedruckten Ausgaben. Die Bandbreite ist aber sehr hoch – die Abschläge für die E-Books-Ausgabe reichen von 10 bis zu 23 Prozent.
Dennoch erscheint der E-Book-Preis hoch, vergleicht man die Abschläge bei Taschenbuchausgaben: Die kosten im Schnitt 45% weniger als die HC-Ausgabe, Durchschnittspreis sind 9,67 Euro je Taschenbuch. Gut, das ist die zweite Auswertungsstufe, die Mehrwertsteuer ist für E-Books in Deutschland absurderweise höher usw. – trotzdem: Kein Warenrisiko, niedrigere Transportkosten usw..
E-Book-Ausgaben der Titel auf den TB-Bestsellerlisten kosten im Schnitt 8,95 Euro, das sind durchschnittlich 7,25 % Abschlag auf den TB-Preis (9,67 Euro).
Ich habe keine Zahlen, nur mein Bauchgefühl, aber 8,95 / 9,95 Euro erscheint mir als erfolgversprechender Preis für E-Books, von Anfang der Auswertung an. Ich kaufe viel über den Kindle, bei Preisen über zehn Euro überlege ich mir das immer, darunter kaufe ich einfach. Das scheint nicht ganz untypisch zu sein. Unter den den 20 Top-Titeln auf Amazons deutscher Kindle-Bestsellerliste gibt er derzeit nur zwei Titel, die mehr als 9 Euro kosten – einer davon ist eine Sammelausgabe mit drei Romanen.

Ich habe mir angeschaut, wie viele der Titel von den zehn ersten Plätzen der SPIEGEL-Bestsellerlisten wo als E-Book verfügbar sind und was sie kosten. Das Ergebnis hat mich negativ überrascht. Amazon drückt ja nicht erst seit gestern seinen Walled Garden für E-Books in Deutschland durch. Und so ganz neu ist die Erkenntnis nicht, dass niemand die Fehler der Musikindustrie aus den Napster-Jahren wiederholen will.

Dennoch sieht das E-Book-Angebot in Deutschland derzeit so aus:

  • Von 20 Titeln auf den Hardcover-Bestsellerlisten Belletristik/Sachbuch gibt es gerade mal 11 als E-Book beim Digitalbuchladen Libreka des Börsenvereins.
  • Bei Amazon hingegen sind 18 der 20 Titel (bei einem ist es die englische Übersetzung). Das verblüfft mich: Verlage beklagen regelmäßig, dass Amazon sie massiv unter Druck setze und überhaupt ein gefährlicher Monopolisierer der Vertriebswege sei usw. usw.. Und dann ist das Angebot bei Amazon besser als auf der Plattform des Börsenvereins.
  • Bei E-Books der Titel von den Taschenbuch-Bestsellerlisten sieht es ähnlich aus. Ich dachte ursprünglich, die Lücken bei Hardcover-Titel seien vielleicht einer Auswertungsfenster-Strategie geschuldet (erst HC, dann E-Book). Das ist wohl nicht so: Bei Libreka gibt es gerade mal zu 12 der 20 Taschenbuch-Bestseller E-Books, bei Amazon zu 18 von 20.
  • Die Preisgestaltung ist zum Teil absurd: Bei zwei Titeln ist das E-Book fast 20 Prozent teurer als die günstigste gedruckte Ausgabe (Henning Mankell: Der Feind im Schatten / Anna Gavalda: Ein geschenkter Tag).
  • Die E-Books zu Titel auf den HC-Listen kosten im Durchschnitt 13,72 Euro und sind 16,49 % günstiger als die gedruckten Ausgaben. Die Bandbreite ist aber sehr hoch – die Abschläge für die E-Books-Ausgabe reichen von 10 bis zu 23 Prozent.
  • Dennoch erscheint der E-Book-Preis hoch, vergleicht man die Abschläge bei Taschenbuchausgaben: Die kosten im Schnitt 45% weniger als die HC-Ausgabe, Durchschnittspreis sind 9,67 Euro je Taschenbuch. Gut, das ist die zweite Auswertungsstufe, die Mehrwertsteuer ist für E-Books in Deutschland absurderweise höher usw. – trotzdem: Kein Warenrisiko, niedrigere Transportkosten usw..
  • E-Book-Ausgaben der Titel auf den TB-Bestsellerlisten kosten im Schnitt 8,95 Euro, das sind durchschnittlich 7,25 % Abschlag auf den TB-Preis (9,67 Euro).

Ich habe keine Zahlen, nur mein Bauchgefühl, aber 8,95 / 9,95 Euro erscheint mir als erfolgversprechender Preis für E-Books, von Anfang der Auswertung an. Ich kaufe viel über den Kindle, bei Preisen über zehn Euro überlege ich mir das immer, darunter kaufe ich einfach. Das scheint nicht ganz untypisch zu sein. Unter den den 20 Top-Titeln auf Amazons deutscher Kindle-Bestsellerliste gibt er derzeit nur zwei Titel, die mehr als 9 Euro kosten – einer davon ist eine Sammelausgabe mit drei Romanen.

Der Artikel erschien im Original zunächst auf klischka.de/joomla/blog. Dort ist auch ein tabellarischer Vergleich der E-Book-Preise und ihrer Verfügbarbarkeit zu finden.

Konrad Lischka ist Journalist, arbeitet als stellvertretender Ressortleiter bei SPIEGEL ONLINE, war Chefredakteur des Literaturmagazins bücher und Textchef bei der VVA-Verlagsgruppe.

Kommentare

2 Kommentare zu "Konrad Lischka: Preis- und Angebotschaos auf dem E-Book-Markt"

  1. Nicht zu vergessen: Es gibt ein gigantisches illegales Angebot, kostenlos, weit umfangreicher als das legale, ohne DRM. Und das Schöne für die Piraten: Fast kein Verlag, auch der SPIEGEL nicht, tut irgendwas dagegen.

  2. Georg Mühlberg | 24. März 2012 um 13:36 | Antworten

    Auf Amazons gibts wohl mehr Kunden, und wo die Kunden sind, ist der Anbieter.

    Der Kindle ist einfach gut und günstig, das DRM System einfach, nicht so umständlich wie bei epub.
    Die Verlage und Shops sollen mutig DRM verbannen und so ausnahmensweise mal Amazon nicht nachlaufen, sondern selber den ersten Schritt machen. Bei mp3 ist DRM auch Geschichte und die Umsätze steigen, der Markt stabilisiert und wächst sogar teilweise wieder.

    Mit der Mehrwertssteuersenkung könnten die Preise auch gesenkt werden.
    Nur höre ich dauernd die Lobby über Buchpreisbindung debattieren, die Forderung nach vernünftiger eBook Steuer fällt dagegen kaum ins Gewicht.

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