Druck im Ostergeschäft

Die Beschäftigten des Buchgroßhändlers Libri sind am19. April 2011 um 10 Uhr –  beginnend in der Frühschicht – in Bad Hersfeld in einen Warnstreik getreten.

Für den 5. Mai 2011 sei eine weitere Tarifverhandlung anberaumt, bislang habe der Arbeitgeber aber noch nicht erklärt, ob er mit der Gewerkschaft Verdi über einen Anerkennungstarifvertrag verhandeln will, heißt es zur Begründung des Streiks auf der Internetseite des Verdi-Hugendubel-Blogs.

„Die Belegschaft fühlt sich hingehalten! Wir wollen mit dem Streik den Verhandlungsdruck erhöhen“, so der Verdi-Landesfachbereichsleiter und Verhandlungsführer Bernhard Schiederig.  Für 14.30 Uhr sei eine Streikkundgebung vor dem Tor in der Europaallee geplant.

Bereits am 8. Dezember 2010 hatten die Mitarbeiter gestreikt, weil der Buchgroßhändler eine geplante Betriebsversammlung verboten hatte. Die Verhandlungen über den Abschluss eines Anerkennungstarifvertrages wurden am 22. Dezember 2010 begonnen, seit dieser Zeit ruhen die Verhandlungen, heißt es von Verdi.

Die Arbeitnehmervertreter kritisieren die niedrigen Löhne, die seit dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband in 2005 nicht mehr erhöht worden seien. Die Arbeitgebervertretung hingegen betont, dass auf lange Sicht Arbeitsplätze verlorengehen könnten , wenn die Wettbewerbssituation zum Logistikbereich nicht entsprechend berücksichtigt werde.

„Wir halten Lohnerhöhungen für notwendig und richtig“, lässt sich Michael Dettmann, kaufmännischer Leiter von Libri, in einer entsprechenden Pressemitteilung zitieren. „Dies haben wir auch in den vergangenen Jahren durch freiwillige Einmalzahlungen sowie durch eine freiwillige, monatliche Zulage zum Gehalt ab Januar 2011 dokumentiert.“ Man wolle sich weiterhin mit der Tarifkommission für eine für beide Seiten zukunftsorientierte Lösung einsetzen, und dabei „weder die Belegschaft hinhalten, noch, wie teilweise verlautbart, Sonderzahlungen streichen“.

Libri selbst versteht sich als Logistiker, während die Gewerkschaften das Unternehmen den Groß- und Einzelhändlern zuordnet, wo bessere Gehälter gezahlt werden als in der Logistikbranche. Die Arbeit bei Libri sei keine typische Großhandelstätigkeit, deshalb strebe man – anders als die Gewerkschaftern – den Logistiktarifvertrag an, begründete Dettmann die Position der Arbeitgeber gegenüber der Hersfelder Zeitung. „Der Logistiktarif passt aber noch weniger zu Libri als der des Groß- und Außenhandels“, kritisierte hingegen Verdi-Vertreterin Mechthild Middeke. Die Belegschaft umfasst rund 500 Mitarbeiter.

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