Heuschrecken, Gründer oder Manager?

HMV-Chef Simon Fox (li.) und Waterstone’s-Geschäftsführer Dominic Myers (re.) suchen nach einem Käufer für die britische Buchkette (buchreport.de berichtete). Der Deal soll mindestens 75 Mio. Pfund in die leeren Kassen der HMV Group spülen und so schnell wie möglich über die Bühne gehen. Bei den Gesprächen mit potenziellen Interessenten konzentrieren sich die Spekulationen auf drei Szenarien:

  • Denkmodell 1: Tim Waterstone, der die Buchkette 1982 gegründet hatte, tut sich mit dem milliardenschweren russischen Investor Alexander Mamut zusammen. Waterstone hatte 1993 an WH Smith verkauft, war 1998 nach der Übernahme durch HMV noch einmal als Chairman an Bord gekommen, hatte sich aber 2001 endgültig zurückgezogen. Seither hat der heute 71-Jährige viermal versucht, den Buchhändler zurückzukaufen, zuletzt 2006. In London zirkuliert, dass Mamut kürzlich Credit Suisse als Berater hinzugezogen hat.
  • Denkmodell 2: Dominic Myers übernimmt Waterstone’s im Rahmen eines Management-Buy-outs (MBO). Eingeweihte Kreise wollen wissen, dass der Waterstone’s-Geschäftsführer sich dafür mit Michael Neil zusammentut. Den erfahrenen Buchhändler, mit dem Myers schon zusammengearbeitet hatte, als er noch Managing Director des akademischen Buchhandelsfilialisten Blackwell war, hatte er kürzlich als kaufmännischen Leiter beim Barsortiment Bertrams abgeworben. Wenn Myers will, wäre vermutlich auch die erste Wahl von Simon Fox, der seine rechte Hand Anfang 2010 auf den Chefsessel des Buchfilialisten befördert hatte.
  • Denkmodell 3: Eine Private-Equity-Firma steigt bei Waterstone’s ein und beauftragt James Heneage mit der Führung des Unternehmens. Heneage hatte die Buchkette Ottakar’s aufgebaut, die 2006 von HMV/Waterstone’s übernommen worden war, und er wird konkret mit dem Investor Hilco in Verbindung gebracht.

Zahlen für das Geschäftsjahr 2010/11 (28. Februar) gibt HMV erst am 30. April bekannt, doch gehen Analysten für die Musikläden von einem zweistelligen Umsatzrückgang aus. Für Waterstone’s wird ein Ergebnis knapp unter dem Vorjahresniveau von umgerechnet 650 Mio Euro erwartet, nachdem der Branchenprimus im Weihnachtsgeschäft mit einem Umsatzrückgang von 0,4% deutlich besser als erwartet abgeschnitten hatte.

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