Extrem zufrieden mit dem deutschen Club

Im Anschluss an die Bertelsmann-Bilanzpressekonferenz kreisten die Diskussionen im Foyer der Hauptstadtrepräsentanz Unter den Linden 1 am Dienstag primär um die Frage, wo der wiedererstarkte Medienkonzern unter der Devise „Stärken, entwickeln, expandieren“ künftig investiert.

Weitestgehend aus dem Fokus geriet die Frage, was aus der radikal filetierten Direct Group wird. Im Interview äußert sich Fernando Carro, Chef der Sparte, zur Zukunft des deutschen Clubs, zu den Zielen des Zeilenreich-Versuchs und zur Frage, ob die Direct Group selbstständig bleibt.

Die Direct Group ist seit 2001 um zwei Drittel des damaligen Umsatzes geschrumpft. Sobald Sie den Vertrag mit Najafi zum Verkauf der Direct Group France unterzeichnet haben, liegt der Umsatz unter 500 Mio. Euro. Wann ist Schluss mit dem Ausverkauf?
Die noch laufenden, exklusiven Gespräche mit Najafi in Frankreich sind die einzigen Verkaufsgespräche, die noch anstehen.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie zum Abschluss kommen?
Ein Unternehmen in Frankreich zu verkaufen, ist nicht leicht. Es gibt einen so genannten Konsultationsprozess, in dem die Betriebsräte ihre Meinung äußern können; auch wenn sie nicht einverstanden sind, kann der Verkauf abgeschlossen werden. Nur davor darf man nichts unterschreiben. Ich gehe davon aus, dass wir zu einem Abschluss kommen.

Sie sind mit viel unternehmerischem Enthusiasmus gestartet. Wann mussten Sie erkennen, das in diesem Fall Filetieren und Liquidieren gefragt ist?

Filetieren und Liquidieren sind nicht die richtigen Worte dafür. Als ich die Direct Group übernommen habe, war mir klar, dass wir uns von Geschäften trennen werden, wenn wir bessere Eigentümer finden – 2008 gab es ja sogar eine Prüfung, ob die Direct Group als Ganzes verkauft wird. Ich bin weiterhin enthusiastisch für die einzelnen Firmen.

Sie haben ein Bekenntnis zum deutschen Club abgegeben – wie stark ist der Rückhalt in der Konzernführung?
Ich kann Ihnen versichern, dass der Club nicht verkauft wird.

Was hindert Bertelsmann daran, den deutschen Club zu verkaufen, jenseits der Nostalgie?
Bertelsmann verdient mit der Direct Group nicht nur über das Club-Geschäft Geld: Beispielsweise partizipieren Random House oder Arvato vom Club-Geschäft. Daher darf man sich nicht nur die Zahlen des deutschen Clubs anschauen. Auch vor diesem Hintergrund kann man sagen, dass Bertelsmann, Nostalgie beiseite, mit dem Club Geld verdient.

Sie haben es 2010 geschafft, den deutschen Club wieder profitabel zu machen…
Damit bin ich extrem zufrieden. Die Geschäftsleitung der DirectGroup Germany hat eine klare Strategie: wir optimieren das Kerngeschäft Club und investieren nicht Geld in bessere Lagen der Filialen oder teure Mitgliederwerbung. Vor dem Hintergrund, dass der Umsatzrückgang insofern geplant ist, wir das Ergebnis aber gesteigert haben, kann man sehr zufrieden sein.

Der Club hat alle Voraussetzungen für Multichannel: Läden, Katalog, Internet. Warum funktioniert das bei Ihnen nicht so gut wie bei Weltbild?
Wie kommen Sie darauf? Wir setzen auf Kundenbindung mit unserer Kundenkarte  – wir haben ein anderes Geschäftsmodell als die Kollegen. Ich bin sicher, dass es auf dem deutschen Markt Raum für beide Modelle gibt. Der Club-Kern wird zweifelsohne kleiner. Deshalb werden wir mit Zeilenreich und anderen neuen Konzepten auf dem offenen Buchmarkt dabei sein.

Die Mitgliederzahlen des deutschen Clubs sinken seit 2004 in Deutschland. Ist ein Ende des Exodus in Sicht?
Wir rechnen noch für einige Jahre mit Rückgängen. Wir werben weniger – gewollt. Wir schließen unprofitable Filialen – gewollt. Das wird sich aber stabilisieren.

Wie lange halten Sie am Mitgliedermodell fest?
Solange wir Mitglieder in einer großen Zahl haben. Mit Zeilenreich erhalten wir ja andere neue Mitglieder-Art, nämlich Stammkunden. Wir testen also auch neue Ansätze.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Zeilenreich (Infos zum Konzept)?
Mit Zeilenreich wollen wir unseren Umsatz stabilisieren und neue Kunden gewinnen, die keine quartalsbezogene Mitgliedschaft wollen.

Ein klassischer Buchhandelsansatz, von dem Sie sich gerade in Frankreich verabschiedet haben…
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Mit Zeilenreich öffnen wir zusätzlich zum Club-System einen Handels-Kanal mit dem Ansatz „Ein Buch, zwei Preise“. Das heißt, Kunden, die sparen wollen, können wir mithilfe unserer Stammkundenkarte und dem Kundenbindungssystem günstigere Preise anbieten. Alle anderen Kunden zahlen den gebundenen Buchhandelspreis. Das unterscheidet Zeilenreich auch vom „Boulevard“-Konzept der Vergangenheit.

Lässt sich das Club-Vertrauen auf neue Angebote wie Finanzdienstleistungen und Reisen übertragen, wie es der ADAC vormacht?
Ja. Wenn wir einen Vorteil für den Kunden schaffen und wenn wir damit Geld verdienen können, dann machen wir dieses Geschäft.

Wie sieht Ihre Wachstumsperspektive mit Zeilenreich aus?
Bei Partnern, die eine Zeilenreich-Fläche im Laden einrichten möchten und können, werden wir das machen. Außerdem prüfen wir, ob wir Filialen umwidmen.

Die Direct Group ist jetzt mit Abstand die kleinste der fünf Säulen des Bertelsmann-Konzerns. Wie lange steht sie noch auf eigenen Beinen?
Erst müssen wir mit dem Thema Frankreich durch sein. Dann beschäftigen wir uns mit dem nächsten Thema.

Welches neue Konzern-Domizil kommt in Frage? Random House? Arvato?
Das sind Spekulationen. Die Entscheidungen hierzu werden dann gefällt, wenn sie anstehen. Wir müssen nicht zwingend unter ein anderes Dach schlüpfen, schauen Sie sich BMG Rights Management an, die sind auch eigenständig.

Die Fragen stellte Daniel Lenz

Kommentare

1 Kommentar zu "Extrem zufrieden mit dem deutschen Club"

  1. Robert Stöppel | 31. März 2011 um 16:06 | Antworten

    Schön, das Herr Carro extrem zufrieden ist ! Wir sind mit unserer Club Partner-Filiale extrem unzufrieden. Von der Zentrale verursachter Mitgliederschwund und fehlende Konzepte lassen eine Partnerfiliale mittlerweile nicht mehr kostendeckend betreiben !

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