Ohne Not geschlachtet

Die Insolvenz des Aufbau-Verlags bleibt ein Top-Thema der Feuilletons. Die „Süddeutsche Zeitung“ druckt einen Offenen Brief des (ehemaligen) kaufmännischen und verlegerischen Geschäftsführers René Strien an Bernd Lunkewitz ab. Darin erinnert Strien seinen ehemaligen Chef an dessen ehemalige Lebensüberzeugung: „Jene Überzeugung, aus der heraus Sie mir einst erklärten, Sie hätten nicht der Reichste auf dem Friedhof werden wollen, sondern etwas bewirken, das über Sie hinausweist.“ Der Verlag sei, „anders als Ihr unseliger juristischer Berater denkt“, nicht nur eine Ansammlung von Rechten, mit denen man dealen und zocken könne.

Im „Spiegel“ klagt Strien, dass Lunkewitz es nicht einmal für nötig befunden habe, den Mitarbeitern seine Entscheidung persönlich mitzuteilen. Er selbst sei enttäuscht und „extrem überrascht“ vom Alleingang des Verlegers. Aufbau werde „ohne Not geschlachtet“. Übrigens habe Lunkewitz am Freitag auch die Verlagsräume fristlos gekündigt, die er seinem eigenen Unternehmen zur Miete überlassen hatte. „Er will diesen Verlag liquidieren“, so Strien, „aber das wird ihm nicht gelingen“.

Die Berliner „taz“ zieht anlässlich der Aufbau-Pleite eine vernichtende Bilanz der ehemaligen DDR-Verlage. Reclam Leipzig habe zwar als Imprint des Stuttgarter Stammhauses überlebt; Volk und Welt, der zweitgrößte belletristische Verlag der DDR, habe zwar mit Thomas BrussigsHelden wie wir“ noch einen Etappensieg verbuchen können, 2001 aber die Segel gestrichen. Beim Mitteldeutsche Verlag mit Sitz in Halle seien hochkarätige Autoren wie Günter de Bruyn oder Volker Braun abgewandert.

Die „Welt“ meint, die Situation bei Aufbau sei juristisch so verzwickt, „dass selbst gewiefte Rechtsgelehrte noch länger an der Nuss zu knacken haben werden“. Es bleibe die Hoffnung, „dass der juristisch trickreiche Lunkewitz das Insolventverfahren nur als neuen Schachzug im windungsreichen Rechtsfall braucht – und den Verlag nicht wirklich sterben lassen will. Stirbt Aufbau aber dennoch, trifft die Schuld nicht Lunkewitz, sondern die Treuhand.“

In der „FAZ“ vom Samstag fordert der Aufbau-Autor Thomas Lehr, der aus dem Radio von der Insolvenz seines Verlages erfahren habe, die Autoren-Kollegen dazu auf, Druck auszuüben: „Wir müssen Transparenz im Umgang mit unseren Lizenzen fordern.“ Jetzt hänge wohl alles davon ab, ob Lunkewitz sich „weiterhin als vernünftiger Verleger“ verhalten werde.

„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 13), taz.de, welt.de, faz.net, „Spiegel“ (S. 104)

BÜCHER & AUTOREN

Carolin Emcke: Porträt der Autorin, die mit „Stumme Gewalt“ ein Buch geschrieben hat, das zum Gespräch zwischen der RAF, deren Opfern und den Ermittlern aufruft.
faz.net

Sebastian Faulks: hat eine Fortsetzung der James-Bond-Spionagestory verfasst.
„Spiegel“ (S. 170)

Günter Grass: hat in Russland zum Arbeitstreffen der Literaten geladen.
welt.de

Günter Grass, Siegfried Lenz: sprechen in Lübeck über ihre Jahre mit Willy Brandt.
fr-online.de

Sabine Kuegler: Die Autorin des Bestsellers „Dschungelkind“ warnt vor kulturellen Missverständnissen bei der Annäherung an solche Völker wie dem jetzt im Amazonaswald aufgespürten.
welt.de

Martin Walser: hat in Frankfurt erst müde, später „deutlich heller“ aus seinem Goethe-Roman gelesen.
fr-online.de

ONLINE

Flatrate für alle: Die US-Regierung will kostenlose Drahtlos-Internetzugänge im ganzen Land einführen– aber es  drohen Werbung und Zensur.
taz.de

Web 2: RTL-Portal „Wer-kennt-wen“ wächst stürmisch.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 21)

MEDIEN & MÄRKTE

Bibliotheken: „Kataloge sind nicht sexy, auch nicht im Netz“ (Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek in Leipzig, anlässlich des morgen beginnenden Deutsche Bibliothekartags).
„Süddeutsche Zeitung“ (S. 14)

Fernsehen: Jüngere Zuschauer wenden sich ab, die starren Sendezeiten stören.
„Handelsblatt“ (S. 20)

Print: Die deutsche Ausgabe der internationalen Zeitung für Kultur „Lettre“ wird 20 Jahre alt.
taz.de

Print: Das Verhalten von Alice Schwarzer gegenüber ihrer Kurzzeit-Nachfolgerin bei der Emma, Lisa Ortgies, stößt auf heftige Kritik anderer Feministinnen.
tagesspiegel.de

Kunst:  Die Preise auf dem Kunstmarkt sind so teuer wie noch nie.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. K1)

Werbung:  Forscher versuchen, die Gefühle von Verbrauchern zu entschlüsseln – und die Marktforschung zu revolutionieren.
spiegel.de

Werbung: Im Trend – Handy-Werbung, die Anrufende statt des Freizeichens hören.
spiegel.de

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