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Donnerstag, 25. Oktober 2012 (10:40 Uhr)


Autoren ziehen Bilanz zum E-Book-Paket bei „Humble Bundle“

Erfolgsfaktoren für E-Book-Bundles

Geben die Leser viel Geld für E-Books aus, wenn sie den Preis selbst bestimmen können? Offenbar ja, zeigt der Erfolg des E-Book-Pakets bei „Humble Bundle“. Über 1,2 Mio Dollar haben Autoren dort mit ihrem Science-Fiction und Fantasy-Paket umgesetzt. Lässt sich der Erfolg auch auf andere Titel übertragen?

Wie berichtet, haben verschiedene Science-Fiction- und Fantasy-Autoren über die US-Plattform „Humble Bundle“ ein E-Book-Paket aus 13 englischsprachigen Werken angeboten. Das Besondere: Die Nutzer konnten selbst bestimmen, wie viel sie für das Paket bezahlen wollen. Die Aktion war auf zwei Wochen befristet.

Nach zwei Wochen ist die Aktion jetzt abgeschlossen. Die Bilanz:

  • Insgesamt wurden 84.000 E-Book-Pakete verkauft.
  • Rund 1,2 Mio Dollar wurden eingenommen, davon gehen 120.000 Dollar an die gemeinnützige Organisation „Child’s Play“.
  • Im Durchschnitt haben die Nutzer 14,28 Dollar für das Bundle ausgegeben.

Den Erfolg des Projekts führt der Autor John Scalzi, dessen E-Book „Old Man’s War“ Teil des Pakets war, im Blog der Plattform auf folgende Faktoren zurück:

  • Die Marke: Für das E-Book-Projekt konnten die Autoren auf eine große Community zurückgreifen. „Humble Bundle“ hat bereits zahlreiche Bundles verkauft, vor allem Games, aber auch Musiktitel sind dort zum Wunschpreis erhältlich. So habe sich die Plattform einen guten Ruf für hochwertige Bundles sichern können, werde als glaubwürdig und vertrauenswürdig angesehen.
  • Ein attraktiver Mix: Das Paket sei genau auf die Zielgruppe der Gamer zugeschnitten, die sich insbesondere für Genres Science-Fiction und Fantasy interessierten. Auch der Autoren-Mix habe sich bewährt und habe sowohl begeisterte Genre-Fans als auch Neulinge angesprochen. Auch die Titel hätten sich ideal ergänzt: Sowohl neue wie ältere Titel, Bestseller und Raritäten, Romane und Reihen, Klassiker und neue Trendthemen waren enthalten. Zudem konnten einige Autoren auf eine große Online-Community zurückgreifen, um das Paket zu bewerben.
  • Verzicht auf Kopierschutz: Das E-Book-Bundle wurde ohne Kopierschutz (DRM) angeboten. Scalzi: „Für eine signifikante Gruppe von Personen ist der Kopierschutz ein Deal-Killer und umgekehrt der nicht vorhandene Kopierschutz selbst ein Verkaufsargument.“
  • Ein gemeinnütziger Aufhänger: Die Nutzer konnten auch bestimmen, wie die Einnahmen aufgeteilt werden soll: Über einen Schieberegler ließ sich der Betrag zwischen den Autoren, den Betreibern der Plattform und gemeinnützigen Organisationen verteilen. Für Scalzi ein wichtiger Aspekt: „Die Menschen scheinen eher gewillt zu sein sich für ein Online-Angebot zu engagieren, wenn es einen gemeinnützigen Aufhänger gibt.“
  • Einzigartigkeit: Zudem sei „Humble Bundle“ das erste öffentlichkeitswirksame E-Book-Bundle-Angebot bekannter Autoren gewesen. Allein diese Tatsache habe viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
  • Wunschpreis: Die Tatsache, dass man sie das E-Book-Paket auch für einen Penny erwerben konnte, habe viele Nutzer aufhorchen lassen. Auch nach oben wurden keine Grenzen gesetzt, bis zu 1.200 Dollar haben sich andere das Paket kosten lassen.
  • Zeitliche Begrenzung: Da die Aktion auf zwei Wochen begrenzt war, mussten die Nutzer zudem schnell zuschlagen.

Die Chancen ständen gut, den Erfolg zu wiederholen, sofern man die Erfolgsfaktoren berücksichtigt oder neue Faktoren hinzunehme, resümiert Scalzi. Allerdings müssten fremde Unternehmen erst einmal eine entsprechende Community und Markenbekanntheit aufbauen. Verlage sollten in Betracht ziehen, sich vom harten Kopierschutz zu verabschieden – auch wenn nicht auszuschließen sei, dass man auch mit anderen Modellen Erfolg haben könnte, hier sei Experimentierfreude gefragt. 

Aus Sicht von Katja Splichal von PaperC ist der Erfolg von „Humble Bundle“ für Verlage eine schlechte Neuigkeit: „Es sind die Vorboten einer neuen Generation von Autoren, die die Spielregeln selbst schreiben wollen, die sich nicht vorschreiben lassen wollen, wo ihre Bücher mit welchen Konditionen, Preisen und Schutzmaßnahmen verkauft werden, die den Gewinn lieber mit Hilfsorganisationen und NGOs teilen als mit Verlagen – und die auch bereit sind, den riesigen Berg an Arbeit zu übernehmen, den die Abkehr vom institutionalisierten Publishing mit sich bringt“, schreibt sie im PaperC-Blog.

Doch eins zu eins übernehmen können Urheber das Geschäftsmodell in Deutschland nicht. Ein ähnliches Experiment vom Berlin Story Verlag war nicht mit dem Buchpreisbindungsgesetz vereinbar, erklärten die Preisbindungstreuhänder. Der Verlag bzw. Vertreiber ist verpflichtet, einen festen Preis festzusetzen (hier mehr). Nehmen die Autoren stattdessen den Umweg über den Verleih – bieten sie beispielsweise eine themenspezifische E-Book-Bibliothek – könnte die Idee jedoch auch hierzulande im Einklang mit der Buchpreisbindung umgesetzt werden. 



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