Zahlendreher müssen ins Gefängnis

Vor zehn Jahren meldete der Buch- und Papierhändlers Libro Insolvenz an. Erst jetzt sind die Urteile über die damaligen Manager gesprochen worden. Ex-Libro-Chef Andre Rettberg muss für über vier Jahre ins Gefängnis, auch der damalige Chefaufseher muss sitzen.

Wie der Wiener „Standard“ berichtet, wurden Kurt Stiassny, der Ex-Libro-Aufsichtsratschef, und Ex-Wirtschaftsprüfer Bernhard Huppmann zu je drei Jahren Haft verurteilt. Lediglich der fünfte Angeklagte, Ex-Aufsichtsratsvize Christian Nowotny, sei freigesprochen worden. Allen vier Verurteilten wird Untreue und Bilanzfälschung angelastet, vom Anklagepunkt des schweren Betrugs wurden sie freigesprochen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Da der heute 53-jährige Rettberg schon 2006 rechtskräftig verurteilt wurde, wegen  Verschleierung seines privaten Vermögens vor den Gläubigern, er die Strafe aber bis heute nicht antrat, ergibt sich insgesamt für ihn vier Jahre und zwei Monate Haft.

In der Urteilsbegründung, berichtet der „Standard“, sei der um fast zehn Mio Euro zu hoch ausgewiesene Gewinn angeführt. Die vier Verurteilten hätten per Bilanzfälschung eine Sonderdividende von umgerechnet 31 Mio Euro ausgeschüttet, dies habe ihren Pflichten widersprochen. Der Wirtschaftsprüfer habe den überhöhten Gewinn abgesegnet.

Rückblick:

  • 1997: Eine Investoren-Gruppe übernimmt die Buch- und Papierhandelskette, unter den Käufern ist Rettberg. Die Firma in Zahlen: 1400 Beschäftigte, 220 Filialen, Umsatz: 254 Millionen Euro –  Libro gehört zu den sechs größten Buchhändlern im deutschen Sprachraum.
  • Juni 1998: Kauf der Buchhandelskette Amadeus.
  • 1999: Deutschland-Expansion, Kauf von elf Boulevard-Filialen von Bertelsmann.
  • November 1999: Börsengang. Im Vorfeld genehmigen sich Rettberg & Co. laut Anklage eine „Sonderdividende“ von 31 Millionen Euro. Weiterer Vorwurf: Die Investoren seien mit geschönten Bilanzzahlen zum Kauf der Libro-Aktien verlockt worden. Laut Staatsanwaltschaft war das Unternehmen 1999 schon überschuldet.
  • Juni 2001: Insolvenz angemeldet.
  • April 2002: Konkurs. Die Amadeus-Filialen werden von Thalia übernommen.
  • November 2002: Ein Konsortium rund um den Industriellen Josef Taus kauft die Marke der Handelskette für fünf Mio. Euro.

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