Wie der Nobelpreis 2019 die Nachfrage pushte

Im vergangenen Jahr wurden nach der Aussetzung der Vergabe 2018 gleich zwei Literatur-Nobelpreisträger gekürt. Die Bücher von Olga Tokarczuk und Peter Handke haben durch die Auszeichnung einen enormen Nachfrageschub erfahren – von jeweils recht niedrigem Ausgangsniveau.

Olga Tokarczuk (Foto: Łukasz Giza)

Das gilt vor allem für die polnische Schriftstellerin Tokarczuk (58), die bis dahin im deutschsprachigen Raum wenig Aufmerksamkeit gefunden hatte. Einen neuen Anlauf unternommen hatte kurz zuvor der Kampa Verlag mit Neuauflagen und dem aktuellen monumentalem Roman „Die Jakobsbücher“. Der Nobelpreis und der Auftritt der Autorin auf der Frankfurter Buchmesse 2019 (Foto) pushte die Nachfrage nach den Tokarczuk-Büchern in den 12 Monaten nach der Bekanntgabe von einer niedrigen vierstelligen Verkaufszahl über alle Titel auf über 150.000 und mehr als 4 Mio Euro Handelsumsatz (Daten: Media Control).

5 Tokarczuk-Titel (alle Kampa) erreichten 5-stellige Verkaufsauflagen (Ladenpreise für Deutschland):

1Die Jakobsbücher42,00 €
2Unrast24,00 €
3Gesang der Fledermäuse24,00 €
4Taghaus, Nachthaus24,00 €
5Ur und andere Zeiten24,00 €

Von der regen Nachfrage profitierte weit überwiegend mit über 90% der stationäre Buchhandel.

Handke-Titel zogen deutlich an 

Bei Peter Handke (77) hat der Nobelpreis ebenfalls einen Nachfrageschub ausgelöst. Die Auszeichnung war wegen Handkes politischen pro-serbischen Stellungnahmen in den Jugoslawienkriegen sehr kritisch diskutiert worden.

Nach lediglich kleinen 5-stelligen Verkaufzahlen über alle Handke-Titel in den 12 Monaten vor der Bekanntgabe des Preises stieg der Absatz dann in den vergangenen 12 Monaten nach Bekanntgabe der Auszeichnung laut Media Control auf ca. 130.000 Exemplare. Der Umsatz legte dabei um fast das 6-fache zu.

Jeweils 5-stellig nachgefragt wurden die 4 Suhrkamp-Taschenbücher (Ladenpreise für Deutschland):

1Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere15,00 €
2Das zweite Schwert20,00 €
3Wunschloses Unglück8,00 €
4Die Angst des Tormanns beim Elfmeter7,00 €

Eingekauft wurde weit überwiegend im stationären Buchhandel (87%). Seit März 2020 ist die Nachfrage nach Handke-Titeln wieder deutlich abgeflacht, liegt aber weiterhin noch über den Vergleichswochen des Vorjahres.

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