Die Literaturnobelpreise gehen an Olga Tokarczuk und Peter Handke

In diesem Jahr hat die Schwedische Akademie gleich zwei Literaturnobelpreise vergeben: Die Auszeichnung für 2018 erhält Olga Tokarczuk, der diesjährige Preisträger ist Peter Handke.

Handke, der erste deutschsprachige Preisträger seit Herta Müller (die 2009 den Nobelpreis erhielt), werde ausgezeichnet „für ein einflussreiches Werk, das mit linguistischem Einfallsreichtum die Randbereiche und die Besonderheit der menschlichen Erfahrung erforscht“ habe, würdigte der neue Ständige Sekretär Mats Malm, der die Preisträger unmittelbar nacheinander verkündet hatte.

Die Romane des österreichischen Autors erscheinen in Deutschland bei Suhrkamp, zuletzt „Die Obstdiebin“ (2017). 

Werke von Peter Handke (Auswahl):

  • Die Hornissen. Roman. Suhrkamp, 1966
  • Publikumsbeschimpfung und andere Sprechstücke. Suhrkamp, 1966
  • Die Angst des Tormanns beim Elfmeter: Erzählung. Suhrkamp, 1970
  • Wunschloses Unglück. Residenz, 1972
  • Der kurze Brief zum langen Abschied. Suhrkamp, 1972
  • Langsame Heimkehr: Erzählung. Suhrkamp, 1979
  • Versuch über die Jukebox: Erzählung. Suhrkamp, 1990
  • Mein Jahr in der Niemandsbucht: Ein Märchen aus den neuen Zeiten. Suhrkamp, 1994
  • Kali: eine Vorwintergeschichte. Suhrkamp, 2007
  • Die morawische Nacht: Erzählung. Suhrkamp, 2008
  • Immer noch Sturm. Suhrkamp, 2010
  • Ein Jahr aus der Nacht gesprochen. Jung und Jung, 2010
  • Die Geschichte des Dragoljub Milanović. Suhrkamp 2011
  • Die schönen Tage von Aranjuez: Ein Sommerdialog. Suhrkamp, 2012
  • Versuch über den Stillen Ort. Suhrkamp, 2012
  • Versuch über den Pilznarren: Eine Geschichte für sich. Suhrkamp, 2013
  • Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstrasse: Ein Schauspiel in vier Jahreseiten. Suhrkamp, 2015
  • Notizbuch: 31. August 1978 – 18. Oktober 1978. Insel, 2015
  • Tage und Werke: Begleitschreiben. Suhrkamp, 2015
  • Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere. Suhrkamp, 2017
  • Handke Bibliothek I: Bde 1-9 Prosa, Gedichte, Theaterstücke. Suhrkamp, 2018
  • Handke Bibliothek II: Bde 10-11 Aufsätze. Suhrkamp, 2018
  • Handke Bibliothek III: Bde 12-14 Journale. Suhrkamp, 2018
  • Zeichnungen. Schirmer Mosel, 2019

Tokarczuk werde für ihre erzählerische Imagination ausgezeichnet, die „mit enzyklopädischer Leidenschaft das Überschreiten von Grenzen als eine Lebensform“ darstelle, begründete Malm. Die Werke der polnischen Schriftstellerin erscheinen bei Schöffling & Co. und im Kampa Verlag, der aktuell den Roman „Die Jakobsbücher“ihr Opus magnum, veröffentlicht hat. Im Frühjahr 2019 erschien bereits als Neuausgabe der Roman „Unrast“, für den Tokarczuk 2018 mit dem Man International Booker Prize ausgezeichnet wurde. Weitere Neuausgaben sollen bei Kampa folgen.

Werke von Olga Tokarczuk:

  • Ur und andere Zeiten. Roman. Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Berlin-Verlag, 2000 (Neuausgabe bei Kampa geplant)
  • Der Schrank. Erzählungen. Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Deutsche Verlags-Anstalt, 2000
  • Taghaus, Nachthaus. Roman. Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Deutsche Verlags-Anstalt, 2001 (Neuausgabe bei Kampa geplant)
  • Letzte Geschichten. Roman. Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Deutsche Verlags-Anstalt, 2006 (Neuausgabe bei Kampa geplant)
  • Spiel auf vielen Trommeln. Erzählungen. Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Matthes und Seitz, 2006
  • AnnaIn in den Katakomben: der Mythos der Mondgöttin Inanna. Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Berlin Verlag, 2007
  • Unrast. Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Schöffling, 2009; Neuausgabe: Kampa Verlag 2019 
  • Der Gesang der Fledermäuse. Roman. Aus dem Polnischen von Doreen Daume. Schöffling, 2011 (Neuausgabe bei Kampa geplant)
  • Die Jakobsbücher. Aus dem Polnischen von Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein. Kampa, 2019

Tokarczuk liest diese und nächste Woche in Deutschland:

  • 10.10. Literaturtage Bielefeld, Stadtbibliothek
  • 11.10. Villa Sauer, Siegen
  • 13.10. Lit.Ruhr, Alte Synagoge Essen
  • 14.10. Literaturhandlung Müller & Böhm im Literaturhaus Düsseldorf
  • 15.10. Literaturhaus Stuttgart

Sowohl Tokarczuk als auch Handke hatten die Wettmacher auf dem Zettel: Auf der Seite von nicerodds.co.uk werden die Wettlisten von vier Buchmachern ausgewertet, darunter Englands ältester Buchmacher Ladbrokes. Beide standen hoch auf der Liste, wobei Tokarczuk etwas höher gewettet wurde als Handke. 

Der Literaturnobelpreis war im vergangenen Jahr nach dem Skandal um Jean-Claude Arnault, Leiter des Stockholmer Kulturzentrums und Ehemann von Akademie-Mitglied Katarina Frostenson, ausgesetzt worden. Die 2018er-Auszeichnung sollte in diesem Jahr nachträglich zusammen mit dem Preis für 2019 verliehen werden. Damit das weiterhin unter der Regie der Schwedischen Akademie geschehen durfte, hatte die Nobel-Stiftung Änderungen eingefordert, worauf fünf neue externe Juroren bestimmt wurden.

Zuletzt ging der Literaturnobelpreis im Jahr 2017 an den britischen Schriftsteller Kazuo Ishiguro, 2016 setzt sich der Pop-Barde Bob Dylan durch, der nicht zur offiziellen Preisverleihung kam und die Auszeichnung erst mit drei Monaten Verspätung abholte. 

Beide Preise sind diesmal mit jeweils 9 Mio schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Alle Informationen zum Preis und den Preisträger der Vorjahre finden Sie unter nobelprize.org.

Kommentare

Kommentar hinterlassen zu "Die Literaturnobelpreise gehen an Olga Tokarczuk und Peter Handke"

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mit dem Abschicken des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten elektronisch gespeichert werden. Diese Einverständniserklärung können Sie jederzeit gegenüber der Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien-GmbH & Co. KG widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutz-Richtlinien

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*