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Tobias Friedrich über »Der Flussregenpfeifer«

Tobias Friedrich, 1969 in Göttingen geboren, schreibt seit den 90er-Jahren Musik für seine Bands „Viktoriapark“ und „Husten“ (u.a. mit Gisbert zu Knyphausen) sowie für andere Künstler. Er war Herausgeber eines Berliner Musikmagazins, arbeitet als Autor von Sachbüchern und ist Co-Veranstalter der Berliner Musik-und-Lese-Show „Ein Hit ist ein Hit“. „Der Flussregenpfeifer“ (C. Bertelsmann) ist sein literarisches Debüt. (Foto: Peter Rigaud)

In den aktuellen Frühjahrsprogrammen der Verlage finden sich zahlreiche Romandebüts deutschsprachiger Autorinnen und Autoren. buchreport stellt 12 dieser Newcomer in Steckbriefen vor. Heute: Tobias Friedrich.

Mein Roman in drei Sätzen

Ich erzähle die in weiten Teilen wahre Geschichte des arbeits- und mittellosen Hamburgers Oskar Speck, der im Mai 1933 von Ulm aus in seinem Faltboot aufbricht, um über Donau und Mittelmeer nach Zypern zu gelangen und dort in einer Mine zu arbeiten. Doch seine Reise läuft sprichwörtlich aus dem Ruder; er muss sich und seinen besten Freund vor dem Ruin retten, fährt immer weiter, entzieht sich den Nazis und trifft auf Gili, eine eigenwillige Frau, die sich ebenso den Widrigkeiten der Zeit entgegenstellen muss. Im „Flussregenpfeifer“ geht es aber auch immer wieder um Freundschaft, Sehnsüchte, starke Frauen, den Zufall als Wegweiser des Lebens und eine alles andere überstrahlende Freiheitsliebe.

Mein Weg zu C. Bertelsmann

Zu C. Bertelsmann kam ich ganz klassisch über eine Agentur, in meinem Fall die von Elisabeth Ruge. Und zu Elisabeth kam ich über Eric Wrede, einen Bestatter, was auch immer das bedeuten mag. Nach den Jahren meiner Schreibisolation war ich angenehm überwältigt, wie begeistert man mich sowohl bei der Agentur als auch beim Verlag aufgenommen hat.

Das Verdienst meiner Lektorin

Wie viele Seiten habe ich für die Antwort? Angelika Schedel ist alles, was ich mir für den „Flussregenpfeifer“ nur erträumen konnte: allwissend, erfahren, präzise, professionell, freundlich, begeisterungsfähig, einfühlsam und vieles mehr. Ein Partner in Crime der besten Sorte.

Mein Eindruck von Literaturbetrieb und Buchbranche

Ich habe die Branche bislang nur sehr peripher kennengelernt, aber die ersten Eindrücke sind gut. Meine Vita lässt nur einen Vergleich von Buchverlag und Plattenfirma zu, den die Literatur allerdings recht spielend für sich entscheiden kann.

Meine Lieblingsbuchhandlung

Ich kenne leider zu wenige außerhalb von Berlin, dort aber: Shakespeare & Sons (Friedrichshain), Ocelot (Mitte), Kommedia (Kreuzberg) und Odradek (Schöneberg).

Meine Lieblingsautoren

Greifen wir mal blind hinein: Truman Capote, Carson McCullers, Harper Lee, David Benioff, Cormac McCarthy, Ian McEwan, David Mitchell, Alice Munro, Daniel Kehlmann, Alex Capus … und Dutzende mehr.

So lese ich

Aus irgendeinem Grund gehe ich bei jedem Buch davon aus, dass es das beste sein wird, das ich je lesen werde.

Schreiben ist für mich

Perfekt: alleinsein, rumspinnen und keine Grenzen kennen.

Wenn ich nicht gerade schreibe

Schreibe ich Lieder oder versuche mir Zeit zum Schreiben freizuschaufeln. Und wenn das nicht geht, reise ich.

Warum haben Sie dieses Debüt ins Programm genommen?

„Der Flussregenpfeifer“ ist ein großer Wurf, ein einmaliges Buch, das geschickt Fakten und Fiktion, Literatur und Unterhaltung zusammenbringt. Von Anfang an begeisterte mich neben den sympathischen, starken Hauptfiguren die souveräne Dramaturgie, mit der Tobias Friedrich diese mitreißende Geschichte eines Außenseiters erzählt: Oskar Speck paddelt hinaus in die Welt, und während es in der Heimat Deutschland zur NS-Zeit immer dunkler wird, wird Specks Leben immer bunter, sein Blick immer weiter. Wie wunderbar, dass Tobias Friedrich diesen Stoff für uns gerettet und auf seine sehr eigene, literarisch humorvolle Weise aufbereitet hat.

Angelika Schedel, Lektorin für deutschsprachige Literatur

Debütanten und Debütantinnen – im buchreport.magazin 1/2022

 

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