Rowohlt bringt Woody Allens Autobiographie

Woody Allens Autobiographie „Ganz nebenbei“ wird wie geplant bei Rowohlt erscheinen. Das Buch hatte für eine erregte Debatte nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland gesorgt. In einem offenen Brief hatten Rowohlt-Autoren gegen eine Veröffentlichung protestiert.

In einer Verlagsmitteilung begründet Rowohlt-Verleger Florian Illies die Entscheidung: „Wir stehen zu der Entscheidung, die Autobiographie von Woody Allen, dessen Erzählungen seit 1980 im Rowohlt Taschenbuch erscheinen, im April in einer deutschen Übersetzung zu veröffentlichen. Die Ankündigung der deutschen Ausgabe von ‚Apropos of Nothing‘ hat in den letzten Tagen eine komplexe Diskussion ausgelöst. Wir nehmen die Sorgen von Teilen der Öffentlichkeit wie von Autorinnen und Autoren, die im Zuge der geplanten Veröffentlichung geäußert wurden, ernst. Dies betrifft insbesondere den Vorwurf, dass unsere Entscheidung als unangemessen und missverständlich gegenüber Missbrauchsopfern gewertet werden kann. Damit berührt die nun geführte Debatte grundsätzliche Fragen des Verlegens von Büchern im Spannungsfeld von Ethik und Meinungsfreiheit im digitalen Zeitalter.“

Nachdem der US-amerikanische Verlag Grand Central der Verlagsgruppe Hachette von der Veröffentlichung des Buches Abstand genommen hatte, sei die Rechtesituation der deutschen Ausgabe zunächst unklar gewesen. Rowohlt werde der Öffentlichkeit die Autobiographie Woody Allens am 7. April zugänglich machen, damit sich „interessierte Leserinnen und Leser ihr eigenes Urteil bilden können“.

Außerdem will der Verlag die entstandene Debatte weiterführen, in „naher Zukunft“ sei eine Auftaktveranstaltung in Berlin zu diesem Thema geplant. Weitere Informationen dazu sollen folgen.

Zum Protest der Rowohlt-Autoren heißt es: In einem direkten Gespräch mit einigen Autorinnen und Autoren des Offenen Briefs habe man die kontroversen Positionen ausgetauscht. Dabei sei deutlich geworden, dass der Brief nicht als Angriff auf die Meinungsfreiheit zu verstehen sei: „Wir sehen den Offenen Brief als Zeichen der Verbundenheit der Autorinnen und Autoren mit dem Verlag.“

Kommentare

1 Kommentar zu "Rowohlt bringt Woody Allens Autobiographie"

  1. Die Vorwürfe um die es geht, sind nicht nur Jahre her, bis heute steht Aussage gegen Aussage. Oder anders formuliert: Unschuldsvermutung gegen Vorverurteilung.

    Aber selbst wenn die Anschuldigungen korrekt wären, wieso wäre das ein Grund den Mann auszugrenzen und seine Biographie nicht mehr zu veröffentlichen? Wer hat das Stigmata wieder eingeführt, dass aufgrund von Vorwürfen oder Verurteilungen jegliche Geschäftsbeziehungen beendet werden müssen?

    Gut, dass wir hier in Deutschland das Rechtssystem in der Gesellschaft offenbar noch wichtiger nehmen als die Amerikaner es tun.

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