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Neuer Filmimpuls für Bücher zum 20. Juli

Hollywood-Beau Tom Cruise („Top Gun“, „Mission
Impossible“) spielt in „Operation Walküre“, der
im englischsprachigen Original „Valkyrie“ heißt, 
den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von
Stauffenberg.

Der sieht ja aus wie sein Opa“, meinten viele am Filmset von  „Operation Walküre“ über Philipp von Schulthess. Der 35-jährige ist Enkel des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg. In dem neuen Hollywood-Film über das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 spielt er Fabian von Schlabrendorff, Ordonnanzoffizier von Stauffenbergs Mitverschwörer Henning von Tresckow. In der Rolle Stauffenbergs hingegen ist Filmstar Tom Cruise zu sehen.

Mit einem Budget von 80 Mio Dollar hat „X-Men“-Regisseur Bryan Singer „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ teilweise an Originalschauplätzen in Berlin  und Brandenburg inszeniert. Die Medienberichte zum Film dürften für Impulse sorgen, und der Buchhandel verfügt über eine recht große Titelauswahl für einen Büchertisch, einige Bücher wurden gezielt zum Filmstart (22. Januar) terminiert (s. unsere Tabelle im Anschluss an den Artikel).

Nebenfiguren treten ins Licht

Die Mutter von Schauspieler Philipp von Schulthess, Konstanze, hat es in der „Spiegel“-Bestsellerliste mit ihrem im April bei Pendo veröffentlichten Buch über ihre eigene, 2006 verstorbene Mutter Nina von Stauffenberg schon bis auf Rang 7 geschafft. Die wegen der Nähe der Autorin zu ihrem Objekt nicht unumstrittene Biografie will insbesondere auf der Grundlage von Selbstzeugnissen ein verbreitetes Bild der Stauffenberg-Witwe und der Frauen der Verschwörer generell korrigieren: Sie sollen sehr wohl von den Verschwörungsplänen gewusst haben.

Sei’s drum: Mit dem Pendo-Buch rückt eine Nebenfigur des Geschehens in den Fokus. Und es liegt im Trend, den Blick auf bisher wenig oder gar nicht beachtete Gestalten des 20. Juli zu lenken:

  • Stauffenberg-Kenner Peter Hoffmann z.B. hat sich mit Joachim Kuhn beschäftigt. In „Stauffenbergs Freund. Die tragische Geschichte des Widerstandskämpfers Joachim Kuhn“ (C.H. Beck) zeichnet Hoffmann wissenschaftlich detailliert das Schicksal des Mannes nach, der Sprengstoff für das Attentat mitbeschafft hat und später gebrochen aus elfeinhalbjähriger Gefangenschaf in der Sowjetunion heimgekehrt ist.
  • „Der andere Stauffenberg“ (C.H. Beck), das letzte Werk des im vergangenen März verstorbenen Althistorikers Karl Christ, befasst sich mit seinem Fachkollegen Alexander von Stauffenberg, der in die Attentatspläne seines Bruders Claus eingeweiht war und nach dem 20. Juli in Sippenhaft kam. Freilich ist das Buch vor allem eine Betrachtung von Alexander von Stauffenbergs Wirken als Historiker.

Die großen Namen

Die bekannten Figuren des militärischen Widerstands – bis zum individuellen Moment der Umkehr Hitlers mehr oder minder willige Helfer – kommen bei den Publikationen auch nicht zu kurz:

  • Peter Hoffmanns beeindruckende Biografie über Claus Schenk Graf von Stauffenberg, ursprünglich bei DVA erschienen, jetzt unterm Random House-Dach bei Pantheon im Programm, heißt nun statt „Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder“ nur noch nach dem Attentäter.
  • Für Leser, denen die (mit Anmerkungsapparat) über 700 Seiten zu mächtig sind, gibt es als C.H. Beck-Wissen-Bändchen Hoffmanns „Stauffenberg und der 20. Juli 1944“.
  • Ähnlich kompakt: „Claus Stauffenberg. Zeuge im Feuer“ (DRW) vom wissenschaftlichen Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Peter Steinbach. Der hat auch soeben das Vorwort zur Neuauflage von Eberhard Zellers „Oberst Claus Graf Stauffenberg“ (Schöningh) verfasst.
  • Ganz neu ist das bei Pendo erschienene „Stauffenberg. Die wahre Geschichte“ des ZDF-Geschichtsaufbereiters Guido Knopp.
  • Rowohlt Berlin hat die Publikation von Tobias Kniebes „Operation Walküre“-Buch wegen der Hollywood-Verfilmung auf den Januar verschoben.
  • Klaus-Jürgen Müllers große Biografie zu Ludwig Beck, den 1938 zurückgetretenen Generalstabschef, der von den 20.-Juli-Verschwörern als provisorisches Staatsoberhaupt vorgesehen war, soll ab November wieder bei Schöningh vorrätig sein.
  • Schließlich gibt es zu Philipp von Boeselager, den am 1. Mai gestorbenen „letzten Zeuge des 20. Juli“, zwei neue Titel: Von Zabert Sandmann (mit Interview-CD) sowie – als Übersetzung aus dem Französischen – von Hanser.

Titel-Tabelle zum Download

Ingo Schiweck, schiweck@buchreport.de

aus: buchreport.magazin 11/2008

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