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Sonntagsöffnung: Mehr Schaden als Nutzen

Kann der stationäre Handel an einer Sonntagsöffnung genesen, wie es die großen Warenhausfilialisten Karstadt und Kaufhof propagieren? Die Mehrheit der Deutschen (61%) will die gesetzlich verordnete Sonntagsruhe lockern, hatte „Bild am Sonntag“ Ende Mai per Emnid-Umfrage ermittelt.

Ein auf buchreport.de dazu abgefragtes Branchen-Meinungsbild („Wollen Sie sonntags Bücher verkaufen?) mit 460 Teilnehmern hat nicht ganz überraschend eine deutlich ablehnendere Haltung offenbart: Rund 80% verneinen die Frage: Sollte es den Geschäften selbst überlassen werden, ob sie sonntags öffnen?

Die Hauptargumente gegen die Sonntagsliberalisierung in der (nicht repräsentativen) buchreport-Umfrage:

  • Die These, dass verkaufsoffene Sonntage den auch vom Buchhandel beklagten Frequenzrückgang ausgleichen können, wird von mehr als 80% verneint.
  • Stattdessen werde durch verkaufsoffene Sonntage der Umsatz anderer Tage lediglich umverteilt (76%).
  • Aufwand/Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Ertrag (64%).

Pro-Argumente wie „Sonntagsöffnungen sind ein gutes Serviceangebot“ und „Verkaufsoffene Sonntage sind ein Mittel, um den Online-Handel Paroli zu bieten“ werden von weniger als 20% gestützt.

 

Verschärfung des Wettbewerbs zulasten der Kleinen

In den individuellen Kommentaren werden darüber hinaus vor allem drei Aspekte gegen die Sonntagsöffnung akzentuiert:

  • Die Auswirkungen auf das Verkaufspersonal, denen über den Schichtdienst hinaus der Fixpunkt Sonntag als Erholungs- und Familientag für gemeinsame Unternehmungen verloren ginge
  • Die Benachteiligung kleinerer Läden gegenüber Großformen, die mit ihrem größeren Personalstamm mehr Möglichkeiten haben, längere Öffnungszeiten und den siebten Wochentag zu besetzen
  • Zusätzliche Umsatzverluste und Geschäftsaufgaben in kleineren Orten, weil die Sonntagsöffnung vor allem für Oberzentren attraktiv ist.
Kommentare zur Sonntagsfrage

Ausgewählte Kommentare aus der buchreport.de-Umfrage zur diskutierten liberaleren Sonntagsöffnung:

  • Niemand kommt mehr zur Ruhe. Burn­out und Erschöpfung nehmen immer mehr zu. Der Sonntag muss frei bleiben!
  • Das würde nur das Ungleichgewicht zwischen großen Ketten und kleinen Ladenlokalen verschärfen.
  • Jeder sollte seines Glückes Schmied sein dürfen und auf die individuellen Bedürfnisse vor Ort eingehen können. Warum darf in Kurstädten, an Bahnhöfen und Flughäfen verkauft werden und 100 m weiter nicht?
  • Verkaufsoffene Sonntage sind ein Nullsummenspiel.
  • Interneteinkauf auch nach 22 Uhr und sonntags nicht zulassen. Wer am Sonntag im Internet einkaufen will, soll nur noch einen Showroom sehen.
  • In anderen Ländern funktioniert die Handelslandschaft auch ohne Reglementierung der Ladenöffnungszeiten.
  • Bei uns ist bei verkaufsoffenen Sonntagen der Umsatz rein verschoben, an einem Montag nach einem verkaufsoffenen Sonntag herrscht regelmäßig „tote Hose“. Und für den verschobenen Umsatz zahle ich meinen Mitarbeitern noch doppeltes Gehalt.
  • Offene Sonntage haben mehr Event-Charakter, als dass sie dem Kaufanreiz dienen.
  • Dem Druck des Internets kann man nicht mit geöffneten Sonntagen standhalten, das wäre blauäugig und unverhältnismäßig stark zulasten des Ladenpersonals.
  • Sonntags wird flaniert – wenn gekauft wird, fehlt der Umsatz in der Woche. Das ist sehr schön in Berlin zu beobachten.
  • Kunden, die wir an Online-Anbieter verloren haben, gewinnen wir nicht zurück, doch können wir das weitere Abwandern von Käufern ins Netz verlangsamen.

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