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Maja Haderlap ernennt Esther Kinsky zur Erich Fried Preisträgerin 2020

Der Erich Fried Preis wird seit 1990 durch die Internationale Erich Fried Gesellschaft vergeben und von jährlich wechselnden Einzeljuror/inn/en entschieden. Er ist mit 15.000 Euro dotiert.

In der Begründung der Jurorin heißt es:

„Esther Kinsky ist eine europäische Schriftstellerin und Übersetzerin, die sich in ihrer Arbeit der Erkundung und Überwindung der Fremde verschrieben hat: Der Fremde als existenzieller, menschlicher Erfahrung, der Fremde zwischen benachbarten Sprachen und Literaturen. In ihren Texten reist sie an Peripherien, um etwas zur Sprache zu bringen, in Sprache zu übersetzen, das zumeist unbeachtet bleibt, und aus unserer allgemeinen Wahrnehmung verdrängt wird: Das scheinbar Unwichtige, Vergängliche, Aufgelassene, die Bruchhalden, die Totenhaine, die Unergründlichkeit von Naturerscheinungen. Ihr Interesse gilt nicht dem Repräsentativen, Vordergründigen. Es gilt jener Welt, die nicht aus der unermüdlichen Produktion von Ereignissen besteht, die scheinbar statisch, aber gerade deshalb randvoll mit Geschichte und Veränderungsprozessen ist.

Esther Kinskys schriftstellerisches und übersetzerisches Werk zeugt von Widerständigkeit, vom ständigen Bemühen um kulturelle und sprachliche Zusammenhänge, von der meisterhaften Anverwandlung der Sprache in Bilder. Es erinnert uns daran, dass Identität und Heimat nur im Zustand des Übergangs, und im Einverständnis mit den anderen, dem Anderen, Fremden, wirksam werden.“

Esther Kinsky wurde zuletzt 2018 für Hain: Geländeroman (Suhrkamp), mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet, einem Roman, der „subtil, emphatisch und unerbittlich das Terrain zwischen den Lebenden und den Toten erkundet“ (NZZ). Im März 2020 erschien Kinskys Gedichtband Schiefern (Suhrkamp): Verortet auf den schottischen Slate Islands beschäftigt sich die Autorin mit der von intensivem Schieferabbau geprägten Geschichte des Archipels, den bizarren Landschaften der Trümmer und gefluteten Steinbrüche – und vor dem Hintergrund dieser Topologie mit dem „Schichtwerk“ menschlicher Erinnerung.

Die öffentliche Preisverleihung findet am 29. November 2020 um 11 Uhr im Literaturhaus Wien statt.

Zu den Preisträger/inne/n der letzten Jahre zählen Terézia Mora, Thomas Stangl, Nico Bleutge, Rainer Merkel, Judith Hermann, Dorothee Elmiger, Leif Randt, Teresa Präauer und zuletzt Steffen Mensching.

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