Kleinverlag bringt Trump-Abrechnung

Matt Carlini, Agent für internationale Rechte bei der US-Literaturagentur Javelin, nickt auf buchreport-Anfrage: „Ja, wir haben die deutschen Rechte von ,The Room Where It Happened vergeben.“ Die Abrechnung des früheren Nationalen Sicherheitsberaters John Bolton mit US-Präsident Donald Trump ist von der Berliner Verlagsgruppe Eulenspiegel ersteigert worden.

Eulenspiegel? Ja, sie seien selbst ein bisschen überrascht, dass sie den Zuschlag bekommen habe, sagt Jacqueline Kühne, multifunktional für Vertrieb/Marketing/Rechte & Lizenzen zuständig, aber „wir wollten das Buch und haben schnell die Vorbereitungen für Übersetzung und Druck getroffen.“ Eile tut Not, denn vom amerikanischen Original, erschienen bei Simon & Schuster, ist durch hohe Vorbestellzahlen im Online-Handel zum vergangenen Wochenende mindestens eine hohe vierstellige Stückzahl abgeflossen. Die Ausgabe hat sich in dieser Woche auch neu auf Platz 2 der SPIEGEL-Bestsellerliste Hardcover Sachbuch platziert.

Bereits vor den Veröffentlichung hatte das Buch in den USA reichlich Aufmerksamkeit bekommen. Die Trump-Regierung hatte die Veröffentlichung wegen darin enthaltener Geheiminformationen noch in letzter Minute stoppen wollen, war damit aber vor Gericht gescheitert.

Deutsche Ausgabe kommt im August

Die deutsche Ausgabe wird am 14. August im Verlag Das Neue Berlin als „Der Raum, in dem alles geschah“ erscheinen (Buch: ISBN 978-3-360-01371-2 | 28,00 Euro; E-Book: ISBN 978-3-360-50176-9 | 18,00 Euro). Als Übersetzerteam wurden Shaya Zarrin, Patrick Baumgärtel und Johannes Oehme verpflichtet.

„Der Raum, in dem alles geschah”: Cover der deutschen Ausgabe (Foto: Eulenspiegel)

Der deutsche Lizenzdeal darf als Riesenüberraschung gelten: Eulenspiegel ist eine aus früheren DDR-Verlagen hervorgegangene Kleinverlagsgruppe, die inhaltlich und vertrieblich ihren Schwerpunkt immer noch in den östlichen Bundesländern hat. Zur Gruppe gehören die Programme Eulenspiegel Verlag, Eulenspiegel Kinderbuchverlag, Verlag Neues Leben, Verlag Das Neue Berlin, Edition Ost, der Aurora Verlag und der Militärverlag. Neben Unterhaltung und Humor bei Eulenspiegel gibt es ein breiter gefächertes Sachbuchprogramm mit zeitgeschichtlichem Schwerpunkt. Meistverkaufte Titel waren zuletzt Polit-Erinnerungsbücher, die sich auch auf SPIEGEL-Bestsellerlisten platzierten:

Die Eulenspiegel Gruppe hat zwei Insolvenzverfahren hinter sich, zuletzt 2017 nach Rückforderungen der VG Wort. Matthias Oehme, der die Gruppe zusammen mit Jacqueline Kühne 1993 aus ehemaligen DDR-Verlagen entwickelt hat, fungiert auch in der 2018 neu eingetragenen Eulenspiegel Verlagsgruppe Buchverlage GmbH als Verleger. Die Geschäfte führt aber der auch als Immobilienunternehmer aktive Ricardo Henkelmann.

Kommentare

Kommentar hinterlassen zu "Kleinverlag bringt Trump-Abrechnung"

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mit dem Abschicken des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten elektronisch gespeichert werden. Diese Einverständniserklärung können Sie jederzeit gegenüber der Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien-GmbH & Co. KG widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutz-Richtlinien

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*