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Der Geschwister-Scholl-Preis 2023 geht an David Van Reybrouck

David Van Reybrouck erhält den Geschwister-Scholl-Preis 2023. Er wird für sein Buch „Revolusi. Indonesien und die Entstehung der modernen Welt“ (Suhrkamp) ausgezeichnet. Der Landesverband Bayern des Börsenvereins und die Landeshauptstadt München verleihen ihm den mit 10.000 Euro dotierten Preis am 28. November. 

Die umfangreiche Jury-Begründung im Wortlaut:

„In seinem Buch Revolusi. Indonesien und die Entstehung der modernen Welt bringt uns David Van Reybrouck die Befreiung Indonesiens aus der Kolonialherrschaft als packende Globalgeschichte von überraschender Aktualität nahe. Der leidvolle Weg des Landes in die Unabhängigkeit erweist sich als Schlüssel zum Verständnis von Erfahrungen, Hoffnungen und politischen Visionen in den Ländern des Globalen Südens, die ihre Wirkmacht in den geopolitischen Entwicklungen der Gegenwart neu entfalten.

Van Reybrouck schildert, wie eine junge Generation von Indonesierinnen und Indonesiern am Ende des Zweiten Weltkrieges weltweit das Streben nach einem Leben in Freiheit, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit inspirierte. Anschaulich rekonstruiert er die rigide Klassengesellschaft der Kolonialzeit, die Brutalität, mit der die wechselnden Besatzer Indonesiens ihre Macht stabilisierten, sowie die jugendliche Energie, mit der sich die Unabhängigkeitsbewegung über die Grenzen von Kontinenten hinweg formierte. Van Reybrouck setzt dabei auch den Indonesierinnen und Indonesiern ein literarisches Denkmal, die sich als Studierende in den Niederlanden während der deutschen Besatzung – mehr als der Durchschnitt der damaligen Bevölkerung – für den Schutz von verfolgten Jüdinnen und Juden einsetzten.

David Van Reybrouck ist ein mitreißender Erzähler und akribischer Rechercheur. Mit Revolusi führt er seine Methode der Oral History fort, die schon sein 2012 auf Deutsch erschienenes Buch Kongo. Eine Geschichte prägte. Die Erzählungen der Zeitzeugen, die Van Reybrouck in Altenheimen, entlegenen Dörfern und bis in die Bergregionen Nepals aufspürte und in fast 20 Sprachen interviewte, machen den einzigartigen Reichtum an Perspektiven und Lebenserfahrungen aus, die seine Bücher auszeichnen.

Die Jury des Geschwister-Scholl-Preises würdigt mit der Auszeichnung die aufklärerische Kraft und intellektuelle Unabhängigkeit, mit der David Van Reybrouck – ohne institutionelle Einbindung und öffentliche Förderung – lange verdrängte Kapitel der Kolonialgeschichte in das Bewusstsein der europäischen Öffentlichkeit rückt. Seine Geschichtserzählung bringt freiheitliche Ideale und menschliche Werte zum Leuchten, die, ganz im Sinne des Vermächtnisses der Geschwister Scholl, auch in unserer Gegenwart moralische Orientierung bieten.“

Der Jury unter dem Vorsitz von Kulturreferent Anton Biebl und Klaus Füreder, Vorsitzender des Börsenvereins in Bayern, gehörten an: Natalie Amiri (Journalistin und Fernsehmoderatorin), Aleida Assmann (Literatur- und Kulturwissenschaftlerin), Niels Beintker (Bayerischer Rundfunk), Stephan Detjen (Deutschlandfunk), Johannes Ebert (Goethe-Institut), Udo Hahn (Evangelische Akademie Tutzing), Margit Ketterle (Droemer Knaur), Michael Krüger (Schriftsteller und Publizist), Thomas Rathnow (Penguin Random House) und Mirjam Zadoff (NS-Dokumentationszentrum) sowie von Seiten des Stadtrats Florian Roth (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste), Leo Agerer (Fraktion CSU mit Freie Wähler) und Kathrin Abele (Fraktion SPD/Volt). Beratende Mitglieder waren Hildegard Kronawitter (Weiße Rose Stiftung e. V.), die Stadträtin Mona Fuchs (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste) sowie Stadtrat Matthias Stadler (Fraktion CSU mit Freie Wähler). 

Rückblick zu 2022:

Andrej Kurkow erhält den Geschwister-Scholl-Preis 2022

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