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»Vertrauensmaschine« Blockchain – was sie für Wissenschaft und Verlage bedeutet

Die Blockchain-Revolution dürfte künftig in den Wissenschaften die Verteilung der Forschungsgelder und den Wertefluss im Netzwerk der Forschung stark beeinflussen. Mehr als 30 Projekte weltweit arbeiten derzeit in allen Disziplinen von Naturwissenschaften über Medizin und Technik bis Jura an der Umsetzung von „Blockchain for Research“, also dem Einsatz von Blockchain-Technologien für die Wissenschaft. Zeit für eine erste Zwischenbilanz und umfassende Diskussion.

Im Rahmen der „Berlin Science Week“ führen Sönke Bartling, Mediziner und Pionier von Blockchain-Anwendungen in der Forschung, und der ehemalige Springer-Manager und heutige Kongressveranstalter Arnoud de Kemp erstmals eine neue Konferenz durch: Die „First International Conference on Blockchain for Science, Research and Knowledge Creation“ findet am 5. und 6. November 2018 unter der Schirmherrschaft des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft (HIIG) statt. 

Im IT-Channel von buchreport.de erklären Bartling und de Kemp die Ideen hinter „Blockchain for Research“ und den aktuellen Gesprächsstand. Die Autoren zeigen dabei auf: Die Rolle des klassischen wissenschaftlichen Publizierens könnte sich erneut verändern.

Die Blockchain-Revolution verspricht große Potenziale für Wissenschaft und Forschung. Erfasste und weiterverarbeitete Forschungsdaten werden durch Blockchain-Technologien unveränderlich und nach außen belegbar. Die Blockchain erlaubt den Aufbau angriffs- und zensursicherer, kryptocloudbasierter Zeitschriftensysteme und Datenspeicher und könnte auch die Bewertung von Forschung und die Messung ihrer Wirkung besser objektivierbar machen. Mit neuen Finanzierungsmechanismen am Horizont könnte sie ein neuer Anfang für eine offene Wissenschaft („Open Science”) werden.

Als „Vertrauensmaschine“ birgt die Blockchain in der Wissenschaft das Potenzial, das Vertrauen in wissenschaftliche Daten wiederherzustellen. Einige Forscher und Theoretiker behaupten, dass sie sogar tauglich sein könnte, die Reproduzierbarkeitskrise zu beheben. Neue Methoden zeichnen sich ab, das Thema Datenschutz und ganze Datenmärkte zu überprüfen. Die Blockchain könnte sogar eine wichtige Rolle im wissenschaftlichen Publizieren spielen, insofern sie die aktuelle Rolle und die Geschäftsmodelle der Wissenschaftsverlage in Frage stellt. Sie könnte neue Wege öffnen, um Anreize für Peer-Reviews oder die Reproduktion von Ergebnissen zu schaffen.

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Als Mittel zum Transfer monetärer Mittel sind nicht nur innovative und flexible Methoden zur Verteilung von Forschungsgeldern denkbar, sondern man könnte auch den Wert von Mikrobeiträgen neu einschätzen und den Austausch von Ideen und Konzepten völlig überdenken. Forscher entwerfen dafür derzeit ganze „Science Token“-Rahmenwerke. Viele wichtige und potenziell entscheidende Fragen müssen jetzt gestellt und diskutiert werden, zum Beispiel wie Wissenschaftler „negative“ Ergebnisse zu bewerten haben.

Das führt zur Krypto-Ökonomie in der Wissenschaft. Es fanden bereits kryptowährungsbasierte Crowdfunding-Kampagnen (ICOs) statt, darunter die ersten für Forschungsprojekte, zum Beispiel „Blockchain for Peer Review“ der Firma Digital Science.

Obwohl viele Fragen – etwa zu den Urheberrechten und zur Transparenz –  unklar bleiben, ist klar, dass das Phänomen Blockchain Bestand haben wird. Denn diesmal ist auch die Finanzierung betroffen. Dieser Punkt könnte die Blockchain-Revolution in der Wissenschaft so anders machen als andere Revolutionen zuvor. Warum nicht in den wissenschaftlichen Wert eines Projekts investieren, statt in den potenziellen Anwendungswert eines Projekts? Dieses nur scheinbar verrückte Konzept könnte ein Ansatz dazu sein, das Dilemma des Innovators zu überwinden und uns in eine innovationsintensive Gesellschaft zu führen.

Darüber hinaus gilt es auch soziale, kulturelle und urheberrechtliche Fragen zu diskutieren. Eine Lösung kann nicht vollständig dezentral, integer und schnell zugleich sein, daher müssen die Scientific Community und ihre Förderer technische Fragen hinsichtlich deren kulturellen Auswirkungen evaluieren. Außerdem ist es auch in den Kreisen der Wissenschaftler und Publisher noch keineswegs Gemeingut, was eine Blockchain eigentlich ist und ob dahinter wirklich etwas grundlegend Neues steckt, oder ob sie nur die passenden Komponenten zusammenbringt und die Zeit für grundlegende Veränderungen reif ist.

„Blockchain for Research“ wurde zum ersten Mal auf der APE-Konferenz im Januar 2018 vorgestellt. Anlass war ein seitdem viel zitierter Bericht von Joris van Rossum für die Firma Digital Science. Tech-Experten wie Eefke Smit, Director of Standards and Technology der International Association of STM Publishers, erwarten, dass die Blockchain der Anfang eines neuen Ökosystems sein könnte. Seit der APE 2018 fanden diverse weiterführende Konferenzen, Unkonferenzen (bei einer Unkonferenz entscheiden die Teilnehmer das Programm) und Meetups statt. Höchste Zeit also für eine erste internationale Konferenz in der Wissenschaftsstadt Berlin.

Die First International Conference on Blockchain for Science, Research and Knowledge Creation möchte:

  • Mit einem „Serendipity-Tag“ großes Denken und „verrückte“ Ideen hervorbringen und Spaß machen
  • Frühphasenprojekte und Unternehmen unterstützen und die etablierten Akteure an einen Tisch bringen
  • sich am „Serious-Business-Tag“ der Verantwortung stellen, die die Wissenschaftler nicht nur den einzelnen Forschungsbereichen, sondern der gesamten Gesellschaft gegenüber haben.

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