Andreas Ländle: Es überrascht mich, wie wenig Publikumsverlage ihre Endkunden kennen

Andreas Ländle. Bild: Jochen Kunstmann

Andreas Ländle. Bild: Jochen Kunstmann

Besonders im Zuge der Digitalisierung ist die Durchlässigkeit innerhalb der einzelnen Medienbranchen sowie zu andere Branchen größer geworden. Die Zahl der Quereinsteiger ist deutlich gewachsen. In einer Serie beschreiben Medien-Manager im HR-Channel von buchreport, was sie dort reizt, überrascht und enttäuscht, was sie bewegen möchten und wo sie gestalten können. Heute: Andreas Ländle, seit November 2016 Leiter Digital Publishing bei Droemer Knaur.

Unter den großen Publikumsverlagen gehört der Droemer Knaur Verlag zu den Pionieren des E-Books und des Electronic Publishing mit ersten Pilotprojekten in den frühen 2000er Jahren. In der Folge wurden E-Book-Verlage und Selfpublishing-Portale gegründet und zahlreiche wichtige Impulse in die Verlagsgruppe Holtzbrinck Deutsche Buchverlage und in die Branche hinausgetragen.

Name: Andreas Ländle
Alter: 30
Unternehmen: Verlagsgruppe Droemer Knaur
Position: Leiter Digital Publishing

Woher kommen Sie? / Wo stehen Sie? / Wohin wollen Sie?
Ich stamme aus einer schwäbischen Gastronomenfamilie – damit ist die Karriere im digitalen Verlagsgeschäft nicht unbedingt vorprogrammiert … Aber womöglich ist mir deshalb Kundenorientierung so wichtig.
Als Leiter der Abteilung Digital Publishing bei Droemer Knaur verantworte ich die digitalen Erlösquellen des Verlags, entwickle mit einem tollen Team neue Geschäftsfelder und unterstütze alle Verlagsbereiche als interner Berater.
Ein erstes Ziel ist dann erreicht, wenn Verlage keine Digitalabteilungen mehr brauchen, sondern ganz selbstverständlich digital denken, sich agil organisieren und kundenorientiert handeln.

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Was reizt Sie an der Medienbranche?
Die Schnittmenge aus Inhalten, Unternehmertum und Digitalisierung. Mit einem Faible für Wirtschaft und gute Geschichten lag mein Weg in den Verlag nahe – und im Verlag kann ich nun meine Begeisterung für die Onlinewelt ausleben. Was gibt es Spannenderes, als an der Zukunft der Branche zu arbeiten!

Die bisher angenehmste Überraschung in der Medienbranche?
In der Buchbranche arbeiten überdurchschnittlich viele sympathische Menschen mit viel Kreativität und einer großen Leidenschaft für ihre Arbeit. Es ist gar nicht so schwer, diese Kolleginnen und Kollegen von agilen Arbeitsmethoden, neuen Geschäftsmodellen und technischen Innovationen zu überzeugen – man braucht nur etwas Ausdauer und gemeinsame Erfolgserlebnisse.

Und die größte Enttäuschung?
Es überrascht mich, wie wenig Publikumsverlage ihre Endkunden kennen. Wer kauft unsere Bücher (und liest sie womöglich auch noch)? Welche Bedürfnisse haben diese Leser? Hier besteht erheblicher Nachholbedarf: Wir müssen mehr mit unseren Kunden sprechen! Nur so kann man gute Produkte entwickeln.

Was möchten Sie bewegen?
Damit sich ein Unternehmen frei bewegen kann, muss zunächst Bewegungsfreiheit im Unternehmen geschaffen werden. Dazu gehört für mich zielorientiertes und selbstorganisiertes Arbeiten in transdisziplinären Teams sowie die Möglichkeit, Neues auszuprobieren und dabei auch Fehler zu machen – vorausgesetzt, man lernt etwas daraus. Ich bin immer wieder begeistert, was ein Team leisten kann, wenn es diese Freiheiten bekommt.

Haben Sie eine Spielwiese? Welche?
Wir sind sogar in der glücklichen Situation, einen ertragreichen Acker und eine Spielwiese zu haben: Wir bewirtschaften den bestehenden E-Book-Markt und optimieren unsere Mechaniken – und im Business Development experimentieren wir mit Technologien, basteln an Geschäftsmodellen und testen Prototypen zusammen mit unseren Usern.

Können Sie genug gestalten? Wo?
Auf jeden Fall! Neben den Gestaltungsmöglichkeiten im eigenen Unternehmen ist es mir sehr wichtig, den Branchennachwuchs fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen. Dieses Sommersemester verschlägt es mich zurück an die Uni München, wo ich den Studierenden der Buchwissenschaft das entsprechende Handwerkszeug und die Lust am Um-, Neu- und Weiterdenken vermitteln möchte.

Was stresst Sie?
„Das war schon immer so.“, „Das funktioniert nie.“, „Das haben wir 1998 schon mal probiert.“, „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das durchsetzt.“, „Das kannibalisiert unser Kerngeschäft.“, „Datensammeln ist böse.“, „Echte Leser brauchen die Haptik und den Geruch von Papier.“, „Der E-Book-Markt stagniert.“, „Achso, Selfpublisher … Ich meine richtige Autoren.“, „Das mag für andere Branchen gelten, bei uns ist das was ganz anderes.“

Ihre wichtigste App
beruflich: Alles von Google (von Analytics und Drive über Hangouts und Keep bis Mail und YouTube)
privat: Netflix – abschalten, Apple Music – anschalten, Road Bike Pro – hochschalten

Ihr persönlicher Blick in die Glaskugel: Wie werden die Menschen in zehn Jahren Medien konsumieren?
Mobile? Chatbots? Flatrate? Micropayment? Augmented Reality? Virtual Reality? Papier?
Unsere Kunden werden die Medien konsumieren, bei denen das Zusammenspiel aus nutzerfreundlicher Technologie und guten Inhalten das beste Produkterlebnis bietet. Content ist dabei nicht das Problem, das ist die Kernkompetenz von Verlagen. Aber um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Verlage ihre Strukturen und Fähigkeiten im Hinblick auf Kundenorientierung und Technologie-Einsatz ausbauen!

Alle Teile der Serie „Heimat Medienbranche“ finden Sie hier.

Kommentare

2 Kommentare zu "Andreas Ländle: Es überrascht mich, wie wenig Publikumsverlage ihre Endkunden kennen"

  1. Ja, genau so! Schöne präzise Aussagen!
    Nachsatz: In 10 Jahren werden Leser sich keine großen Gedanken machen um e „ODER“ p. Sie werden lesen, oder was andres tun. Aber eigentlich ist das schon heute so. (Fußnote: Ist denn ein Schmöker aus der Backlist oder ein Nischentitel, integriert digital gemacht und dann über POD oder sonst wie auf Papier ausgegeben und angeliefert so ganz was andres als ein überwiegend elektronisch gefertigtes Buch?!)

  2. Andreas Ländle ist toll – aber als Buchwissenschaftler kein Quereinsteiger. (Nicht weniger gut!!). Mich würden Interviews mit ex-Googlern (randomhouse) oder anderen Digital Unternehmen, Startups interessieren. Ist es so anders?

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