Thomas Wiederin: Klassischer Sortimenter an einem Ort der Wert- und Werkschätzung

Der Österreichische Buchhandlungspreis ist 2017 erstmals vergeben worden und soll – ähnlich wie sein deutsches Pendant – Arbeit und Verdienste der inhabergeführten Sortimente hervorheben. buchreport stellt die fünf Premieren-Preisträger vor. In dieser Folge: Liber Wiederin in Innsbruck.


Liber Wiederin

Inhaber Thomas Wiederin

Erlerstraße 6, 6020 Innsbruck

www.liberwiederin.at

Auszug aus der Jurybegründung: „Beharrlichkeit zahlt sich aus, das weiß niemand besser als Thomas Wiederin. Mit einer gemeinsamen Berufserfahrung von 80 Jahren wissen er und sein Team genau um die Tücken und Fallstricke der Branche Bescheid – und trotzdem ist ihr Wille zur Buchhandlung ungebrochen. Liber Wiederin hat sich in nur fünf Jahren einen fixen Platz in der Innsbrucker Innenstadt erobert.“


 

Liber Wiederin: Inhaber Thomas Wiederin (r.) zusammen mit seinen Partnern Ekkehard Hey-Ehrl und Sabine Oguzhan in der Buchhandlung (Foto: Liber Wiederin).

Thomas Wiederin hat Vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik an der Universität Innsbruck studiert und arbeitet seit 1988 als Buchhändler. Vor fünf Jahren hat er in der Innsbrucker Erlerstraße die Buchhandlung Liber Wiederin eröffnet. Unterstützt wird er von Buchhändlerin Sabine Oguzhan und Ekkehard Hey-Ehrl (studierte Geschichte und Germanistik), mit denen er in den 1990ern schon in der Buchhandlung Parnass zusammengearbeitet hat. Als Buchhändler sieht sich das Trio sich in der Tradition des klassischen Sortimentsbuchhandels, der bei Liber Wiederin mit den drei Säulen Kinder- und Jugendliteratur, anspruchsvolle Belletristik und – den Neigungen und biografischen Hintergründen entsprechend – geisteswissenschaftlichem Fach- und Sachbuch bestritten wird. Der absolute Verkaufshit 2016? Der Roman „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ (C.H. Beck) von Sabine Gruber, die dafür mit dem ersten „Liber Wiederin Literaturpreis“ ausgezeichnet wurde. Was die Buchhandlung sonst noch auszeichnet – unter anderem sind Veranstaltungen und Leseförderung feste Bestandteile des Konzepts –, erklärt Thomas Wiederin im Kurzinterview.

 

Herr Wiederin, was zeichnet Ihr Unternehmenskonzept aus und wo liegen die besonderen Stärken Ihrer Buchhandlung?

Als leidenschaftliche LeserInnen sehen wir uns in der Tradition des klassischen Sortimentsbuchhandels: Unser Anspruch besteht in der Präsentation einer durchdachten Auswahl aus einer Fülle von jährlichen Neuerscheinungen und der Pflege der Werke der Weltliteratur. Qualifizierte Beratung und respektvoller Umgang mit unseren Kund/innen und Partner/innen ist unser Weg gegen Beliebigkeit und Austauschbarkeit.

Im Zentrum unseres Handelns steht das Kulturgut Buch sowie unsere Kund/innen. Für uns ist der Ort des Buch-Handelns ein Ort der Entschleunigung und der Ruhe, der Achtsamkeit und des Vertrauens, der Wert- und Werkschätzung. Wir haben Partner gefunden, die unsere Vorstellungen grafisch und architektonisch umzusetzen wussten und eine Buchhandlung gestaltet haben, die der Literatur und dem Gespräch über Literatur angemessen ist. Die Transparenz, Helligkeit, großzügige Raumgestaltung und edle Materialien unterstützen den Dialog mit und um Autor/innen und Literaturen.

Unsere Lesevorlieben, langjährige Erfahrungen und Studien in Geistes- und Literaturwissenschaft spiegeln sich wieder in unseren drei großen Sortimentsschwerpunkten: qualitätsvolle Kinder- und Jugendliteratur, anspruchsvolle Belletristik und eine große Auswahl an geisteswissenschaftlichem Fach- und Sachbuch. Dabei sind Print-Verlagsvorschauen und Vertreterbesuche für uns die wichtigsten Instrumente der Sortimentsgestaltung. Wir empfangen alle Vertreter/innen, die uns besuchen wollen. Im Herbst 2016 kamen wir auf 35.

Wir verstehen uns auch als Kulturvermittler und Kulturveranstalter. Wir gestalten pro Jahr ca. 30 bis 35 Veranstaltungen in enger Zusammenarbeit mit lokalen Verlagen und Institutionen und führen zahlreiche Schüler/innen unterschiedlicher Schulstufen in die Welt der Bücher ein. Wir beraten Lehrer/innen und Schüler/innen über Kinder- und Jugendbuchneuerscheinungen, wir betreuen ca. 50 öffentliche Bibliotheken bei ihrer Sortimentsauswahl und sind Kooperationspartner der 2 größten Literaturveranstaltungen Tirols, den „Innsbrucker Wochenendgesprächen“ und dem „Literaturfestival Sprachsalz“.

Wie groß war die Aufmerksamkeit infolge der Auszeichnung?

Diese ist überraschend hoch und anhaltend. Die regionalen wie nationalen Leitmedien haben umfangreich über Preis und Preisträger berichtet.

Was machen Sie mit dem Preisgeld?

Durch die veränderte Registrierkassenverordnung haben wir eine neue Warenwirtschaft bzw. Kassenlösung gebraucht – Kostenpunkt: 5.000 Euro. Außerdem haben wir im März den ersten „Liber Wiederin Literaturpreis“ vergeben – Preisgeld: 5.555 Euro.

Was ist die größte Herausforderung, vor der Sie als Buchhändler stehen?

Nach bisher 5 neuen Buchhandlungen, die ich in 3 Buchhandelsunternehmen neu konzipiert und umgesetzt habe, mich an die Planung der Nummer 6 zu wagen.

Der Österreichische Buchhandlungspreis

Beim Österreichischen Buchhandlungspreis, der 2017 erstmals vergeben wurde, erhalten fünf unabhängige Buchhandlungen je 10.000 Euro Preisgeld, das offen als Stütze gegen den Online-Handel verteilt wird. Die Buchhandlungen seien „herausragende Beispiele dafür, wie unterschiedliche kundenorientierte Konzepte auch in Zeiten von internationalen Internetriesen entgegenhalten können: mit modernen Ideen und persönlichem Profil“, lobte Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels. Der Verband vergibt den Preis gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt.

Ähnlich wie das deutsche Pendant soll die Auszeichnung als beste Buchhandlung des Jahres die Buchhandlungen als Kultur- und Begegnungsorte würdigen und ein Schlaglicht auf die unabhängige Buchhandelslandschaft werfen. Neben dem Preisgeld erhalten die prämierten Buchhandlungen ein Gütesiegel mit dem sie dauerhaft für sich werden können. Ausgezeichnet werden inhabergeführte Buchhandlungen, die

  • literarisch ausgerichtete Sortimente pflegen
  • ein kulturelles Veranstaltungsprogramm bieten
  • innovative Geschäftsmodelle verfolgen
  • Lese- und Literaturförderung betreiben.

Die Preisträger 2017:

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