Petra Hartlieb: »Wir wollen nicht wachsen, aber wir müssen«

Der Österreichische Buchhandlungspreis ist 2017 erstmals vergeben worden und soll – ähnlich wie sein deutsches Pendant – Arbeit und Verdienste der inhabergeführten Sortimente hervorheben. buchreport.de stellt die fünf Premieren-Preisträger vor. In dieser Folge: Hartliebs Bücher in Wien.


Hartliebs Bücher (Foto: Jennifer Krenn, 2013)

Hartliebs Bücher

Inhaber: Petra und Oliver Hartlieb

Währinger Straße 122, 1180 Wien

www.hartliebs.at

Auszug aus der Jurybegründung: „In einer Branche, der regelmäßig der Untergang prophezeit wird, braucht es Menschen, die kompromisslos an ihren Traum einer Buchhandlung glauben. Die fest davon überzeugt sind, dass man auch einen schwierigen Standort dynamisch entwickeln kann. Petra und Oliver Hartlieb konnten ihre Vision mit viel Einsatz, vorsichtiger Innovation und klugen Investitionen verwirklichen.“


Petra Hartlieb, die mit ihrem Mann Oliver Hartlieb (2016 kurzzeitig Vertriebs- und Marketing-Geschäftsführer bei Rowohlt und nach wenigen Monaten wegen der Buchhandlung – „mein Herzensprojekt, meine Lebensaufgabe“ – zurück nach Wien gekehrt) Hartliebs Bücher führt, stapelt erst einmal tief: Unternehmenskonzept? Das Wort sei doch etwas zu hoch gegriffen, antwortet sie gleich auf die erste Frage. Ihre 60 qm kleine Buchhandlung im Wiener Bezirk Währing habe sich über die Jahre entwickelt, man habe oftmals nur reagiert und sich der Zeit angepasst. Mittlerweile unterhält Hartliebs auch einen Ableger im 9. Bezirk: Das Geschäft in der Porzellangasse hat einen französisch/italienischen Schwerpunkt. Was bei allen Veränderungen geblieben ist, ist das Verständnis als Buchhandels-Nahversorger und der Zwang zu wachsen, weil die Kosten beständig steigen, die Buchpreise aber nicht.

Frau Hartlieb, was zeichnet Ihr Unternehmenskonzept aus und wo liegen die besonderen Stärken Ihrer Buchhandlung? 

Petra Hartlieb erzählt in „Meine wundervolle Buchhandlung“ (DuMont), wie sie zu ihrer Buchhandlung gekommen ist (Foto: Jennifer Krenn).

„Unternehmenskonzept“ wäre bei uns ein echt großes Wort. So, wie die Buchhandlung vor zwölf Jahren ja auch ein bisschen zufällig gegründet wurde, ist unsere Buchhandlung einfach stetig gewachsen und wir haben sehr oft einfach nur reagiert. Wenn man von einem Konzept reden könnte, dann ist es Folgendes: Wir verstehen uns als Nahversorger und natürlich auch gleichzeitig als literarisches Zentrum. Uns ist es sehr wichtig, den Spagat zu schaffen, eine Buchhandlung für alle zu sein, die hochliterarisch interessierten LeserInnen aber auch, die, die einfach nur einen Ratgeber suchen oder ein Lösungsheft für ihr Mathematikbuch. Und wir sehen sehr altmodisch aus, viel Patina, hohe Regale bis obenhin voll mit Büchern und sind gleichzeitig sehr modern: Warenwirtschaftssystem, Web-Shop, Homepage… Und viel Personal, das viel liest.

Wie groß war die Aufmerksamkeit infolge der Auszeichnung?

Die Aufmerksamkeit war sehr groß. Medial wurde sehr viel berichtet und vor allem die Stammkunden haben es allesamt mitbekommen. Fast jeder kommt rein und gratuliert uns zum Preis, es ist rührend, alle sind sehr stolz. Wir haben auch an dem Nachmittag der Preisverleihung die Buchhandlung geschlossen, haben riesige Plakate aufs Fenster geklebt und sind alle geschlossen zu Preisverleihung gegangen. Wir hoffen, dass die es ein bisschen nachhaltig ist, die ganze Aufmerksamkeit.

Was machen Sie mit dem Preisgeld?

Na ja, 10.000 Euro, das ist ja für eine kleine Buchhandlung richtig viel Geld und einerseits auch wieder nicht. Seit wir von dem Geldsegen wissen, haben wir das Geld im Kopf schon 5x ausgegeben. Zunächst haben alle MitarbeiterInnen eine kleine Prämie bekommen, da ist bei 13 Leuten gleich mal ein Teil des Geldes weg. Der Rest geht in die neue Homepage und im Sommer wollten wir auch ein bisschen renovieren und und und … Können wir das Preisgeld noch mal haben?

Was ist die größte Herausforderung, vor der Sie als Buchhändlerin stehen?

So weiter machen, wie bisher. Und leider müssen wir jedes Jahr mehr Umsatz machen, weil die Kosten ständig steigen, der Buchpreis aber nicht. Das ist ein echtes Problem, denn wir wollen eigentlich nicht wachsen. Aber man muss.

 

Hartliebs Bücher: Die Inhaber Petra (3.v.l.) und Oliver Hartlieb (2.v.l.) waren mit ihrem Team gekommen, um den Österreichischen Buchhandlungspreis entgegen zu nehmen (Foto: Hartliebs Bücher).

Der Österreichische Buchhandlungspreis

Beim Österreichischen Buchhandlungspreis, der 2017 erstmals vergeben wurde, erhalten fünf unabhängige Buchhandlungen je 10.000 Euro Preisgeld, das offen als Stütze gegen den Online-Handel verteilt wird. Die Buchhandlungen seien „herausragende Beispiele dafür, wie unterschiedliche kundenorientierte Konzepte auch in Zeiten von internationalen Internetriesen entgegenhalten können: mit modernen Ideen und persönlichem Profil“, lobte Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels. Der Verband vergibt den Preis gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt.

Ähnlich wie das deutsche Pendant soll die Auszeichnung als beste Buchhandlung des Jahres die Buchhandlungen als Kultur- und Begegnungsorte würdigen und ein Schlaglicht auf die unabhängige Buchhandelslandschaft werfen. Neben dem Preisgeld erhalten die prämierten Buchhandlungen ein Gütesiegel mit dem sie dauerhaft für sich werden können. Ausgezeichnet werden inhabergeführte Buchhandlungen, die

  • literarisch ausgerichtete Sortimente pflegen
  • ein kulturelles Veranstaltungsprogramm bieten
  • innovative Geschäftsmodelle verfolgen
  • Lese- und Literaturförderung betreiben.

Die Preisträger 2017:

  • Buchhandlung Alex, Linz
  • Hartliebs Bücher, Wien
  • Buchhandlung Leporello, Wien
  • Buchhandlung Plautz, Gleisdorf
  • Liber Wiederin, Innsbruck

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